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Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteHintergrundDie unbekannten Opfer des Kommunismus in Albanien01.11.2017

100 Jahre OktoberrevolutionDie unbekannten Opfer des Kommunismus in Albanien

Zwischen 1944 und 1990 verbreitete das kommunistische Regime unter Enver Hoxha in Albanien Angst und Schrecken. Ein Drittel der Bevölkerung verbrachte ein Leben hinter Stacheldraht. Einer von ihnen: Simon Mirakaj. Auch heute, 27 Jahre nach dem Ende des Kommunismus, lassen ihn die Erlebnisse von damals nicht los.

Von Sabine Adler

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Ein Weg in der Mitte des Bildes, links und rechts Zäune, kaputte Blechhütten (Deutschlandradio / Sabine Adler)
Verbannungssiedlung Sabre bei Luschnja (Deutschlandradio / Sabine Adler)
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Luschnja kennt in Albanien jeder, obwohl man in Luschnja nicht gewesen sein muss. Ein kleiner unauffälliger Ort, eine knappe Autostunde von Tirana entfernt, für Adria-Touristen kein Ziel. Luschnja ist berühmt-berüchtigt.  Denn Luschnja war umgeben von Straflagern.

"Wir wurden nach Sabre gebracht,  vier Kilometer von Luschnja entfernt", sagt Simon Mirakaj, der 1944 als Säugling, keine zwei Wochen alt, in die Verbannung und später in ein Straflager kam.

"Aber es gab um Luschnja herum noch viele andere Lager: Lugo drei Kilometer entfernt, Dschasa 15 Kilometer, Ramsa zehn Kilometer, Tscherma 15 Kilometer, dann ab 1957 eins in Gradisch und 1960 Grabian, Kosova bei Luschnja sowie Dragott zwischen Luschnja und Erbasan. Das Land rund um Luschnja war ein großes Feuchtgebiet. Und wer hätte den Sumpf besser und billiger trocken legen können als die Gefangenen?"

Simon Mirakajs Vergehen bestand darin, die falschen Eltern zu haben. Einen Vater, der gegen den Diktator Enver Hoxha kämpfte, denn der Vater war überzeugt: Hoxha plane einen Kommunismus wie in der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution und dann werde man sich nur noch umbringen wollen, aber keine Waffe mehr dafür finden. Der Vater hatte recht: Albanien errichtete das, was man den Steinzeit-Kommunismus nannte, mit Gulags vom ersten bis zum letzten Tag der Diktatur, bis 1990. Simon Mirakaj erfuhr erst im Alter von 46 Jahren, wie sich Freiheit anfühlt.

"Sie wollten wohl einfach nur zeigen, dass sie etwas tun"

Ein Mann, Halbtotale, hinter ihm ein kaputtes Haus. (Deutschlandradio / Sabine Adler)Sofokli Kugeci vor seinem Elternhaus (Deutschlandradio / Sabine Adler)

Sofokli Kuqeci war älter als Simon Mirakaj, aber auch noch ein Kind, acht Jahre alt, als seine Mutter zusammen mit seinen fünf Brüdern und drei Schwestern in Sabre bei Luschnja interniert wurde. Der heute 60-Jährige  wartet am Dorfplatz von Sabre an einem auffällig neuen Denkmal. Die stilisierte Figur fällt ins Auge in dem verwahrlosten Ort. Sofokli Kuqeci tippt mit dem Zeigefinger auf die Namensliste am Stein. Sein Blick verrät Verachtung.

"Das Denkmal wurde weder feierlich eingeweiht, noch weiß man, wer es entworfen hat. Selbst die Namen der Opfer darauf stimmen nicht, denn dieser Professor hier war gar kein Opfer. Sie wollten wohl einfach nur zeigen, dass sie etwas tun."

Keine der Nebenstraßen im Dorf ist asphaltiert, bei Regen versinkt alles im Schlamm. Sofokli Kuqeci stoppt an einer kleinen Kreuzung.

Hier war die Grenze, erklärt er. In jede Richtung führen Wege, die wie bisher gesäumt sind von blickdichten Zäunen, überall Wände aus Brettern. Dahinter lugen die Dächer ärmlicher Einfamilienhäuser hervor.

"Hier lebten wir, die verurteilten Familien, und dort jenseits der Straße die, die frei waren. Die erwachsenen Gefangenen hatten sich morgens und abends bei der Polizei zu melden. Wenn hoher Besuch in der Gegend  erwartet wurde, mussten sie sich auch mittags bei der Polizei zeigen."

Sofokli Kuqeci öffnet vorsichtig das Tor, das fast aus den Angeln fällt. Wir waten durch hüfthoch stehendes Unkraut im Garten auf eine Ruine zu. Zwei Räume zu ebener Erde, ohne Küche und ohne Bad waren Heim für neun Personen, dreißig Jahre lang. Dem Asbest-Dach auf der halbverfallenen Hütte haben Wind und Zeit ordentlich zugesetzt.

"Eine meiner Schwestern war bereits verheiratet, als unserer Familie verbannt wurde. Ihr war jeder Kontakt zu uns verboten, wenn sie nicht auch im Lager landen wollte. Somit hatten wir die ganze Zeit zu ihr keinerlei Verbindung."

Trauer um eine verlorene Jugend

Die Villa des ehemaligen Diktators Enver Hoxha in der albanischen Hauptstadt Tirana, aufgenommen am 6.9.2013 (imago / ZUMA Press)Während Diktator Enver Hoxha ein Leben im Luxus führte, lebte ein Drittel der Bevölkerung in Lagerhaft (imago / ZUMA Press)

Wenn die Kinder heirateten, wofür nur Partner aus dem Lager infrage kamen, wurden die jungen Paare in ein anderes Lager deportiert, der Kontakt zu den restlichen Familienmitgliedern ebenfalls untersagt. Was für die jungen Familien einer zusätzlichen Haftverschärfung gleichkam. Sie blieben hinter Stacheldraht, und waren noch dazu getrennt von ihren Verwandten. Eine Variante der Sippenhaft, die im kommunistischen Albanien ein gängiges Mittel war, die Menschen einzuschüchtern. Sofokli Kuqeci trauert den verlorenen Jahren seiner Jugend noch heute nach, mehr als 25 Jahre nach der Freilassung.

"Ich fühlte mich schrecklich als Teenager. In meinen besten Jahren konnte ich nicht meinen Interessen nachgehen, keine Freundin haben. Wenn es Veranstaltungen im Ort gab, hieß es: Aber nicht für die politischen Gefangenen."

Das Transparent zeigt den ehemaligen albanischen Diktator Enver Hoxha, an dessen Grab. (AFP / Gent Shukullaku)Enver Hoxha verbreitete jahrzehntelang mit seiner Diktatur in Angst und Schrecken (AFP / Gent Shukullaku)

Für beide Männer Sofokli Kuqeci und Simon Mirakaj, die als Kinder für das Verhalten ihrer Eltern mitbestraft wurden, ist der 7. November 1917, als vor 100 Jahren die Oktoberrevolution begann, ein schwarzer Tag, mit dem das Unheil seinen Lauf nahm. In dem kleinen Balkanland Albanien entfaltete sich ab 1944 unter dem Führer Enver Hoxha eine Diktatur, die für ein Drittel der Bevölkerung ein Leben hinter Stacheldraht und in Zwangsarbeit bedeutete. Nebil Cika, der einen von mehreren Verbänden für die ehemaligen politischen Häftlinge führt, erklärt das Ausmaß der Ausbeutung dieser Gefangenen.

"Das war unbezahlte Arbeit, sie waren Sklaven. Albanien zehrt noch heute von den Bauten, die die politischen Gefangenen errichtet haben. Unseren  einzigen zivilen Flughafen zum Beispiel. Den Militärflughafen von Kuçova. Die Kupferminen in Spaç. Die Sumpfgebiete von Maliq bei Korça und Myzeqeja, die die Gefangenen mit den bloßen Händen trockenlegen mussten, sind Massengräber, mit hunderten Toten. Viele Wohnböcke in Tirana und anderen Städten haben Gefangene gebaut. Es wird bis heute über Kompensation gestritten. Ich sage dann nur: Gebt uns zurück, was wir gebaut haben, eine andere Kompensation brauchen wir nicht." 

Terror, Folter, Lagerhaft

Der bis 1985 regierende Hoxha entstammte selbst einer wohlhabenden Familie. In Albanien lebten im Zweiten Weltkrieg rund eine Millionen Menschen, die einflussreichen Familien waren allseits bekannt. Der Kommunistenführer hatte es zunächst vor allem auf sie abgesehen. Simon Mirakajs Vater war ein berühmter Dissident und galt damit als schlimmer Volksfeind. Seine Familie musste entsprechend leiden.

Die Gefangenen in den Lagern wurden stundenlang mit kommunistischer Propaganda beschallt, mit  endlosen Ansprachen von Hoxha, mussten anhören, wie die Claqueure dem Diktator zujubelten. Für die gebildeten Oppositionellen eine Folter. Das Lager Tepelena zu überleben, schafften sehr viele nicht, erzählt Simon Mirakaj.

"Der Hof des Militärgeländes, auf dem sich das Lager Tepelena befand, war noch von dem griechisch-italienischen Krieg 1941 vermint. Einige Minen explodierten und wir sahen, wie die Körperteile umherflogen. Viele Kinder starben, aber auch alte Menschen, wegen der hochgehenden Granaten, vor allem aber an Unterernährung. Es gab nur zwei Mal am Tag Essen, meist eine Wassersuppe, die manchmal voller Würmer war."

Die internierten Dissidentenfamilien bekamen so wenig zu essen, dass den Kindern die Kraft für Schulweg fehlte, denn der führte bergan und über eine Brücke.

"Eines Tages blieben mehrere Mädchen auf der Brücke stehen und beschlossen, ins Wasser und damit in den Tod zu springen. Ein älteres Mädchen redete ihnen ins Gewissen, welches Leid sie damit ihren Müttern zufügen würden. Schließlich fassten die Mädchen einander bei den Händen und gingen weiter."

Ohne die Dorfbewohner, die den Gefangenen nachts Lebensmittel brachten, wäre die Familie von Simon Mirakaj auf jeder ihrer zahlreichen Haftstationen gestorben. In Berat, eine Stadt, die heute Weltkulturerbe ist, in Tepelena und in den Lagern bei Luschnja.

Vor allem aber hielt die Solidarität untereinander die meisten am Leben.

"Im Lager Sabre hatten wir viele Mitgefangene, Intellektuelle, die vor dem Krieg im Ausland studiert hatten. Sie vermittelten uns die Liebe zur Musik und Literatur. Das italienische Musikfestival in Sanremo war für uns der Höhepunkt. Wir lauschten heimlich im Radio, welche Teilnehmer dort sangen. Wir hörten auch die Nachrichten auf Italienisch und wussten deshalb, was in der Welt vor sich ging. Einer musste immer draußen Wache halten."

"Wir waren in keinem Moment, keiner Minute in Freiheit"

"Wir waren in keinem Moment, keiner Minute in Freiheit. Wir standen unter lückenloser Kontrolle der Polizei. Die älteren hochgebildeten Mitgefangenen um uns herum haben uns solche Kraft gegeben! Und wahrscheinlich haben wir mit unserer Jugend ihnen wiederum geholfen durchzuhalten."

Von 1944 bis 1990 dauerte die Herrschaft der Kommunisten in Albanien. Nach kurzen Phasen der Zusammenarbeit mit Jugoslawien, der Sowjetunion und später China brach das Regime ab 1976 jegliche Verbindung zur Außenwelt ab und isolierte sich vollständig. Albanien war abgeschottet wie heute Nordkorea. Nebil Cika, vom Opferverband für ehemalige politische Häftlingen beklagt, dass es bis heute in Albanien keine gültige Bestandsaufnahme der Opfer der Hoxha-Diktatur gibt.

 "Der albanische Staat erkennt rund 7.860 Opfer an. Aber darin sind nicht die Personen enthalten, die ohne Prozess ermordet wurden,  die im Widerstandskampf gegen das Regime während der 1960er Jahre umgebracht wurden, in den Bergen, an den Grenzen. Deswegen ist es realistischer, von 10.000 Toten zu sprechen. Und das bei einer Bevölkerungszahl damals von rund einer Million Albanern.

Man kann also von einem regelrechten Massaker sprechen, wenn man sich anschaut, wie hoch der Prozentsatz war. Der größte Schaden wurde in der Elite angerichtet. In den 1950er Jahren wurden Politiker, Geschäftsleute, Journalisten, Schriftsteller, Lehrer, Ingenieure umgebracht. Die Auslöschung der Elite war ein ungeheures Verbrechen."

Hoxha ließ den landschaftlich malerischen Staat zupflastern mit rund 175.000 Stahlbetonbunkern, alle nur so groß, dass zwei Erwachsene darin stehen können. Die Paranoia vor Feinden aus dem Ausland, die Armut und der Terror gegen die eigene Bevölkerung waren Konstanten in der Diktatur.

"Es gab Opfer an den Grenzen, Menschen, die erschossen worden sind, von denen es offiziell aber hieß, sie seien geflohen. Andere wurden vom Staatssicherheitsdienst Sigurimi gekidnappt, gefoltert und sind aber nie als Opfer erfasst worden. Es gab einen besonders schrecklichen Fall in den 1980er-Jahren, wo sich ein Mann von dem Dach des Hotels "International" gestürzt hat. In diesem Hotel hatte die Sigurimi Räume, in denen sie folterte. Dieser Mann war geflohen und in den Tod gesprungen. Außer den Räumen in diesem Hotel unterhielt die Sigurmimi noch andere Folterzentren. Über ihre Opfer –  Kinder, Söhne, Männer – wurde keinerlei Rechenschaft abgelegt."

"Immer wurde jemand abgeholt"

In dem Lied besingt die albanische Sängerin Aurela Gaçe die Söhne weit weg in der Fremde. Der Text weckt bei Simon Mirakaj Erinnerungen an eine Zeit, die er vergessen möchte, aber nicht kann. Der schmale Mann blickt zur Seite, als sich seine Augen mit Tränen füllen.

"Von 1973 bis 1981 war es am schlimmsten,  immerzu wurde jemand abgeholt. Wenn wir morgen zur Arbeit gingen, verabschiedeten wir uns mit Umarmungen und Küssen, falls wir uns zum letzten Mal sahen."

Ein 76 Jahre alter Mitgefangener, ein Priester, wurde vom Lager ins Gefängnis gesteckt - für 15 Jahre. Selbst der Sohn des Lagerkommandeurs wurde verhaftet. Simon Mirakaj, noch heute ein drahtiger Mann,  fiel als Jugendlicher auf wegen seines Fußball-Talents und seiner Intelligenz – auch der Staatssicherheit Sigurimi, die ihn als Spitzel anwerben wollte, mit Zureden, mit Gewalt. Jedoch vergeblich.

"Ich sagte ihnen, Sie können mit mir machen, was sie wollen, ich werde niemals Ihr Spion sein. Ich spürte, wie ich plötzlich immer stärker wurde, wie ich begann, sie anzusehen als wären sie Fliegen. Ich wurde immer lauter, der Sigurimi-Mann brüllte zurück. Als er mich als Sohn eines Kriminellen bezeichnete, sagte ich ihm, dass ich so unschuldig sei wie sein Sohn, der gerade draußen spielt und nicht ahnt, was sein Vater gerade tut."

Die Erwähnung des Sohnes zeigte Wirkung, der Geheimdienstvertreter ließ ihn gehen. Simon Mirakaj, der sich nichts zuschulden kommen lassen hat, der aber der Sohn eines Regimegegners war, wurde weitere 20 Jahre im Internierungslager festgehalten. 1990, nach dem Sturz des kommunistischen Regimes, öffneten sich für ihn erstmals die Tore in die Freiheit, seit seiner Inhaftierung als Säugling waren 46 Jahre vergangen.

"Das, was war, ist vorbei. Ich versuche, nicht mehr daran zu denken. Mein Sohn ist jetzt 21 Jahre alt, ich habe ihm bis jetzt noch nichts von früher erzählt.  Ich warte noch etwas, bevor ich ihm die wahre Geschichte von mir und seinem Großvater erzähle. Einige seiner Freunde sind Töchter und Söhne von kommunistischen Kadern, die Teil des Regimes von früher waren. Ich möchte nicht, dass er deswegen in Konflikte gerät."

Ein Leben hinter Stacheldraht

Ein Mann sitzt auf dem Sofa, hält ein schwarz-weiß-Foto mit einer Gruppe von Menschen in die Kamera und lächelt. (Deutschlandradio / Sabine Adler)Nach 46 Jahren kam die Freiheit: Simon Mirakaj mit einem Foto aus dem Internierungslager (Deutschlandradio / Sabine Adler)

Weit über die Hälfte seines Lebens verbrachte der heute 73-Jährige hinter Stacheldraht. Wie ein gebrochener Mann wirkt er dennoch keineswegs. Mit fast 50 Jahren hat er sich seinen Jugendtraum erfüllt: Jura zu studieren. Danach trat er eine Stelle ausgerechnet im Innenministerium an, das noch wenige Jahre zuvor die Repressalien gegen Regime-Gegner vollstreckte. Als ehemaliger Häftling wollte er so wenig wie möglich mit Menschen zu tun haben, sondern nur noch mit Papier, mit Akten. Weil Simon Mirakajs Schicksal als eines der schwersten anerkannt wurde, hat er seine Kompensationszahlung schon bekommen.

"Für die 44 Jahre Lagerhaft bekam ich 20 Millionen Lek."

Das sind fast 17.000 Euro. Auf den ersten Blick viel, denn der  Durchschnittsverdienst liegt bei 250 bis 350 Euro. 44 Jahre Lager und davor zwei Jahre Verbannung wiegt der Betrag allerdings auch im armen Albanien kaum auf, doch er beklagt sich nicht.

"Jetzt habe ich nur noch Angst um meinen Sohn. Albanien ist so instabil. Mit jedem Regierungswechsel ändert sich das ganze Machtgefüge bis ins kleinste Glied. Diese Unsicherheit heutzutage mag ich nicht. Wie wird mein Sohn das verkraften? Er ist nicht so stark wie ich. Er ist nicht Simon."

Nichts als Enttäuschung trotz Freiheit

Obwohl deutlich jünger ist Sofokli Kuqeci weit pessimistischer. Er wurde Unternehmer, lebte einige Jahre im benachbarten Griechenland, kam aber wieder zurück, um die inzwischen 103 Jahre alte Mutter zu pflegen.  So ist er noch immer an den Ort seiner Verbannung gefesselt. Sein Fazit der bisherigen Jahre in Freiheit:

"Enttäuschung, nichts als Enttäuschung, weil der Staat in den vergangenen 27 Jahren nichts getan hat, um dieses Kapitel unserer Geschichte zu beleuchten. Anfang der1990er-Jahre gab es noch einige von uns im Parlament aber jetzt ist von uns nicht mehr die Rede."

Außerdem wartet er bis heute auf die Kompensationszahlungen. Von acht zugesagten Tranchen wurden nur zwei ausgezahlt. Keine der Dorfstraßen erhielt einen Namen, der auf das Leid der unzähligen albanischen Repressionsopfer, also Menschen wie ihn, an diesem Ort erinnert.

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