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StartseiteKommentare und Themen der WocheBeten, dass es genügend Berater gibt29.04.2017

100 Tage TrumpBeten, dass es genügend Berater gibt

Es sei beruhigend, dass es in den ersten 100 Tagen der Präsidentschaft von Donald Trump auch positive Überraschungen gab, zum Beispiel, dass Obamacare in Kraft bleibe, kommentiert Markus Feldenkirchen. Bedenklich werde es jedoch bei der Außenpolitik. Sollte Trump an der Rolle des Weltpolizisten nachhaltig Gefallen finden, verheiße das nichts Gutes.

Von Markus Feldenkirchen, "Der Spiegel"

The US Capitol is seen in Washington, DC, April 28, 2017. The US Congress easily passed a one-week stopgap spending bill Friday, assuring there is no embarrassing government shutdown on the 100th day of Donald Trump's presidency. After weeks of tense negotiations over federal spending, the measure sailed through the House and Senate just hours before a midnight deadline. The bill extends current funding levels until May 5, giving lawmakers in the Republican-controlled Congress one week of breathing room to hash out a measure that funds government operations through September, when the fiscal year ends. (AFP/Saul Loeb)
US-Präsident Donald Trump scheine bemerkt zu haben, welch gigantisches Instrument er als Oberbefehlshaber der USA mit dessen Militärarsenal in den Händen halte, kommentiert Markus Feldenkirchen im DLF. (AFP/Saul Loeb)
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Donald Trump ist und bleibt eine Katastrophe. Er ist, das lässt sich schon nach 100 Tagen sagen, der peinlichste, planloseste, unprofessionellste Mann, der dieses Amt je erreicht hat. So weit, so bekannt. 

Hinzu kommt: Alle gerade in Deutschland gehegten Hoffnungen, dass diese Präsidentschaft vorzeitig enden könnte, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf, sind reines Wunschdenken. Wir werden weiter mit Trump leben und umgehen müssen. Da ist es durchaus beruhigend, dass es in diesen 100 Tagen auch positive Überraschungen gab. 

Zunächst einmal konnte wirklich niemand ahnen, wie unvorbereitet und planlos er wirklich in dieses Amt gestolpert ist. Er habe ja nicht wissen können, dass so eine Gesundheitsreform so komplex und kompliziert sei, jammerte er vor Kurzem, als er erfolglos versuchte, Obamacare rückgängig zu machen und durch etwas Neues zu ersetzen. 

Dank dieses Scheiterns bleibt Obamacare nun in Kraft – und Millionen Menschen behalten Ihre Gesundheitsversicherung. Zynisch betrachtet kann man hier also von einer Erfolgsbilanz sprechen. 

Der Journalismus in den USA läuft zur wahren Hochform auf

Das gleiche gilt für Trumps geplanten Einreisestopp für Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern. Dieser Erlass war so dilettantisch gemacht, dass ihn die Gerichte sofort stoppten. Und das gleich mehrfach.  

Und noch etwas Erfreuliches haben wir Donald Trump zu verdanken: dass der zuletzt etwas müde wirkende Journalismus in den USA seit einiger Zeit zur wahren Hochform aufläuft. Und dass immer mehr Bürger den Wert von Qualitätsjournalismus wieder entdecken, den Wert von echten Fakten im Vergleich zu Trumps alternativen Fakten, die nichts anderes als Lügen sind. Dass viele Bürger sich wieder bewusst darüber werden, was für ein Geschenk die Demokratie doch ist, jetzt, da Trump gewisse demokratische Grundsätze wie die Pressefreiheit, die Unabhängigkeit der Gerichte und die Gewaltenteilung zumindest rhetorisch infrage stellt.  

Das sind die guten Seiten der ersten hundert Tage.

Bedenklich wird es jedoch bei der Außenpolitik. In seinem Wahlkampf hatte Trump einen klaren isolationistischen Kurs angekündigt: Die USA sollten sich aus dem Rest der Welt zurückziehen, ihre Soldaten heimholen, nicht länger den Weltpolizisten spielen.

Inzwischen aber scheint Trump bemerkt zu haben, welch gigantisches Instrument er als Oberbefehlshaber der USA mit dessen Militärarsenal in den Händen hält. Und dass sich ein wenig Weltpolitik wunderbar eignet, um davon abzulenken, was daheim so alles schief läuft. 

Das Prinzip der 15-fachen Vergeltung

Ein paar Raketen auf Syrien hier, ein maritimes Bedrohungsszenario vor der koreanischen Halbinsel dort – schon redet kaum noch jemand über verkorkste Gesundheitsreformen oder den erbitterten Machtkampf seiner halbseidenen Berater im Weißen Haus. 

Sollte Trump an der Rolle des Weltpolizisten nachhaltig Gefallen finden, verheißt das nichts Gutes. Nicht nur, weil er wenig über die Welt und deren Konflikte zu wissen schein. Das größte Problem ist in diesem Zusammenhang seine Persönlichkeitsstruktur. Trump hat in seinen zahlreichen Ratgeberbüchern früh über sein vermeintliches Erfolgsgeheimnis Auskunft gegeben: Man müsse jede auch noch so kleine Provokation mit 15-facher Vergeltung bestrafen, schrieb er dort. Und dass er diese, auf dem Vorgaukeln vermeintlicher Härte beruhende Strategie tatsächlich verfolgt, hat er oft genug bewiesen. 

Wenn die USA sich in diesen Tagen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un eine Kraftprobe liefern, dann kann man nur beten, dass es rund um Donald Trump genügend Berater und Militärs gibt, die weniger dünnhäutig sind und deren Philosophie nicht auf dem Prinzip der 15-fachen Vergeltung beruht.   

Im Vergleich zu einer Eskalation mit Nordkorea nämlich wären all die großen und kleinen Katastrophen der ersten hundert Tage Trump ziemlich unbedeutend.

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