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StartseiteKalenderblatt12.2.1724 - Vor 200 Jahren12.02.2004

12.2.1724 - Vor 200 Jahren

Immanuel Kant gestorben

<strong> Immanuel Kant wurde 1724 in Königsberg geboren. Diese ostpreußische Hafenstadt am Nordende der Danziger Bucht war eine alteuropäische Metropole, – wie Neapel, Lissabon, Amsterdam oder Riga. Der seestädtische Flair dieses lebendigen Handelsplatzes prägte von allem Anfang an die intellektuelle Entwicklung des Philosophen. Kant blieb zeitlebens ein Bürger dieser Stadt und er wurde hier ein Denker für die Welt.</strong>

Steffen Dietzsch

Immanuel Kant (AP)
Immanuel Kant (AP)

Mit dreißig begann Kant als junger Magister der freien Künste 1755 eine Gelehrtenkarriere an der Königsberger Albertus-Universität. Er befasste sich mit den unbekannten Weiten des Weltalls ebenso wie mit dem dunklen Raum unseres menschlichen Verstandes. Zu beiden, dem Fernsten und dem Nächsten, hat er noch heute lesenswerte Schriften verfasst, wie die Allgemeine Theorie und Geschichte des Himmels oder die Träume eines Geistersehers .
Als seine markanteste philosophische Leistung bleibt die von ihm selber als Revolution der Denkungsart bezeichnete fundamentale Erkenntniskritik einer ausschließlich auf reinen Begriffen beruhenden Metaphysik aus dem Jahre 1781 in Erinnerung – eben seine Schrift Kritik der reinen Vernunft .

Kant war bei alledem gar kein Büchergelehrter. Seine Bildung und das, was er seinen Studenten beizubringen versuchte, war vielmehr, wie er es selber einmal ausdrückte, an Weltbegriffen , und nicht an Schulbegriffen orientiert. Das heißt, der Vorgang des Erkennens hat seinen Bezugspunkt im Menschen und seinen Verhältnissen zu finden, ist auf Menschenkenntnis hin ausgelegt – wie bei den Griechen, die Kant immer Vorbild blieben. Und entsprechend spitzen sich für Kant die verschiedenen Fragen in der Philosophie in die höchste Frage zu:

Was ist der Mensch?

Er sei ursprünglich aus Neigung bloß Forscher gewesen, so hat Kant einmal bekannt, aber dann, als er den französischen Aufklärer Rousseau las, sei ihm manches klargeworden und er lernte die Rechte der Menschen achten.

Kant bemühte sich fortan auch als Hochschullehrer und Bürger um den Begriff und die Sache der Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Er sah in jedem Menschen eine Anlage zur sittlichen Vervollkommnung und betonte immer dessen unveräußerliche und gleiche Menschenrechte. Auf Freiheit käme es, wie wir in Kants nachgelassenen Bemerkungen lesen können, ohnehin mehr an, als auf Ruhe und Ordnung, denn die ließe sich auch stiften bei großer Unfreiheit.
Kein Wunder, dass Kant die Große Revolution der Franzosen vom Sommer 1789 für vernünftig ansah, allerdings nicht wegen deren gewalttätigem Alltag, als vielmehr deshalb, wie er noch 1798 schrieb, weil

jene Revolution eines geistreichen Volkes keine andere als eine moralische Anlage im Menschengeschlecht zur Ursache haben kann.

Kant zeigt sich bis zuletzt, bis hin zu seinem amüsanten Alterswerk Der Streit der Fakultäten auch als ein Meister der Polemik und Ironie. Er stellt hier, nach einem halben Jahrhundert Erfahrung mit der Universität, die überkommene zeitgenössische Universitätsstruktur mit ihren drei ‚oberen’ Fakultäten Theologie, Jurisprudenz, Medizin und der Philosophie als ‚unterer’ in Frage. Auf witzige Weise und erfahrungsgesättigt beschreibt Kant dabei die Schwierigkeiten der Kommunikation zwischen den Wissenschaftsbeamten der ‚oberen’ Fakultäten, als Werkzeuge der Regierung, und den Philosophen, die nicht auf die Interessen irgendeiner Regierung sollten achten müssen. Als Verkehrsform einer künftigen Neuen Universität, als einer aufgeklärten Gelehrtenrepublik, sollte sich, so Kant, das neue Modell des Parlamentarismus bewähren: Die ‚oberen’ Fakultäten verteidigen als ‚rechte’ Seite des Parlaments die stabilen Bestände der Wissenschaft, während dagegen die Philosophie als ‚linke’ Seite unentbehrlich bleibt als ein mobiles Korrektiv für den weiteren Fortgang des Wissens und Erkennens überhaupt.

Kants Fazit eines langen Philosophenlebens steht allerdings konträr zu allen heutigen Illusionen eines ‚herrschaftsfreien’ Diskurses: In seiner letzten, gewissermaßen testamentarischen Schrift heißt es:

Streit kann und soll nicht durch friedliche Übereinkunft beigelegt werden, sondern bedarf des rechtskräftigen Spruchs eines Richters der Vernunft.

Als, lange nach Kants Tod, die geistige Situation in Deutschland von Denkern wie Schleiermacher, Schelling oder Hegel bestimmt wurde, hat Goethe, der sie alle persönlich kannte, in einem Gespräch (mit Eckermann 1827) auf die Frage, wen von den neueren Philosophen er am meisten schätze, geantwortet:

Kant ist der vorzüglichste, ohne allen Zweifel. Er ist auch derjenige, dessen Lehre sich fortwirkend erwiesen hat, und die in unsere deutsche Kultur am tiefsten eingedrungen ist. Er hat auch auf Sie [Eckermann] gewirkt, ohne dass Sie ihn gelesen haben.

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