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StartseiteKultur heuteHofarchitekt und Sozialutopist15.06.2017

150 Jahre Frank Lloyd Wright Hofarchitekt und Sozialutopist

Das Museum of Modern Art zeigt nie gesehenes Material aus dem Archiv des US-amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright. Zum Vorschein kommt der Architekturpionier als Figur voller Widersprüche und ein Werk, für das dasselbe gilt.

Von Sacha Verna

Der amerikanische Architekt im Jahr 1949. Seine Grundidee der "organischen Architektur" verwirklichte er in zahlreichen Gebäuden, u.a. dem Guggenheim Museum in New York. Frank Lloyd Wright wurde am 8. Juni 1869 in Richland Center (Wisconsin) geboren und ist am 9. April 1959 in Phoenix (Arizona) gestorben. | (picture-alliance / dpa)
Der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright wollte mit seinen Bauwerken die Welt verändern. (picture-alliance / dpa)
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Er wollte mit seinen Bauwerken die Welt verändern. Und wenn schon nicht die Welt, so wenigstens die Existenz seiner amerikanischen Landsleute. Eine freie Architektur forderte Frank Lloyd Wright in diesem berühmt gewordenen Fernsehinterview von 1957, eine Architektur, die ihre Umgebung ziert, statt sie zu verunstalten. Denn dass Architektur das Leben von Menschen verändern kann, wusste er, wie er sagte, aus den Briefen von begeisterten Kunden.

Damals war Wright 90 Jahre alt. Er hatte gerade die aufsehenerregende Präsentation des "Mile-High" in Chicago hinter sich, jenes umstrittenen Projektes, das gewissermaßen die Wolkenkratzerspitze seiner Ambitionen darstellte. Um einen zentralen Träger herum konstruiert und eine Meile hoch sollte der Turm werden. Damit würde dieser Turm das gegenwärtig höchste Gebäude der Welt in Dubai noch immer um das Doppelte überragen. Doch zählt der "Mile High" zu den 500 von Frank Lloyd Wrights mehr als 1.000 Projekten, die nie realisiert worden sind.

Stets begierig auf neue Technologien

Kurator Barry Bergdoll: Frank Lloyd Wright sei enorm anpassungsfähig gewesen, stets begierig darauf, neue Technologien anzuwenden und bereit, den zeitlichen Gegebenheiten zu entsprechen - seien es jenen der Goldenen Ära um die vorletzte Jahrhundertwende, jenen der Wirtschaftskrise oder denen des Wirtschaftswachstums nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Ausstellung zum 150. Geburtstag von Frank Lloyd Wright präsentiert die Architekturlegende in zwölf Kapiteln. 2012 erwarb das Museum of Modern Art zusammen mit der Columbia Universität das Archiv von Wright. Ausgehend von diesem umfangreichen Material beleuchten Kuratoren und Wissenschaftler unterschiedliche Aspekte des Werkes. Wright und seine ganz unmodernistische Freude an dekorativen Elementen zum Beispiel oder Wrights Interesse an indigener Kunst, die in seiner Version allerdings zu stilisierten Wigwams und Tipis in einen Country Club in Wisconsin verkommt.

Radikale Ideen

Deutlich wird, wie viele Widersprüche Frank Lloyd Wright in sich trug. Da war der Stararchitekt, der für die Reichsten und Mächtigsten seiner Zeit Paläste wie "Fallingwater" baute, die heute den Status von Baudenkmälern geniessen. Da ist andererseits der Sozialutopist, dem mit "Broadacre" eine agrarische Idylle vorschwebte, in der Familien aller Schichten sich selber versorgen und fern von urbaner Entmenschlichung ein glückliches Dasein führen sollten. Es gibt Wright, der jedes seiner Bauwerke unverwechselbar machen wollte und der zugleich ein Pionier der Versatzbauten war.

Fallingwater bei Pittsburgh ist eines der schönsten Wohnhäuser Amerikas. Mit mehreren Terrassen lehnt sich das Haus bei Pittsburgh (Pennsylvania) über den Wasserfall des kleinen Bear Run.  (picture alliance / dpa / Chris Melzer)Das Wohnhaus "Fallingwater" bei Pittsburh (Pennsylvania) von Starchitekt Frank Lloyd Wright (picture alliance / dpa / Chris Melzer)

Wright, dessen Ego schon zu Lebzeiten so bekannt war wie seine Architektur und Wright, der keine Kritik vertrug und vor lauter Sorge um seinen Nachruhm nachts nicht schlafen konnte. Was sein Ego betraf, warf ihm Mike Wallace in seiner Sendung vor, er halte wohl alle für schief gewickelt - außer sich selber. Keineswegs, entgegnete Wright. Nur sei das Bauen schließlich sein Job, nicht der der anderen.

IKEA hat mag mehr Existenzen verändert haben als Frank Lloyd Wright. Doch wie diese Ausstellung zeigt, benötigen seine radikalen Ideen und seine Ästhetik keine Gebrauchsanleitung - anders als das Billy-Regal kennen sie auch kein Verfallsdatum.

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