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StartseiteInformationen am MorgenDas rassistische Erbe lebt23.12.2015

150 Jahre Ku-Klux-KlanDas rassistische Erbe lebt

Die Legende erzählt, dass sechs Mitglieder der im US-Bürgerkrieg unterlegenen konföderierten Armee der Südstaaten an Heiligabend 1865 in Pulaski, Tennessee, einen Männerclub gründeten. Ausgehend vom altgriechischen Wort kuklos, Kreis, nannten sie sich Ku-Klux-Klan. Es war der Ursprung einer rassistischen, nationalistischen Gruppe.

Andreas Horchler

Mitglieder des Geheimbundes Ku-Klux-Klan in den USA stehen in weißen Gewändern und Kapuzen um ein brennendes Kreuz. (Jim Lo Scalzo / dpa)
Mitglieder des US-Geheimbundes Ku-Klux-Klan (Jim Lo Scalzo / dpa)

Zu glauben, die Zeit des Klans sei mit einer zunehmend aufgeschlossenen amerikanischen Gesellschaft, mit einem afroamerikanischen Präsidenten zu Ende, ist ein Fehler. Die Internetseite kkk.com, die sich als offizielle Plattform des Klans ausgibt, begrüßt Besucher mit den Worten. "Es herrscht ein Rassenkrieg gegen weiße Menschen". Diesen Krieg wolle man mit friedlichen Mitteln gewinnen.

Das stimmt nicht, sagte der 2006 verstorbene Experte und Autor Wyn Craig Wade in einer Dokumentation des Senders History Channel: "Sie tragen nur nicht mehr ihre weißen Umhänge. Sie haben die gleichen Einstellungen und Überzeugungen, sie sind gewaltbereit, nur tragen sie eben nicht mehr diese Verkleidung, weil die heute albern aussieht."

Und doch sind sie Rechtsradikale, die gegen Schwarze, Juden, Kommunisten und Schwule wettern. Das ist die gemeinsame Basis unterschiedlicher Organisationen mit dem Namen Ku-Klux-Klan, die zeitweise mehrere Millionen Mitglieder hatten. Einmal, nachdem der Krieg für die Südstaaten verloren und die Sklaverei abgeschafft war. Dann in den 1920er Jahren, als Immigranten aus Osteuropa in die USA strömten. Und schließlich, als schwarze Bürgerrechtler in den 1950er- und 60er-Jahren für Gleichberechtigung kämpften.

Die Bürgerrechtsbewegung Southern Poverty Law Center führt Buch über die Aktivitäten des Ku-Klux-Klan. Heute gehen die Experten von einigen tausend Mitgliedern in Splittergruppen aus. Die Vorstellung einer weißen Vorherrschaft hielt die Mitglieder der Organisation damals und heute zusammen. Weiß, erläutert Historiker David Cunningham im Radiosender NPR, war und ist für den Klan mehr als eine Hautfarbe. "Es geht um einen weißen, angelsächsischen Protestanten, es geht also um mehr als Rasse. Katholiken waren suspekt und ganz gewiss Juden."

Brennende Holzkreuze vor den Häusern von Afroamerikanern, nächtliche Schüsse, Lynchmorde. Fast 100 Jahre nach dem Ende der Sklaverei neigte sich auch die Rassentrennung ihrem Ende zu. Restaurants mussten alle Kunden bedienen, Busse hatten keine nach schwarz und weiß getrennten Sitzplätze mehr, Schulen und Universitäten mussten Afroamerikaner aufnehmen.

Die Gewalt eskalierte. Am 15. September 1963 bombardierte der Klan die 16th Street Baptist Church in Birmingham, Alabama. Vier Mädchen starben. Addie Mae Collins, Denise McNair, Carole Robertson und Cynthia Wesley.

Im Mai 1964 wurden Charles Eddie Moore und Henry Hezekiah Dee, 20 und 19 Jahre alt, von zwei Mitgliedern der weißen Ritter, einem besonders radikalen Arm des Klans, in Mississippi bewusstlos geprügelt und in den Mississippi geworfen, wo sie ertranken.

Im Juni des gleichen Jahres töteten Mitglieder des Klans in Mississippi James Chaney, Andrew Goodman und Michael Schwerner. Die Weißen aus New York setzten sich für die Gleichberechtigung in den Südstaaten ein.

Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Ku-Klux-Klan und Demonstranten in Selma, Alabama im März 1965 wurde Viola Gregg Liuzzo getötet.

Im tiefen Süden ging die Polizei oft nicht entschieden gegen den Terror von rechts vor, Gouverneur George Wallace wetterte in Alabama gegen das Ende der Rassentrennung, das FBI hielt sich lange zurück.

Am 17. Juni 2015 erschoss der 21-jährige Weiße Dylann Roof bei einer Bibelstunde in der Emanuel African Methodist Episcopal Church von Charleston in South Carolina neun Afroamerikaner. Das Motiv: Rassismus, inspiriert von einer langen Tradition des Ku-Klux-Klan.

Präsident Obama sprach in der Trauerfeier von der alten Wunde Amerikas. "Das Attentat war ein Akt, der an eine lange Geschichte anknüpfte. Eine Geschichte der Bomben, der Brandstiftung, von Schüssen auf Kirchen, nicht zufällig abgefeuert, sondern als Mittel der Kontrolle. Ein Mittel von Terror und Unterdrückung."

Ein Symbol des Rassismus, die Kriegsflagge der Konföderation, verschwand nach dem Neunfachmord von vielen öffentlichen Gebäuden, 150 Jahre nach Kriegsende. Steven Johnson aus Charleston, der gegen das Einholen der Südstaatenflagge demonstrierte, sagte: "Bisher hatte ich keinen Grund, dem Klan beizutreten. Jetzt gibt es einen Grund. Die Verteidigung meines Erbes und der weißen Rasse."

Was aus dem Klan wird? Schwer zu sagen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001, unter dem Eindruck des IS-Terrors in Paris und San Bernardino, erfreuen sich manche Teile der US-Bevölkerung am Gedankengut der rechtsextremen Organisation. Eine vierte große Welle dürfte daraus nicht werden, denn die Zahl der weißen, protestantischen Amerikaner nimmt stetig ab.

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