Kommentar /

 

30 Stunden sind genug!

Ein Bündnis fordert die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich

Von Rainer Burchardt, freier Publizist

Reduzierte Wochenarbeitszeit soll mehr Jobs schaffen.
Reduzierte Wochenarbeitszeit soll mehr Jobs schaffen. (AP Archiv)

Eine richtige Idee – leider zur falschen Zeit. Auf diese Formel lässt sich der provokante Brief von rund 100 Wissenschaftlern, Politkern und Gewerkschaftern bringen.

Das richtige an diesem Vorschlag ist tatsächlich einen neuen Schwung in die merkwürdig zähe öffentliche Diskussion über eine nachhaltige Bekämpfung der hohen Sockelarbeitslosigkeit allgemein in Europa und speziell auch in Deutschland zu bringen.

Dennoch darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass zumindest die offizielle Arbeitslosenstatistik hierzulande von etwa drei Millionen Menschen ohne Beschäftigung spricht. Wohlgemerkt die offizielle, denn Kurzarbeit, Ein-Euro-Jobs und andere Hartz-Vier-Varianten tragen zu einer Verschleierung der wahren Quote bei. Tatsächlich nämlich müsste man von einer Verdoppelung der Arbeitslosigkeit sprechen. Schon allein deshalb ist der Vorwurf der Arbeitgeberseite, der 30-Wochenstundenvorschlag sei ein Griff in die Mottenkiste nichts anderes als billige Polemik.

Diese Repliken kennt man doch schon aus den Diskussionen vergangener Zeiten als es um die 40 bzw. danach die 35 Stunden-Woche ging. Die Ergebnisse sind bekannt.

Natürlich muss diese Initiative kritisch unter die Lupe genommen werden, zumal auch Gewerkschafter sich zunächst einmal auffällig zurückhaltend geben. Dies aber gewiss auch deshalb, weil sie sich natürlich ihre Zuständigkeit für die Tarifpartnerschaft nicht aus der Hand nehmen lassen wollen. Doch festzuhalten bleibt, dass es für die nächsten Jahrzehnte neue, flexible und im Zweifel auch unbequeme Reformvorschläge braucht. Tatsächlich könnte mit einer nachhaltigen und meiner Meinung nach auch unabdingbaren Umverteilung der Arbeit auf mehrere Menschen eine neue und nicht nur nachteilige sozial- und wirtschaftspolitische Dynamik erreicht werden. Es ist doch unübersehbar, dass die Zahl der brachliegenden oder nicht ausgeschöpften Kompetenzen von Arbeitnehmern hierzulande zunimmt. Von psychischen Belastungen, die mit Arbeitslosigkeit einhergehen ganz zu schweigen.

Das immer wieder zu hörende Argument von der damit verbundenen Verteuerung der Lohnstückkosten ist zwar nicht falsch, ließe sich aber ganz gewiss durch tarifpolitische Zugeständnisse für die Arbeitgeber relativieren. In unserer Dienstleistungsgesellschaft relativiert sich dieses Argument ohnehin. Doch wie gesagt, die Autoren sind ganz offenbar ihrer Zeit weit voraus - doch ich bin sicher: Dieser Brief gehört in die Wiedervorlage in gar nicht allzu ferner Zeit.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kommentar

Wahlen in der Ukraine"Überflüssig und wahnsinnig"

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko steht im Feldanzug gekleidet in einem Militärlager. Neben ihm ein Soldat, der mit ausgestrecktem Arm auf etwas außerhalb des Bildes deutet.

Das Land gemeinsam zu verteidigen, wäre das Gebot der Stunde in der Ukraine gewesen, kommentiert Sabine Adler. Stattdessen werden jetzt Kräfte verschwendet mit einer Regierungsbildung und Neuwahlen. Nie hat die Ukraine Wahlen weniger benötigt als jetzt - sie sind überflüssig und wahnsinnig.

NSA-Affäre Stolpernd durch die Spionageaffäre

Die ehemalige große Abhörbasis der NSA in Bad Aibling in Bayern.

Die NSA- und Spionage-Affäre ist noch lange nicht ausgestanden, kommentiert Falk Steiner. Auf viele drängende Fragen hat die Bundesregierung bislang keinerlei zufriedenstellende Antworten geliefert. Die Spionageabwehr gegen Freunde einzusetzen, wird keine Antwort darauf sein, wie die Bundesregierung künftig ihre Außenpolitik gestaltet.

WM 2018 in RusslandDie moralische Dimension des Fußballs

Das Luschniki-Stadion in Moskau wird einer der Spielorte der WM 2018

Noch hat die FIFA die Möglichkeit, Russland die Fußball-WM 2018 zu entziehen, kommentiert Herbert Fischer-Solms. In ihren Statuten sei vom "Völker verbindenden, erzieherischen, kulturellen und humanitären Stellenwert" des Fußballs die Rede, von diesen Zielen sei Moskau weit entfernt.