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StartseiteKalenderblattAufregender Vertreter der Aufklärung26.02.2015

300. Geburtstag von C.A. Helvétius Aufregender Vertreter der Aufklärung

Der Philosoph Claude Adrien Helvétius inspirierte Marx und auch in der DDR berief man sich auf ihn. Denn er gilt als Vertreter eines kritischen Materialismus. Heute vor 300 Jahren wurde der Frühaufklärer in Paris geboren.

Porträt des französischen Philosoph und Aufklärer Claude Adrien Helvétius. (imago)
Der französische Philosoph und Aufklärer Claude Adrien Helvétius wurde am 26. Februar 1715 in Paris geboren. (imago)

"Nur im Widerstreit gegensätzlicher Meinungen wird die Wahrheit entdeckt und an den Tag gebracht."

Knapp, pointiert, eindeutig, so ergriff Claude Adrien Helvétius Mitte des 18. Jahrhunderts das Wort. Als Kammerherr der Königin war er am Hof wohl gelitten, und nun machte er sich auch als Gelehrter einen Namen. Mit der Kirche ging er streng ins Gericht.

"Die Religion hat viel Schlechtes und nur wenig Gutes hervorgebracht."

Seine Offenheit sollte ihm noch Ärger einbringen. Am 26. Februar 1715 als einziger Sohn einer einflussreichen Familie in Paris geboren, wurde er früh gefördert. Fontenelle und Voltaire wetteiferten darum, den begabten und ausgesprochen hübschen Jungen unterrichten zu dürfen. Dann entdeckte dieser den Tanz und das Vergnügen. Denis Diderot bemerkte spitz:

"Die Hauptleidenschaft von Herrn Helvétius galt den Frauen: Als junger Mann widmete er sich ihnen bis zum Übermaß. Ich habe sagen hören, das sei lange Jahre hindurch regelmäßig seine erste und letzte Tagesbeschäftigung gewesen, unbeschadet der Gelegenheiten, die sich dazwischen boten."

Helvétius glaubte nicht an die Sittlichkeit der Frauen und hielt die sinnliche Erfüllung für das Ziel allen Tuns.

"Man wird stumpf, sobald man aufhört, leidenschaftlich zu sein."

Freunde lobten seine noble Gesinnung

Dass Sinnesempfindungen auch der Ursprung jeder geistigen Tätigkeit sind, wurde später zum Kern seiner philosophischen Überlegungen. Doch zunächst verschaffte ihm sein Vater 1738 eine Stelle als Generalsteuerpächter. Helvétius wurde binnen dreizehn Jahren sehr wohlhabend und konnte sein Amt niederlegen. Seine Freunde Diderot, Holbach und d'Alembert lobten seine noble Gesinnung und große Freigebigkeit: Er bot mehreren Künstlern ein Auskommen, darunter Marivaux. Im Salon der Marquise du Deffand lernte er deren Nichte Anne-Catherine de Ligniville kennen. Helvétius heiratete die kluge und anziehende Frau, widmete sich von nun an seiner Familie und der Wissenschaft. 1758 brachte er sein Werk "De l'esprit, Vom Geist" heraus – anonym.

"Wir betrügen uns, wenn wir uns zu Richtern aufwerfen wollen und unser Gedächtnis doch nicht von all denen Sachen angefüllet ist, von deren Vergleich die Richtigkeit unserer Aussprüche abhängt. Nicht, dass jeder keinen richtigen Verstand hätte; denn ein jeder sieht wohl das, was er sieht. Sondern es setzet niemand genug Misstrauen in die eigene Unwissenheit und glaubet daher, dass das, was man von einem Gegenstande sieht, auch das sey, was man daran sehen könne."

Empörte Kirchenvertreter

Ungeheuerlich! Vor allem die Kirchenvertreter empörten sich über derartig vermessene Äußerungen und erzwangen einen Widerruf. Die gesamte Auflage wurde beschlagnahmt, öffentlich verbrannt und vom Papst verdammt. Helvétius' Bedeutung tat dies keinen Abbruch. Denn der Gelehrte vertrat revolutionäre Positionen: Alle Menschen seien gleich, sämtliche Privilegien gehörten abgeschafft, was in der gegenwärtigen Staatsform kaum möglich sei. Deutlicher konnte man das Ancien Régime nicht infrage stellen. Nach einem Jahr glätteten sich die Wogen, und man schickte den Gelehrten 1764 nach dem Siebenjährigen Krieg nach Preußen, um die Beziehungen zu dem verfeindeten Land wieder aufzunehmen. Helvétius stand kurz vor der Veröffentlichung eines neuen Werkes, das Vom Menschen, seinen geistigen Fähigkeiten und seiner Erziehung heißen sollte, als er am zweiten Weihnachtsfeiertag 1771 starb. Im Vorwort hatte er resigniert resümiert:

"Ich hätte gern den Durchschnittsmenschen aufgeklärt – aber in fast allen Nationen ist dieser Durchschnitt der Sammlung unfähig: Was seine Aufmerksamkeit fordert, das widert ihn an. Was aber die Leute von Welt betrifft, so haben sie immer weniger Sinn für ein ernsthaftes Werk. Nichts kann sie verlocken außer einer Beschreibung von lächerlichen Zügen, die ihre Bosheit befriedigt, ohne sie in ihrer Bequemlichkeit zu stören."

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