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StartseiteFirmenporträtSkulpturen, Körper-Scanner und Prothesen31.03.2017

3D-ScannerSkulpturen, Körper-Scanner und Prothesen

Von der Prothese, über seltene Ersatzteile für alte Maschinen bis zum Ganzkörper-Scanner: Bei dem Berliner Start-up Botspot werden Objekte dreidimensional gescannt und aus Harzen sowie Kunststoffen in Form gebracht. Auf 20 Mitarbeiter haben es die Gründer gebracht und liefern mittlerweile in alle Welt.

Von Elmar Krämer

3D-Scanner der Firma Botspot von innen (Botspot)
Innenleben des Botspot 3D-Scanners (Botspot)

Ein Bürogebäude in Berlin Oberschöneweide, einem Bezirk, der eine lange Geschichte als Fabrikationsstandort in der Region hat und in dem heute einige innovative Start-ups ihren Sitz haben. So auch Botspot, eine Firma, die seit einigen Jahren in der Welt der 3D-Technik für Furore sorgt.

"Wir machen Maschinen, die es schaffen, innerhalb von 0,01 Sekunden ein Objekt oder einen Menschen als 3 D-Modell in den Computer einzulesen", erklärt Manfred Ostermeier.

Das digitale Abbild in Millisekunden

Manfred Ostermeier ist zusammen mit seinem Kollegen Thomas Sprenger Gründer und CEO von Botspot. Objekte im Bruchteil einer Sekunde scannen, digital abbilden und mit 3D-Druckern auch wieder in die wirkliche Welt holen – das war die Vision, beschreibt Ostermeier:

"Der 3D-Scanner, den man vorher kaufen konnte, da brauchte der Schnellste 12 Sekunden, der langsamste 20 Minuten."

Keine grünen Streifen-Lichter mehr, die die langsam über das zu scannende Objekt wandern. Der Scanvorgang erinnert eher an ein Foto.

Der Scanner selbst sieht aus, wie das Holodeck in Star Trek oder eine sehr große zwölfeckige Litfaßsäule von innen. Bis zu 70 hochauflösende Kamera-Augen sind in diesem Raum auf das Objekt gerichtet. Diese registrieren alle Details und übertragen sie in das digitale Abbild - und das auf 0,1 Millimeter genau und in bis zu 16,7 Millionen Farben, beschreibt der Firmenchef:

"Hier stehen wir im Prototypen von unserem neuen Scanner, das ist der Opta-One. Das ist der Universalscanner, den könnte man für jedes Museum und für jede Einrichtung auf der Welt nutzen".

Mini-Plastiken als Verkaufsschlager 

Von Haus aus Fernsehjournalist hat Manfred Ostermeier lange Jahre Übertragungswagen und Studios eingerichtet. Kameras und Datenströme, das war seine Welt und die 3D-Technik sein Steckenpferd. Schon früh fing er an, 3D-Scanner zu entwickeln. Der erste Test für die Wirtschaftlichkeit seiner Ideen und die ersten selbst gebauten Scanner war ein Ladengeschäft, in dem Menschen sich scannen und als Mini-Plastik ihrer selbst ausdrucken lassen konnten, erinnert sich Ostermeier:

"Die erste Kundin, die kam, die meinte, ich würde das gern für meinen Mann als Weihnachtsgeschenk machen, für die ganze Familie. Ich hab ihr dann gesagt, das ist nicht günstig. Für eine fünfköpfige Familie kostet das über 1000 Euro – dann hat sie das Geld auf den Tisch gelegt und gesagt: Lass loslegen."

Weltweiter Vertrieb, viele Angestellte

Das war 2013. Das Ladengeschäft betreibt Botspot längst nicht mehr – denn nach dem ersten Auftritt bei einer Messe, wurden den zwei Bastlern nicht nur die Plastiken, sondern auch die Scanner geradezu aus der Hand gerissen. Mittlerweile hat sich die Belegschaft verzehnfacht und die Scanner von Botspot werden in die ganze Welt verkauft: Animationsfirmen, die Automobilindustrie, Sicherheitsunternehmen und auch die Medizintechnik nutzen die Geräte aus Oberschöneweide - wie beispielsweise zur Anpassung von Prothesen. Der Vorteil, so Ostermeier:

"Wenn du eine Prothese brauchst, musst du nicht mehr händisch vermessen und abgetastet werden, es muss auch kein Gipsabdruck mehr gemacht werden, sondern du stellst dich in unseren Scanner rein und wir haben ein Abbild von deinem Stumpf und dann kann das relativ einfach angepasst werden."

So können die Daten bei Bedarf auch an einen Prothesentechniker in einer anderen Stadt oder einem anderen Land übermittelt werden, und dann als Grundlage für eine perfekt angepasste Prothese dienen.

Anspruchsvolle Aufträge, weltweiter Einsatz

Die Einsatzgebiete für die Scanner sind groß und werden immer größer. In Hochsicherheitsbereichen werden sie zur biometrischen Zugangskontrolle eingesetzt, Museen erstellen Abbilder ihrer Exponate, die Industrie und Forschungseinrichtungen Prototypen. Derzeit reisen einige Mitarbeiter von der Firma regelmäßig nach Indonesien, erzählt Ostermeier:

"Der Kunde möchte mit diesem Scanner die Volkshelden Indonesiens einscannen und ausdrucken, also die ganzen Skulpturen, die man in Zukunft in Indonesien sehen wird, sind Made in Germany und mit unserem Scanner gescannt."

Einige der Büros bei Botspot erinnern an die Werkstatt von Daniel Düsentrieb. In einem dieser Büros arbeitet Nikolas Brusten, der mal Physik studiert hat:

"Das war alles sehr Theorie lästig und nicht wirklich – ja, hands on – Arbeiten an coolem Zeug und deshalb freue ich mich, hier arbeiten zu können und großer Bastler zu sein."

Software-Entwickler und Programmierer toben sich aus

Dieser fast schon kindliche Forscherdrang ist es, den eine Firma wie Botspot dringend braucht. Manfred Ostermeier ist stolz auf sein Team, in dem er auch das Kapital der Firma sieht:

"Wir sind ein ganz bunter Haufen hier an Menschen – natürlich haben wir auch die Entwicklungsingenieure, die genau das studiert haben, für das was sie brauchen, aber Leute mit Lust sind aktiver und agiler im Kopf, als Leute, die es studiert haben und keine Lust haben."

So wird gebastelt, geschraubt und programmiert, denn auch die Software wird selbst entwickelt.

Die Angst vor dem Plagiat

Spezialteile für die Scanner werden am Rechner entworfen und im 3D-Drucker ausgedruckt – so bleibt von der Idee bis zum fertigen Gerät alles in einer Hand:

"Wir sind da so ein bisschen paranoid, dass wir kopiert werden, also fertigen wir jede Platine selbst, programmieren jeden Chip selbst - wir sind eine richtig kleine Manufaktur hier."

Aus der ambitionierten Idee zweier Freunde ist ein 20-köpfiges Unternehmen geworden – und auch das reicht schon längst nicht mehr aus, sagt Manfred Ostermeier. Die Auftragsbücher sind voll und bestimmte Aufträge werden grundsätzlich abgelehnt:

"Wir fahren hier eine ganz klare non-asshole-policy, also wir machen nichts, wo Menschen geschadet werden kann – also Waffen, oder wo wir nicht dahinter stehen."

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