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StartseiteRock et cetera"I'd love to turn you on"18.06.2017

50 Jahre "Sgt. Pepper's" der Beatles"I'd love to turn you on"

Das Album "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" der Beatles besticht durch innovativen Sound und enorme künstlerische Bandbreite. Vom rockigen Titeltrack über LSD-affine, spacige Trips in "Lucy In The Sky With Diamonds" bis zum Mitwirken eines 40-köpfigen Orchesters: Ein Monument wird 50 Jahre alt.

Am Mikrofon: Tim Schauen

Das Cover des Beatles-Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" (Imago)
Das Cover des Beatles-Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" (Imago)
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Diese Sendung können Sie sieben Tage online nachhören.

Sie haben die Popmusik erfunden und die Beatlemania entfacht. Nach dem "Yeah! Yeah! Yeah!" fanden sie 1965 und 66 mit den Alben "Rubber Soul" und "Revolver" wieder neue musikalische Ausdrucksweisen. 1966 sagte dann John Lennon:

"Die Leute, die in der Vergangenheit unsere Platten gekauft haben, müssen sich darüber im Klaren sein, dass wir nicht ewig dasselbe machen können. Wir müssen uns verändern, und ich glaube, dass diese Leute das wissen."

Vor 50 Jahren brachten die vier Musiker aus Liverpool eines der ersten Konzeptalben der Musikgeschichte heraus: Die Beatles und ihr Werk "Sgt. Pepper's Lonely Heart Club Band".

Musik "Sgt. Pepper's Lonely Heart Club Band"

Musik "With A Little Help From My Friends"

Am 5. Oktober 1962 hatten die Beatles ihre erste Single veröffentlicht, "Love Me Do" - von diesem Moment an, war die Musikwelt eine andere, und die echte Welt auch: Die vier "Pilzköpfe" wurden zu Weltstars, ihre Alben enorm erfolgreich, die Tourneen ausverkauft -der Hype war riesig, kaum noch steigerbar. Doch die Fab Four beschlossen 1966, nicht mehr auf Tournee zu gehen. Dazu Paul McCartney, der heute 75 Jahre alt wird - herzlichen Glückwunsch, Sir Paul:

Paul McCartney 75 Jahre alt

"Wir waren jetzt in einer anderen Phase unserer Karriere, und wir waren glücklich. Wir hatten erlebt, wie es war, auf Tour zu sein und das war phantastisch, aber jetzt war uns mehr danach, Künstler zu sein. Wir mussten nicht jeden Abend auftreten."

Doch die Beatles waren noch hungrig: Menschlich und künstlerisch hatten sie sich in kurzer Zeit enorm weiterentwickelt - Reisen in die USA und nach Indien unternommen, Bob Dylan hatte sie mit Marihuana vertraut gemacht - die internationale Kunstszene transzendierte sich psychedelisch. Im November 1966 trafen sich die Beatles wieder in den Londoner Abbey Road-Studios, die ersten Songs, die bei den folgenden Aufnahmen entstanden, waren "Strawberry Fields Forever" und "Penny Lane" - sie landeten jedoch nicht auf dem Album, sondern wurden vorab als Single veröffentlicht. Paul McCartney:

"Wir waren jetzt nicht mehr unterwegs, sondern im Studio mit neuen Songs." Strawberry Fields" ist der Song über das alte Heilsarmee-Kinderheim, neben dem John in Liverpool gewohnt hatte. Wir verbanden es mit Jugend, goldenen Sommertagen und Erdbeerfeldern. Ich wusste, wovon er redete."

Musik "Strawberry Fields Forever"

"Das Schöne war, dass viele von unseren Songs, nach und nach etwas surrealer wurden. John hatte zu Haue ein Buch über alle möglichen verrückten Dinge mit dem Titel "Bizarre". Wir öffneten uns künstlerisch und nahmen unsere Scheuklappen ab."

Doch auch - und vor allem musikalisch - gingen die Beatles neue Wege.

"Für Strawberry Fields setzten wir ein Mellotron ein- Es hätte wohl Proteste bei der Musikergewerkschaft ausgelöst, deshalb hängten wir es nicht an die große Glocke. Es hatte Flötensamples auf Band, die auf Tastendruck abgespielt und dann automatisch zurückgespult wurden. Wir hatten elf Sekunden auf jedem Band, das in jeder Tonart abgespielt werden konnte."

Für frühere Alben waren die Beatles ein oder zwei Tage im Studio - für "Sgt. Pepper" über fünf Monate. Vom Songwriting und den Soundeffekten setzten sie wieder einmal Maßstäbe, zusammen mit ihrem Produzenten und wahren fünftem Beatle, George Martin:

Die Rolle des Produzenten George Martin

Die Arrangements, Studiotricks wie rückwärts abgespielte Bänder, das erwähnte Mellotron, das Doppeln von Spuren, das 40-köpfige Orchester - überhaupt der Einsatz von klassischen Instrumenten - dazu später mehr. Zum 50. Jubiläum von "Sgt. Pepper" hat George Martins Sohn Giles das Album neu abgemischt: Er war schon im Jahr 2000 bei den Remixe der Kompilationen "One" und 2006 bei "Love" beteiligt. Sein Vater George Martin ist im März 2016 verstorben. Giles Martin nahm - zusammen mit Toningenieur Sam Okell - die digital restaurierten Vierspurbänder, er hat die einzelnen Spuren neu gemischt, echte Stereo-Aufnahmen gemacht, denn Beatles-Songs sind ja ursprünglich in Mono. Nach seinen Remixes klingt das 50 Jahre alte, altbekannte Songmaterial: enorm frisch, plastisch, dynamisch - viele Details, einzelne Instrumente sind besser heraushörbar - und die Songs sind eh von zeitlosem Glanz. Die Geburtstags-Version der CD enthält zudem alternative Versionen, sogenannte "Takes" aus dem Studio, die es nicht auf die Platte geschafft haben. Die Musik dieser Sendung stammt vollständig von dieser Neuauflage, auch "Penny Lane" - in Stereo.

Musik "Penny Lane"

Sie hören den Deutschlandfunk, die Sendung "Rock et cetera": Wir erinnern an das legendäre Beatles-Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" - vor 50 Jahren ist es erschienen. Die Beatles-Zitate in dieser Sendung stammen aus dem opulenten Bildband "Anthology" aus dem Jahr 2000. Über die Entstehung von "Sgt. Pepper's" sagt Paul McCartney damals:

"Es war zu Beginn der Hippie-Ära, und überall in Amerika herrschte flirrende Hippie-Atmosphäre. Ich fing an, darüber nachzudenken, was ein wirklich verrückter Name für eine Band sein könnte - dieser ganze Wildwest-Planwagen-Kram mit langen verschachtelten Namen: "Da wir versuchen, Distanz zu uns selbst zu gewinnen - von Tourneen loskommen und mehr surreale Sachen machen wollen - warum werden wir dann nicht eine Alter-Ego-Band, so etwas wie "Sgt. Pepper's Loneley Hearts."

Konzeptalbum mit zufälligem Konzept

"Sgt. Pepper's" gilt als eines der ersten Konzeptalben der Musikgeschichte - doch das Konzept scheint eher zufällig entstanden zu sein. Laut John Lennon gab es anfangs bloß die Idee dieser fiktiven Band, aus deren Perspektive etwas erzählt werden sollte.

"Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie es war Tommy zu schreiben. Ich hab gelesen, dass Pete Townshend sagte, er habe nur einen Haufen Songs gehabt, und die seien im Studio irgendwie zu Tommy verschmolzen. Das ist wie bei Sgt. Pepper - ein Haufen Songs, und man gibt zwei Prisen Pfeffer dazu, und dann ist es ein Konzept."

"Lucy In The Sky With Diamonds" - der Song gilt ewigen Verschwörungstheorien zufolge als Chiffre für LSD, und es scheint ja zu passen: Lucy In The Sky With Diamonds. Die psychedelische Gesangs-Stimme von John Lennon, mit Modulationseffekt leicht entrückt klingend, die spacige Orgel-Intro, dann wechselt der anfängliche Takt vom 6/8 beim Refrain in 4/4. Doch McCartney und Lennon haben immer wieder gesagt: Die Idee zur Titelzeile stammt von Lennons Sohn Julian, der seinem Vater ein Bild zeigte und als der fragte: "Sehr schön, was ist das?", sagte Julian: "Lucy in the sky with diamonds." Später hat John Lennon noch ergänzt, die Geschichte von "Alice im Wunderland" habe ihn dazu inspiriert, zum Beispiel zur Phrase vom "Mädchen mit den Kaleidoskop-Augen". Das Lied ist Ende Februar, Anfang März 1967 aufgenommen worden, ein Klassiker der Beatles.

Musik "Lucy In The Sky With Diamonds"

Musik "It's Getting Better"

"'A Day In The Life' habe ich mit der Daily Mail vor mir am Klavier geschrieben. Ich hatte sie auf der Seite der Kurznachrichten aufgeschlagen oder bei "Aus Nah und Fern". Mir fielen zwei Berichte auf. Einer war über den Guinness-Erben, der in einem Auto ums Leben gekommen war. Das war die Hauptschlagzeile. Er starb in London bei einem Autounfall. Auf der nächsten Seite stand ein Bericht über 4.000 Schlaglöcher in den Straßen von Blackburn, Lancashire. Als wir uns an die Aufnahmen machten, fehlte noch ein Wort in der Strophe. Ich wusste, dass die Zeile lauten musste: "Now they know how many wholes it takes to - something - the Royal Albert Hall." Es war wirklich ein Nonsens -Strophe, aber aus irgendeinem Grund fiel mir das Verb nicht ein. Was machen die mit den Löchern in der Royal Albert Hall? Terry Doran war es dann der "fill" sagte: füllen."

Musik "Fixing A Hole"

Musik "She's Leaving Home"

"Fixing a whole und das wunderbar traurige "She's leaving home" - die Songschreib-Maschine Lennon/McCartney, sie lief auch bei "Sgt. Pepper" wie geschmiert - die beiden befeuerten und ergänzten sich ungeheuer. In der Dichte an tollen Songs für die Ewigkeit wohl unerreicht in der Musikgeschichte: Kommt der eine nicht weiter, hilft der andere mit dem fehlenden Teil aus. Schreibt Lennon einen tollen Song alleine, kommt am nächsten Tag McCartney mit einem noch besseren. Und umgekehrt. "Being For The Benefit Of Mr. Kite" - Track Sieben des Meisterwerks.

Musik "Being For The Benefit Of Mr. Kite"

Anfang Juni erschien das Album: psychedelisch, künstlerisch progressiv, Avantgarde-Pop. Das Papier um das Album herum enthielt die nächste Revolution: Zum ersten Mal druckten die Beatles ihre Texte ab. Das Plattencover zeigte vier recht bekannte Musiker in bunten Uniformen - um sie herum eine Collage mit Dutzenden Prominenten: Von Stan Laurel bis CG Jung, Albert Einstein, Marlon Brando, Bob Dylan, Karl Marx, Marlene Dietrich, HG Wells und und und. Das Who is Who der Intelligenz und Bohème. Stuart Sutcliffe, das früh verstorbene Ex-Mitglied der Band ist auch darunter.

13 Songs - ein Meilenstein

13 Songs sind auf dem Album, die allermeisten noch unterhalb von drei Minuten, nur das letzte und ein weiteres überschreiten die Fünfminuten-Marke: George Harrison hat "Within you, without you" komponiert und singt es auch. Er war am meisten von allen von indischer Kultur und indischer Musik fasziniert und spielt die Sitar.

Musik "Within you, without you"

Das nächste Stück "When I'm Sixty Four" ist der nächste Beatles-Evergreen - auch hier- weil so bekannt - hört man die studiotechnische Auffrischung besonders gut. Untypisch für diese Zeit: Der Gesang von McCartney wird von Klarinetten begleitet, in der letzten Strophe sogar umspielt - er wollte das so haben, sagte McCartney, um den Schmalz-Faktor des Stücks zu erhöhen.

Musik "When I'm Sixty-Four"

Der letzte Song des Albums ist wieder ein Meilenstein, ein Meisterwerk - eine gemeinschaftliche Komposition von Lennon/McCartney. Anfangs wusste man nicht, wie man die beiden Teile verbinden sollte, die Paul und John geschrieben hatte - und ließ 24 Takte Platz. Diesen Platz füllten dann 40 Musiker des London Philharmonic Orchestra: George Martin und die Beatles baten darum, vom tiefsten Ton ihres Instrumentes bis zum höchsten zu spielen - für den Übergang. Am Schluss sollte dann ein gewaltiger Akkord stehen, ein E-Dur, man dachte an ein gesprochenes "Huuuummmm" - also Summen und nahm das auch so auf.

Musik "A Day In The Life (With Hums)"

Doch diese Idee - den ersten Take - verwarf man und nahm stattdessen einige Klaviere auf, in die gleichzeitig ein E-Dur-Dreiklang gehämmert wurde. "I'd love to turn you on" singt Lennon - zeitgeschichtlicher Gruß an Drogenfreunde, der den Titel kurz auf den Index der BBC beförderte. Der E-Dur-Akkord und der Song "A Day In The Life": Der Schlusspunkt unter ein Album, das Musikgeschichte schreiben sollte, kommerziell enorm erfolgreich war - und auch künstlerisch überzeugen konnte. Doch die Beatles waren noch längst nicht am Ende - sie liefen gerade erst zu neuen Ausdrucksformen auf.

Längst nicht am Ende

Das sogenannte Weiße Album "The Beatles" wird gerade remixt und mal sehen, zu dessen 50. Jubiläum im November 2018 wird es bestimmt auf den Markt gebracht. Denn: Die Beatles sind noch immer eine der wichtigsten Bands des Planeten. Sie verdienen Geld

Musik "Sgt. Pepper's Reprise"

Musik "A Day In The Life"

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