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StartseiteKalenderblattLittle Walter - einer der Größten des Chicago Blues15.02.2018

50. Todestag des MusikersLittle Walter - einer der Größten des Chicago Blues

Was Jimi Hendrix für die Gitarre, war Little Walter für die Mundharmonika: Der Musiker aus Chicago eröffnete dem Blues neue Horizonte. Kaskaden von markerschütternden Sounds drangen aus seinem Instrument, befeuert von einer latenten Wut auf seine unglückliche Kindheit und sein Schicksal als Entwurzelter.

Von Karl Lippegaus

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Mundharmonika der Marke "Hohner" (imago/Schöning)
Mit einer Mundharmonika für 59 Cent schuf Little Walter einen ganz eigenen Sound (imago/Schöning)
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"Little Walter hinterließ gerade mal 15 Stunden Musik, die für immer das Vokabular für sein Instrument veränderten. Er begann als Straßenmusiker und wurde ein weltbekannter Innovator; aus den gefährlichen Vierteln der Städte fand er nie raus. Er hatte Hits und spielte in den besten Clubs im In- und Ausland. Er machte viel Geld und verschleuderte alles wieder."

In dem Buch "Blues with a feeling" resümieren drei Autoren so das kurze wilde Leben von Marion Walter Jacobs, den Bluesfans in aller Welt bekannt als: Little Walter. Am 1. Mai 1930 kam er zur Welt und kurz vor seinem 38. Geburtstag starb er, unter mysteriösen Umständen – einer der vier oder fünf Größten des Chicago Blues.

"Er schlief auf Billardtischen und fuhr brandneue Cadillacs; er jobbte in Eckkneipen für ein Taschengeld. Walter bezirzte mit seiner Großzügigkeit und schreckte ab mit seiner Arroganz. Er liebte und verließ unzählige Frauen, er schloss Freundschaften und zerstörte sie; irgendwann zerbrach er an den Folgen eines ungehemmten Alkoholismus. Ein musikalisches Genie mit seltenen Talenten, die heute noch faszinieren."

Deutsche Hohner-Mundharmonika für 59 Cent

Immer wieder quälte Little Walter die Frage: Warum hatte mich meine Mutter nach meiner Geburt verlassen und erst als Elfjährigen endlich wiedergesehen? Die latente Wut, nicht geliebt zu werden, prägte seine Musik. Sie befeuerte, was aus seinem Instrument drang, einer Mundharmonika. Kaskaden von Sounds. Markerschütternd. Was Jimi Hendrix für die Gitarre, war Little Walter für dieses kleine Instrument im Taschenformat. 

"Ich mochte einfach diesen Sound. Aber was mich wirklich anspornte war, dass meine Spielkameraden und meine Mutter das Instrument hassten."

Little Walter eröffnete dem Blues neue Horizonte: 14 Hits in den Top Ten der Hitparaden waren die Erfolgsbilanz. Aus einer simplen Mundharmonika der deutschen Marke Hohner aus einem Versandkatalog für 59 Cents.

"Je mehr die Leute mich davon abbringen wollten, umso mehr vernarrte ich mich in dieses Ding. Wenn du aufgibst, verlierst du den Kampf, und so wurde ich allmählich gut darin."

Er trug zeitlebens einen Revolver bei sich

In seinen Adern floss afrikanisches, indianisches und französisches Blut. Viele Details seiner schweren Kindheit im rassistischen Süden kamen nie ans Tageslicht. Walter hasste den Süden. Mit den Hobos auf Güterzügen kam er 1945 nach Chicago und schlug sich anfangs als Straßenmusiker auf der Maxwell Street durch. Ein kleiner Mann, dem niemand sagte, was er zu tun oder zu lassen hatte, ein Entwurzelter und Außenseiter, der zeitlebens einen Revolver mit sich herumtrug und sich mehrmals selbst damit verletzte. Die vielen Narben in seinem Gesicht und am Oberkörper zeugten von etlichen Konflikten.

Aristocrat Records hieß ein kleines Plattenlabel, das die Chess-Brüder aufkauften, das waren polnische Emigranten, die daraus in Chicago mit ihrem Chess-Label eine der wichtigsten Bluesfirmen machten.

"Little Walters Musik war ein direkter Spiegel seiner Persönlichkeit. Zornig und mal brutal, auch mal zärtlich, immer rastlos und ständig in Bewegung."

Anfang der 50er-Jahre hatte Walter seine große Zeit. Dann aber begann der Siegeszug des Rock'n'Roll und ein Schatten fiel über die gerade noch so lebendige Bluesszene.

Bei einem Streit ging die Pistole in seiner Hosentasche los und er schoss sich ins Knie. Quälende Schmerzen und noch mehr Drogen. Magere Zeiten brachen an. Little Walter war nur noch ein Schatten seines früheren Selbst, lebte aber weiter ohne Rücksicht auf Verluste, wirkte unnahbar und introvertiert. Marion Walter Jacobs starb am 15. Februar 1968 in Chicago. 

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