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Abenteurer mit Geschäftssinn

Vor 100 Jahren wurde der Flugpionier Hans Bertram geboren

Von Jürgen Bräunlein

Zu den Zeiten von Charles A. Lindbergh (Foto) und Hans Bertram war die Fliegerei noch ein gefährliches Abenteuer. (AP Archiv)
Zu den Zeiten von Charles A. Lindbergh (Foto) und Hans Bertram war die Fliegerei noch ein gefährliches Abenteuer. (AP Archiv)

53 Tage lang irrt Hans Bertram mit seinem Begleiter nach einem Flugzeugabsturz in der australischen Wildnis umher. Nach seiner Rettung wird er in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Held gefeiert. 1906 erblickte der Flugpionier und spätere Schriftsteller das Licht der Welt.

Am 26. Februar 1906, einem Rosenmontag, wird Hans Bertram in Remscheid geboren. Der Vater ist Gastwirt, doch der Sohn hält nichts von solcher Bodenständigkeit. Gleich nach dem Abitur macht er in Hamburg eine Lehre zum Schiffsbauer und nebenbei den Flugschein. Während er in München an der Technischen Hochschule studiert, legt er auch noch eine Kunstflugprüfung ab. Danach zieht es ihn nach Peking., wo er der chinesischen Regierung beim Aufbau der Marine-Luftwaffe hilft.

Das größte Abenteuer seines Lebens beginnt am 12. Mai 1932. In einer einmotorigen Junkers-Maschine mit dem Namen "Atlantis" startet er gemeinsam mit dem Flugmechaniker Adolf Klausmann von der indonesischen Insel Timor aus in einem Nachtflug nach Port Darwin in Australien – wird aber nie dort ankommen. Es stürmt, und in der Dunkelheit verlieren die Piloten jede Orientierung. An einer unbewohnten Wüstenküste im Nordwesten Australiens müssen sie notlanden.

Hans Bertram und sein Begleiter brechen zum Landmarsch auf und schwimmen durch eine Bucht.

"Plötzlich ist es mir, als ob mich eine eiskalte Hand im Genick packt","

erinnert er sich später.

""In ungefähr 40 Meter Entfernung sehe ich Baumstämme treiben, nein, Krokodile sind es, zwei, drei, noch mehr. Einen Augenblick bin ich wie gelähmt. Der Gepäcksack ist im Nu von den Schultern gelöst. Kleider und Schuhe versinken, sind verloren. Ein paar Meter waten, kriechen, springen wir. Dann liegen wir erschöpft im glühenden Sand. Gerettet."

Ein Irrtum. Denn erst jetzt beginnt der eigentliche Kampf ums Überleben. Gegen die glühende Hitze, den Durst, Hunger, Krankheiten. Wurzeln, Schnecken und Eidechsen sind die einzige Nahrung. Moskitos brüten auf eiternden Wunden. Erst nach 53 Tagen – in der Heimat wurden sie längst für tot erklärt – entdeckt ein Eingeborener die fast Verhungerten.

"Mit einer unbeholfenen Handbewegung schenkte uns dieser Mensch einen Fisch – schenkt uns das Leben."

Am 17. April 1933 landet Hans Bertram nach 14-monatiger Abwesenheit wieder auf deutschem Boden. Der Empfang in Berlin-Tempelhof bewegt die Menschen.

"Sehr geehrte Damen, meine Herren, glauben Sie mir, in den unendlichen Wochen, Tagen, Stunden, ja Minuten, wo wir unter dem Sternenhimmel gelegen haben bei tropischer Hitze, haben wir immer gewusst und gefühlt, dass die Heimat an uns denkt, hofft und für uns betet."

Hans Bertram wird gefeiert wie ein Held, während sein Begleiter nie mehr auf die Beine kommt. Er verlor im Dschungel den Verstand. Der mental stärkere Bertram aber weiß seinen Ruhm zu nutzen. Er schreibt mehrere Drehbücher, die auch verfilmt werden, und hält Vorträge. Als er in seinem Film "Symphonie eines Lebens" einen Juden als Hauptdarsteller wählt, wird er von den Nazis aus der Kulturkammer ausgeschlossen. Bis Kriegsende schlägt er sich mit Hilfsarbeiten durch und sagt später über diese Jahre:

"Ich habe in meinem Leben Schlimmeres erlebt."

Nach dem Krieg gelingt Hans Bertram eine zweite Karriere. Er gründet in München, wo er nun lebt, sein eigenes Luftfahrtunternehmen, den Bayerischen Flugdienst. Vor allem aber schreibt er Bücher. Sein Erlebnisbericht über die 53 Tage im australischen Dschungel "Flug in die Hölle" erscheint 1951 und wird in 20 Sprachen übersetzt. 1985 verfilmt die ARD den Besteller als Mehrteiler. Die prägnante Titelmusik von Klaus Doldinger ist noch heute vielen Fernsehzuschauern in Erinnerung.

Hans Bertram, der einige Jahre mit der Schauspielerin Gisela Uhlen verheiratet war, verband Zeit seines Lebens Abenteuerlust mit Geschäftssinn. Das von ihm gegründete Flugunternehmen existiert heute nicht mehr, wohl aber der daraus hervorgegangene Luftbildverlag. Am 3. Januar 1993 ist Hans Bertram im Alter von 86 Jahren gestorben.

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