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StartseiteKommentare und Themen der WocheDer verbannte Bannon - geschasst, aber gefährlich19.08.2017

Abgang aus dem Weißen HausDer verbannte Bannon - geschasst, aber gefährlich

Als Chefstratege für das Weiße Haus arbeitet Steve Bannon nicht mehr. Seine ultrarechten Ziele verfolgt er weiter - er werde gegen die Widersacher Präsident Trumps "in den Krieg" ziehen. Dennoch könnte der gerade den Anfang vom Ende seiner Präsidentschaft gesehen haben, meint Martina Buttler.

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Steve Bannon, hier noch Chefstratege im Weißen Haus (dpa / picture alliance / Olivier Douliery)
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Glückwunsch, Herr Präsident. Glückwunsch zu einer neuen Front. Was jetzt kommt, könnte die Russland-Ermittlungen, den Kleinkrieg mit den Medien oder den Streit mit republikanischen Politikern wie einen Kinderspielplatz erscheinen lassen. Unumwunden: Es ist gut, daß der Mann, der es darauf angelegt hatte, den Staat wie er existiert zu zerschmettern, raus ist aus dem Haus. Es ist gut, daß derjenige, der seine Webseite zum Sprachrohr der Alt-Right-Bewegung erklärt hat, nicht mehr direkt ins Ohr des Präsidenten flüstert. Es ist gut, daß der neue Stabschef John Kelly aufräumt und so nach dem letzten rettenden Strohhalm greift, den der US-Präsident überhaupt noch hat. Will Trump die Kurve kriegen, muß er Kelly vertrauen, um Ordnung ins Weiße Haus zu bekommen.

Das mag auf den ersten Blick mit dem Abgang von Steve Bannon gelungen sein.

Auf den zweiten Blick könnte die wilde Fahrt jetzt erst richtig losgehen. Steve Bannon hat, gleich nachdem er seine Taschen aus seinem Büro getragen hat, erklärt, daß er zurückgeht zu Breitbart News und freudig angekündigt, daß er nun frei sei und wieder seine Waffen in den Händen halten würde. Worte und das Forum der rechtspopulistischen Webseite – das kann für Donald Trump und seine Präsidentschaft gefährlich werden. Bannon wird sich nicht gegen ihn stellen – das hat bisher noch keiner der geschassten Berater im Weißen Haus getan – ganz im Gegenteil. Sie singen auch außerhalb noch das hohe Lied auf Donald Trump.

Hashtag #war - Krieg

Aber Diejenigen, mit denen sich Bannon im und um das Oval Office in den letzten Monaten erbitterte Kämpfe geliefert hat, müssen sich nun warm anziehen. Allen voran Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der Nationale Sicherheitsberater McMaster und am Ende womöglich auch der neue Stabschef John Kelly. Und wenn Bannon sie ins Visier nimmt und von außen anschießt, dann wird es für Trump zum Problem. Denn dann kann der Stabschef machen, was er will – das Weiße Haus wird nicht zur Ruhe kommen. Breitbart hat auf das Ende von Steve Bannons Karriere in der Schaltzentrale der Macht mit einem einfachen Wort als Hashtag reagiert. War. Krieg. Schon in der Vergangenheit haben sich die Breitbart-Leute beispielsweise kritisch über Trumps Nordkorea-Politik geäußert. Breitbart – das ist der direkte Draht zu Trumps Basis. Der Nachrichtenversorger, dem Trumps Wähler vertrauen.

Wenn hier Kritik und Skepsis gesät werden an einzelnen Punkten von Trumps Politik und vor allem an seinem Team, dann könnte die Basis bröckeln. Noch immer unterstützen Umfragen zufolge rund Dreiviertel der Trump-Wähler den US-Präsidenten, das könnte sich bald ändern. Das Trump-Universum könnte destabilisiert werden. Bei den Kongreßwahlen im kommenden Jahr werden die ehemaligen Trump-Wähler völlig auseinanderdriften – nach rechts und links.

Für Trump ist der Abgang des nächsten prominenten Mannes aus seinem engsten Kreis ein Armutszeugnis, aber das ist nur eine Fußnote. Seine Präsidentschaft könnte gerade – bezeichnenderweise aus seinem engsten Kreis – den Anfang vom Ende gesehen haben. Was der Kongreß nicht schafft, weil es keine Mehrheit für ein Amtsenthebungsverfahren geben wird, Steve Bannon könnte es möglich machen.  Eventuell hat Steve Bannon nach seinem Abgang etwas geradezu Prophetisches gesagt: die Präsidentschaft, für die er gekämpft habe, sei vorbei. Die Frage ist nur: Was kommt stattdessen? Nur eins ist sicher: Trump wird sich auch jetzt nicht ändern. Er duldet niemanden im Rampenlicht neben sich und will immer das Gefühl haben, daß er die Richtung ansagt. Trump bleibt Trump in Form und Inhalt. Die Frage ist nur, wie gut kommt er mit dem neuen Gegner klar, der nicht auf ihn zielt, ihn aber am Ende das Oval Office kosten könnte.

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