Mittwoch, 13.12.2017
StartseiteInformationen am MorgenUrteil gegen VW-Manager in USA erwartet06.12.2017

AbgasskandalUrteil gegen VW-Manager in USA erwartet

Nach seinem Geständnis besteht kaum ein Zweifel, dass VW-Manager Oliver Schmidt am Abgasskandal in den USA beteiligt war. Doch deutlich wurde auch: Als derzeit einziger Angeklagter in dem Fall ist er zu einem Sündenbock geworden. Erwartet wird ein Urteil mit Signalwirkung.

Von Thilo Kößler

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Die Silhouetten von zwei Männern auf einer Brücke zeichnen sich am 10.05.2016 vor dem großen Volkswagen-Logo am Kraftwerk am VW-Werk in Wolfsburg (Niedersachsen) ab. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Die Silhouetten von zwei Männern am Kraftwerk des VW-Werks in Wolfsburg (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
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VW-Dieselbetrug Skandal ohne Ende

Detroit, im Großraumbüro der Tageszeitung Detroit Free Press im zweiten Stock der Fort Street 160: Von hier aus sind es nur ein paar Meter zum Justizgebäude gleich um die Ecke. Eric Lawrence kann den Haupteingang mit den in Stein gemeißelten Lettern über dem Hauptportal "United States of America" fast von seinem Schreibtisch aus sehen.

Eric ist Wirtschaftsredakteur der Detroit Free Press und hat den Fall Oliver Schmidt genauso verfolgt, wie den ersten Richterspruch in der Dieselgate-Affäre im August dieses Jahres: Anders als Schmidt war der ehemalige VW-Mitarbeiter James Liang von Anfang an in vollem Umfang geständig und gab dem Richter alles preis, was er über diesen Skandal wusste.

Oliver Schmidt packte spät aus

Liang wurde dennoch von Sean Cox zu 40 Monaten Haft und 200.000 Dollar Geldstrafe verurteilt. Oliver Schmidt könnte es noch härter treffen, sagt Eric Lawrence. Richter Cox dürfte zum oberen Ende des geforderten Strafmaßes neigen, vermutet Eric.

Oliver Schmidt hat sich erst im August dazu entschlossen, es Liang gleichzutun, alles zu gestehen und ebenfalls auszupacken. Prompt wurden neun der elf Anklagepunkte fallengelassen und das Strafmaß von 169 Jahren auf sieben Jahre und 500.000 Dollar Geldstrafe reduziert.

Schmidt hatte den schwarzen Peter inne

Sein spätes Geständnis könnte indes Folgen haben. Im Rückblick erscheint es sogar als logische Konsequenz aus dem Deal, den der VW-Konzern im Januar mit den US-Behörden geschlossen hatte. 23 Milliarden Dollar bezahlte VW für den Betrug an den amerikanischen Autofahrern. Den schwarzen Peter hatte jedoch der Beschuldigte Oliver Schmidt, der sich von seinem Arbeitgeber im Stich gelassen fühlte.

Als dann auch noch das harte Urteil gegen James Liang fiel, muss der Druck auf Schmidt unerträglich geworden sein, vermutet Eric Lawrence.

Alles auf Geheiß des Unternehmens

In einem Brief an Richter Cox räumte Schmidt in der vergangenen Woche nochmals seine Schuld ein. Er bedauert darin, dass er als Chef des Umweltbüros von VW in den USA die Existenz der Betrugssoftware so lange verschwiegen hat. Und dabei die kalifornische Umweltbehörde Carb immer wieder hinters Licht führte. Das sei auf Geheiß des Unternehmens geschehen, sagt Schmidt. In dem Schreiben bezichtigt er die Wolfsburger Führung auch, schon lange vor ihm von den betrügerischen Abgasmethoden gewusst zu haben.

Kurzum: Schmidt fühlt sich von der eigenen Firma missbraucht - seine Loyalität habe ihn immer tiefer hereingerissen. Richter Cox dürfte Schmidts Gewissenskonflikt zwischen Unternehmenstreue und Ehrlichkeit durchaus wahrnehmen, vermutet der Journalist Eric Lawrence.

Der Richter wird wohl ein Zeichen setzen

Doch Richter Sean Cox werde wohl ein Zeichen setzen wollen. Dieser Skandal sei so bedrohlich für die US-Wirtschaft und die amerikanischen Verbraucher gewesen, dass die Botschaft vermutlich lauten werde: Wir lassen uns nie wieder von Konzernen betrügen.

Oliver Schmidt beschreibt in seinem Brief an Richter Cox, wie ihn diese Affäre und ihre Folgen verändert haben: Die beschämende Verhaftung auf einer Herrentoilette im Flughafen von Miami im Januar. Die Haft zunächst in Oklahoma an der Seite von Schwerverbrechern. Seine Erleichterung über die Verlegung nach Michigan, wo ihn jetzt seine Frau besuchen kann, die ihren Job aufgab und in die USA übersiedelte, damit sie ihm nahe sein könne.

Der 48-Jährige bittet Richter Cox in seinem Schreiben nicht um Milde. Aber er lässt ihn wissen, dass der heutige Tag des Urteils vermutlich zum schlimmsten Tag in seinem Leben werde.

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