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StartseiteCampus & KarriereAbschreiben schwer gemacht27.06.2008

Abschreiben schwer gemacht

Verein aus Münster will Plagiate aufstöbern

Sie haben den Plagiateuren an den Hochschulen den Kampf erklärt. Der Verein ProfNet, bestehend aus sieben Professoren, bietet ab Juli einen sogenannten Plagiatservice an. Für 1000 Euro im Jahr pro Hochschule wollen sie Arbeiten von Studierenden auf Fälschungen untersuchen.

Von Eva Bendix

Dank Internet sind Plagiate leicht erstellt. (AP)
Dank Internet sind Plagiate leicht erstellt. (AP)

Der Mann, der den Studierenden das Fälschen schwer bis unmöglich machen will, sitzt in einem schlichten Büro. Ganz in der Nähe der Uni. Von dort hat Professor Uwe Kamenz sie fest im Blick und wenn es geht bald im Griff: potentielle Plagiateure:

" Es gibt keine harten Fakten darüber, aber was wir wissen, ist, dass nur weniger als zehn Prozent der schriftlichen Arbeiten auf Plagiate hin analysiert werden, und wir haben aus Studien die Erfahrungen, dass bis zu 50 Prozent der Studierenden sich vorstellen können zu plagiieren. Wenn man sich anschaut, wie einfach es ist zu plagiieren, warum sollte man es nicht tun? Im Augenblick ist derjenige, der es nicht tut, der Dumme. "

Wie sehen das die Studierenden draußen vor seiner Tür?

" Es ist einfach so bei uns Studierenden: Die Angst, erwischt zu werden, oder die Konsequenzen daraus, dass man disqualifiziert wird oder im Seminar nicht mehr teilnehmen darf, ist zu groß, als dass man das machen würde

Ich habe sowie nicht vor, was zu fälschen, und die meisten anderen auch nicht

Bisher sind wir noch nicht aufgeflogen. Habe auch noch nie mitgekriegt, dass Plagiate rausgefunden werden. "

Das soll sich ändern. Mit seinem Plagiatservice will Uwe Kamenz studierende Fälscher aufstöbern. Mithilfe des Internets: Dabei nutzt und verändert er herkömmliche Plagiatsoftware, die Hochschulen schon seit längerem einsetzen.

" Diese Systeme haben den Nachteil, dass sie nicht die Wünsche des Professors aufnehmen, sondern den Professor eher belasten. Er muss seine Software downloaden, muss sie bearbeiten und mindestens eins bis zwei Stunden mit dieser Software beschäftigen. "

Zu aufwändig, zu kompliziert, nicht tauglich, resümiert der Marketingprofessor und will nun sein eigenes Suchsystem auf den Markt bringen. Kundenorientiert müsse das vor allem die Professoren entlasten. Das heißt: Studierende schicken ihre elektronischen Arbeiten an den Plagiatservice. Ein Computerprogramm durchforstet dann vollautomatisch die Arbeit auf mögliche Fälschungen. Es fischt komplett abgeschriebene Texte, zusammengesetzte Kapitel, bis hin zu übernommenen Sätzen und Zitate aus den Dokumenten heraus.

Dann sendet es die Ergebnisse online dem Professor. Der muss letztendlich darüber entscheiden, ob ein Studierender gemogelt hat.

" Es gibt bei der Plagiatsuche im Prinzip zwei Wege. Der eine Weg ist der über Google, der Imitationsweg des Plagiierenden. Darüber hinaus gibt es einen Dienst, dass man seine Arbeit abgibt. Das heißt, alle Arbeiten einer Hochschule werden gesammelt, und dort wird dann nachgeguckt, gibt es irgendwelche Plagiate. Wir vermischen diese Systeme, und damit werden wir auf Dauer bessere Ergebnisse haben in der Identifizierung möglicher Plagiate. "

Diesen Weg kann Uwe Kamenz nur gehen, wenn viele Hochschulen sich bei ihm einkaufen. Doch:

" Wir fangen am 1.7. an. Im Augenblick haben wir noch keine einzige Hochschule bei uns. "

Zweite Hürde auf diesem Weg: Bisher können Studierende nicht gezwungen werden, ihre Arbeit elektronisch abzugeben und auf Fälschungen hin untersuchen zu lassen. Hier setzt der Professor auf die Zukunft:

" In den neuen Prüfungsordnungen wird drin stehen, dass der Student akzeptieren muss, dass seine Arbeiten auf Plagiate analysiert werden. Unser Ziel ist es, innerhalb von drei Jahren Plagiate in Deutschland auszurotten. "

Studierende an der Uni Münster sehen dieser Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen

" Finde ich voll daneben. Man muss den Studierenden noch eine faire Chance lassen zu betrügen.

Weil wir zusammen gewohnt haben, sind unsere Arbeiten aufs Genaueste verglichen worden. Obwohl wir gar nicht miteinander geredet haben. Jetzt sind drei Sätze gleich und nun wurde uns ein Täuschungsversuch unterstellt.

Ich denke für die, die es noch nicht verstanden haben, das man das nicht machen sollte, ist es ganz gut.

Ich weiß nicht, ob wir so etwas brauchen, weil ich habe sowie so nicht vor, was zu fälschen, und die meisten anderen auch nicht.

Ich finde, die haben genug wissenschaftliche Arbeiter, die das selbst hinkriegen müssen. Das wird ja schon streng kontrolliert. Verstehe ich nicht, dass das noch eine extra Firma machen muss. "

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