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StartseiteNachrichten vertieftNATO bestätigt türkische Darstellung24.11.2015

Abschuss von KampfjetNATO bestätigt türkische Darstellung

Die NATO hat auf den Abschuss einer russischen Maschine an der türkisch-syrischen Grenze reagiert. Generalsekretär Jens Stoltenberg rief in einer Stellungnahme zur Besonnenheit auf. Russland erklärte unterdessen, dass einer der beiden Piloten getötet wurde und will wohl ein Kriegsschiff in die Region verlegen.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei einer Pressekonferenz in Brüssel.  (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief Russland und die Türkei zu weiteren Gesprächen über den Zwischenfall auf. (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)
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Scharfe Kritik an Russland übte der NATO-Generalsekretär nicht. Zwar betonte Jens Stoltenberg nach einer Sondersitzung der Mitgliedsländer, dass alle hinter der Türkei stünden. Er sagte aber gleichzeitig, dass es wichtig sei, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Zwischen der russischen und der türkischen Regierung habe es deswegen bereits Gespräche gegeben - es müsse aber weitere geben, um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden.

Stoltenberg sagte, der gemeinsame Feind sei die Terrorgruppe IS. Russland sollte sich von diesem Gedanken leiten lassen. Die NATO begrüße jede Unterstützung im Kampf gegen die Terroristen.

Die NATO bestätigte zudem die Angaben der türkischen Regierung, dass das abgeschossene russische Flugzeug den türkischen Luftraum verletzt habe. Auch das US-Verteidigungsministerium kam zu diesem Schluss. Man habe den Funkverkehr in der Region abgehört.

Türkei: Maschine hat Warnungen ignoriert

Nach Angaben der türkischen Streitkräfte hat das russische Flugzeug mehrfach Warnungen ignoriert - insgesamt zehn innerhalb von fünf Minuten. Zwei türkische F-16-Jets hätten den Jet den Einsatzregeln entsprechend in der Grenzregion Hatay abgeschossen.

Türkische Medien berichten unter Berufung auf Armeekreise, die Maschine sei in Brand geraten und dann in syrisches Gebiet gestürzt. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in der Nähe von London befindet sich das Wrack in der nördlichen Provinz Latakia. Der private Fernsehsender Habertürk TV veröffentlichte ein Video, das den Absturz zeigen soll.

Russland bestreitet die türkische Darstellung. Als einen "Stoß in den Rücken" bezeichnete Wladimir Putin den Abschuss im russischen Fernsehen. Er sei begangen worden von Helfershelfern von Terroristen. Bislang habe Russland die Türkei als Freund betrachtet, sagte Putin. Nun gerät er ins Zweifeln: "Ich weiß nicht, wer das braucht, was heute passiert ist."

Russisches Kriegsschiff soll verlegt werden

Anschließend drohte der russische Präsident mit ernsten Konsequenzen wegen des Vorfalls. Russischen Medienberichten zufolge soll nun ein Kriegsschiff in die Region, in der sich der Vorfall ereignete, verlegt werden  also vor die nördliche Mittelmeerküste Syriens.

Für Mittwoch war außerdem ein Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow in der Türkei geplant, um die Beziehungen beider Länder zueinander zu verbessern. Lawrow teilte nach dem Abschuss der Maschine allerdings mit, er werde die Reise nicht antreten.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau wurde das Flugzeug vom Typ Su-24 vom Boden aus beschossen und stürzte anschließend ab. Putin sagte, dass sich die Maschine zum Zeitpunkt des Abschusses einen Kilometer von der Grenze entfernt im syrischen Luftraum aufgehalten hat. Sie sei schließlich vier Kilometer im Inland abgestürzt. Die beiden Piloten sollen sich mit dem Schleudersitz gerettet haben.

Einer der Piloten tot

Eine Karte vom türkisch-syrischen Grenzgebiet (picture alliance / dpa-Grafik)Eine Karte vom türkisch-syrischen Grenzgebiet (picture alliance / dpa-Grafik)Einer der Piloten hat den Absturz aber trotzdem nicht überlebt. Nach Angaben des russischen Militärs wurde der Soldat vom Boden aus erschossen. Bei einer Rettungsaktion für die Piloten wurde außerdem ein Besatzungsmitglied eines russischen Hubschraubers getötet. Rebellen hätten den Hubschrauber angegriffen. Bei den Rebellen handelt es sich möglicherweise um turkmenische Kämpfer, die nach eigenen Angaben beide Piloten erschossen haben. Offiziell ist allerdings unklar, was mit dem zweiten Piloten passiert ist.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warf Russland vor, Stellungen der Turkmenen im Nordwesten Syriens zu bombardieren. Die Turkmenen kämpfen gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad  in Syrien und werden von der Türkei unterstützt. Russland ist dagegen ein Unterstützer der syrischen Regierung.

Türkei betont Recht auf Selbstverteidigung

Wie Erdogan betonte auch der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, die Türkei habe das Recht, sich zu verteidigen. Das Land werde "alles Notwendige" tun, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Davutoglu bat die NATO, die Vereinten Nationen und verbündete Staaten um Rücksprache. Seit Beginn des russischen Militäreinsatzes in Syrien hat die Türkei Russland mehrfach vorgeworfen, den türkischen Luftraum verletzt zu haben. Im Oktober wurde nach einem solchen Zwischenfall der russische Botschafter in Ankara einbestellt. Außerdem schoss die türkische Armee eine Drohne russischer Bauart ab.

Großbritanniens Premierminister David Cameron rief die türkische Regierung auf, durch Gespräche eine weitere Eskalation zu verhindern. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem ernsten Zwischenfall, der den gemeinsamen Kampf gegen die Terrormiliz IS lähmen könnte: "Das kann bedeuten, dass wir nicht nur einen Rückschlag erleben werden, sondern dass der Hoffnungsschimmer, den wir gerade erst erarbeitet haben, zerstört wird."

Aus Sicht des früheren Staatssekretärs im Verteidigungsministerium, Walther Stützle (SPD), zeigt der Zwischenfall, wie gefährlich die Militäreinsätze in Syrien sind: "Es wird höchste Zeit, dass alle Beteiligten, die im Nahen Osten Verantwortung tragen, nicht nur in Wien an einen Tisch kommen, sondern sich sehr schnell darauf verständigen, dass diese nicht koordinierten Bombardierungsaktionen eingestellt werden, respektive, dass man zu einer Koordinierung kommt", sagte Stützle im DLF

(jasi/tj/pr/jcs)

 

 

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