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StartseiteKommentare und Themen der WocheEndgültig im 21. Jahrhundert angekommen26.05.2018

Abtreibungs-Referendum in IrlandEndgültig im 21. Jahrhundert angekommen

Überwältigendes "Yes"-Votum: Irinnen haben bald ein Recht auf Abtreibung. Ohne ihren Mut und ihre Hartnäckigkeit wäre es nie zu einem Referendum in ihrem Land gekommen, meint Stephanie Pieper. Politiker und Bürger hätten die moralischen Fesseln gelöst, die ihnen die katholische Kirche lange angelegt habe.

Von Stephanie Pieper

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26. 5. 2018: Gegner des Abtreibungs-Verbot feiern das Ergebnis des Referendums in Irland  (AFP / Barry Cronin)
Viele Irinnen feiern das Ergebnis des Abtreibungs-Referendums in Irland (AFP / Barry Cronin)
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Der 25. Mai 2018 wird in die irische Geschichte eingehen – als der Tag, an dem das Land endgültig im 21. Jahrhundert angekommen ist. Dass auch Irinnen bald endlich ein Recht auf Abtreibung haben, haben die Irinnen selbst erkämpft – unterstützt von ihren Brüdern, Söhnen und Vätern. Den betroffenen Frauen ist dafür Respekt zu zollen. Sie haben das Tabu gebrochen, Stigma und Scham überwunden – und erstmals gegenüber Familie und Freunden, aber auch öffentlich über ihre Abtreibung gesprochen.

Ohne ihren Mut, ihre Hartnäckigkeit, ihre Offenheit wäre es vielleicht nie zu diesem Volksentscheid gekommen – und nie zu diesem überwältigenden "Yes"-Votum. Manche weinen nach ihrem Triumph – vor Freude, aber auch in Erinnerung an ihr Leiden.

Autoritätsverlust für die katholische Kirche

In der Abtreibungsfrage trauen sich die meisten Iren inzwischen, eine klare Haltung zu haben: den Frauen zu vertrauen, die für sie und ihr Leben richtige Entscheidung zu treffen. Dass sogar die ältere Generation – Männer wie Frauen, in der Stadt wie auf dem Land – in hoher Zahl für eine Lockerung gestimmt hat, manifestiert nicht zuletzt den Autoritätsverlust der skandalträchtigen katholischen Kirche als Institution. Sie hat sich zwar während der Kampagne wohlweislich im Hintergrund gehalten – doch das "No"-Lager erschien den allermeisten Wählern gleichwohl als zu unbarmherzig gegenüber dem Schicksal der Betroffenen.

Und nun? Die von der konservativen Fine Gael geführte Minderheitsregierung war gut beraten, ihren Entwurf für ein Abtreibungsgesetz nicht im stillen Kämmerlein zu schreiben – sondern eine Versammlung von 99 irischen Bürgern bereits vor dem Volksentscheid zu beauftragen, einen Vorschlag zu machen. Der sieht im Kern vor, Schwangerschaftsabbrüche bis zur zwölften Woche zu legalisieren.

Das "Yes" ist auch ein "Ja" zu genau dieser Neuregelung. Die größte Oppositionspartei Fianna Fail sollte nach dem überwältigenden Votum der Iren das Abtreibungsgesetz mittragen, auch wenn viele ihrer Abgeordneten das Verbot in der Verfassung eigentlich erhalten wollten.

Moralische Fesseln gelöst

Über Jahrzehnte hat die irische Gesellschaft all jene als "gefallene Frauen" erniedrigt, die unverheiratet ein Kind erwarteten. Das Land hat seine eigenen Bürgerinnen schändlich behandelt – und daran ist wesentlich die katholische Kirche schuld, mit der der irische Staat seit seiner Gründung in der Rebellion gegen das britische Empire eine unheilige Allianz eingegangen ist.

Gut ein Jahrhundert nach der Staatsgründung schaffen es Politiker und Bürger, sich aus den moralischen Fesseln zu lösen, die Bischöfe und Priester und Nonnen ihnen zu lange anlegen konnten. Besser spät als nie. Zu lange wollten zu viele nicht hinsehen, sondern wegsehen. Wenn Papst Franziskus in drei Monaten diese Inselrepublik besucht, dann wird er ein völlig anderes Irland vorfinden als noch sein Vorgänger Johannes Paul II. 1979.

Bis das neue Gesetz in Kraft trifft, bleiben Abtreibungen auf der grünen Insel verboten – auch dieser Tage werden also Irinnen nach Großbritannien fliegen, um eine Schwangerschaft zu beenden. Aus welchen Gründen auch immer sie sich, in einer persönlichen Krise, zu diesem Schritt entschieden haben: Sie verdienen unser Mitgefühl.

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