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StartseiteInformationen am AbendDie Flucht vor der Dürre31.01.2016

ÄthiopienDie Flucht vor der Dürre

Dass es trocken ist in Äthiopien, das kennen die Menschen. Aber eine Dürre von diesem Ausmaß haben sie noch nie erlebt. Das Problem: Die Hilfsbereitschaft ist gering, denn der Krieg in Syrien und die Flüchtlingskrise ziehen die Aufmerksamkeit ab.

Von Utz Dräger

Man sieht die Knochen von verendeten Tieren in Äthiopien. (AFP / Lea Lisa Westerhoff)
In Äthiopien herrscht die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. (AFP / Lea Lisa Westerhoff)
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Der Boden ist steinig, trocken und hart. Hier und da ein Busch, ein Baum, vertrocknetes Gras. Vieles von dem, was einmal grün und lebendig war, ist grau und tot oder existiert gar nicht mehr.

Der Wind weht den Sand auf um die Knochen einiger Tiere, die in der unnachgiebigen Sonne vor sich hin bleichen und Aufschluss darüber geben, dass es hier vielleicht einmal anders ausgesehen hat. Neben all dem: ein Zeltlager- Menschen!

"Ich hatte 200 Schafe und Ziegen, sieben Esel, acht Kamele und 15 Rinder, als die Dürre begann. Wir sind von Dorf zu Dorf durch die Wüste gezogen, drei Monate lang. Nun sind wir hier. Inzwischen sind alle meine Tiere gestorben, eines nach dem anderen. Geblieben sind zwei Esel – das ist alles."

"Ich habe noch nie so viele Binnenvertriebene gesehen"

Diese 29-jährige Mutter von fünf Kindern ist wie auch andere hier im Osten Äthiopiens in Ratlosigkeit und Not gestrandet. Über 7.000 Menschen hat es auf der Suche nach Wasser und Grün in diese entlegene Region getrieben. Normalerweise sind in dieser Gegend nahe der Grenze zu Somalia nur etwa 600 Einwohner zu Hause.
Der Verwaltungsleiter der Region heißt Dahir Omar Hosch. Die Zeltlager, die um den kleinen Ort und anderswo in der Gegend entstanden sind, besonders die Nöte der Menschen, die in ihnen leben, stellen ihn vor schier unlösbare Aufgaben.

"Diese Dürre ist die schlimmste, die ich je erlebt habe. Ich habe auch noch nie so viele Binnenvertriebene gesehen. Sie sind hierher gekommen, weil seit zwei Jahren der Regen bei ihnen ausgeblieben ist. Hier fielen immerhin ein paar Tropfen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass wir Binnenvertriebene bei uns haben. Es ist, als hätten wir zwei schwere Dürren zur gleichen Zeit."

500 Millionen Dollar wären sofort nötig

Seit Monaten schlagen Hilfsorganisationen Alarm. Äthiopien ist zwar Dürren gewohnt und hat mit unterschiedlichen Programmen entsprechende Vorsorge-Maßnahmen getroffen – aber die Ausmaße dieser Dürre lassen die Auffangwirkung der Vorsichtsmaßnahmen verpuffen. Die Dürre, die Wissenschaftler mit dem Wetterphänomen El Niño in Verbindung bringen, betrifft neben Äthiopien auch Nachbarländer mit punktuell ebenso drastischen Auswirkungen.

Allein in Äthiopien sind derzeit über zehn Millionen Menschen dringend auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Laut Welternährungsprogramm wären 500 Millionen Dollar Soforthilfe nötig, nur um bereits laufende, überlastete Hilfsprogramme weiter betreiben zu können und deren Zusammenbruch bis Ende April zu verhindern.

"Der Krieg in Syrien zieht viel Aufmerksamkeit"

Die Organisation "Save the Children" arbeitet in sechzig der am schlimmsten von der Dürre betroffenen Gebiete von Äthiopien. Die Mitarbeiter verteilen Wasser, Essen und Medikamente und unterstützen Familien, die ihre Lebensgrundlage verloren haben. John Graham, der Direktor von "Save the Children" in Äthiopien, ist ernsthaft besorgt.

"Ich bin seit 19 Jahren hier in dem Land und habe einige Dürren gesehen. Aktuell erleben wir die bei weitem geringste Hilfsbereitschaft der Internationalen Gemeinschaft, die ich je erlebt habe. Natürlich gibt es auch viele andere Krisen derzeit, der Krieg in Syrien und die Flüchtlingskrise - das zieht sehr viel Aufmerksamkeit. Diese Aufmerksamkeit fehlt uns hier, obwohl bei weitem nie so viele Menschen von einer Dürre in Äthiopien betroffen waren. Es sind viel mehr Betroffene als etwa 1984."

Im Jahr 1984 erlebte Äthiopien eine Hungerkatastrophe, die zum Teil durch einen bewaffneten Konflikt verschlimmert wurde. Während der Hungersnot starben in Äthiopien damals rund eine Million Menschen.

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