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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteInformationen am Morgen"Wenn wir kommen, wird aufgeräumt!"29.10.2015

AfD-Kundgebung in Erfurt"Wenn wir kommen, wird aufgeräumt!"

Die AfD hat erneut 4.000 Menschen in Erfurt mobilisiert, um gegen Deutschlands Flüchtlingspolitik zu demonstrieren. Die Rede ist wie jede Woche von "Volksverrätern" und "Lügenpresse" - und es gibt offene Drohungen gegen Andersdenkende.

Von Henry Bernhard

Demonstranten stehen am 28.10.2015 auf dem Domplatz in Erfurt (Thüringen) bei der Kundgebung der AfD Thüringen (dpa / picture-alliance / Michael Reichel)
Demonstranten stehen am 28.10.2015 auf dem Domplatz in Erfurt (Thüringen) bei der Kundgebung der AfD Thüringen (dpa / picture-alliance / Michael Reichel)
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Der Mittwoch hat sich in Erfurt als Tag der AfD-Demonstration etabliert wie der Montag für Pegida in Dresden. 4.000 Menschen waren gestern auf den Domplatz gekommen, um gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik zu demonstrieren, AfD-Anhänger, besorgte Bürger, auch Rechtsradikale. Wieder war der Dom in Dunkelheit gehüllt, da Bischof Neymeyr nicht wollte, dass - so wörtlich - "der Domberg als prächtige Kulisse für die AfD-Veranstaltung herhalten muss".

Zwischenrufer: "Bischof an seinen Eiern aufhängen"

Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke fühlte sich getroffen: "Unsere Multikulti-Ideologen frage ich in diesem Zusammenhang: Lieber Herr Bischof Neymeyr, glauben sie, dass ihre multikulturelle Gesellschaft die Kirchensteuergemeinschaft sein will, die ihre Institution nährt?"

Ein Zwischenrufer schlug unter Gelächter vor, den Bischof - wörtlich - "an seinen Eiern an der Kirchenglocke" aufzuhängen. Höcke und auch ein anderer Redner sprachen der katholischen Kirche rundweg das Recht ab, eine politische Meinung zu äußern. Höcke: "Herr Bischof, schauen Sie auf diesen Platz, es ist Ihr Volk ... Wir sind das Volk." (AfD-Anhänger skandieren: "Wir sind das Volk")

"Das wirkt eher wie Sportpalast"

Auf der anderen Seite des Domplatzes hatten sich etwa 2.000 Gegendemonstranten versammelt. Sehr viele junge Leute, Autonome, viele normale Bürger der Stadt und auch etwa 400 Christen, die vom ökumenischen Friedensgebet auf den Domplatz zogen. Unter ihnen auch Rüdiger Bender von der Martin-Niemöller-Stiftung. Gemeinsam mit Vertretern von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, der Feuerwehr und vielen anderen Institutionen hat er in den letzten Tagen das Bündnis für Mitmenschlichkeit und Toleranz in Thüringen gegründet.

Ihr Ziel ist "gelebte Kultur der Unantastbarkeit der Menschenwürde. Dass wir zeigen, die jetzt 'Wir sind das Volk' brüllen und auch so merkwürdig brüllen: Einer schreit es und die anderen wiederholen es. Das wirkt eher wie Sportpalast", sagt Bender. Eindeutig, ohne sie zu nennen, wendet sich das Bündnis gegen die AfD und ihre Demonstrationen.

AfD-Redner will mit "linken Gesinnungsterroristen aufräumen"

Dort traten gestern auch Gastredner aus Baden-Württemberg auf. Unter anderem die dortige stellvertretende Landesvorsitzende, Christina Baum: "Ihr seid die Avantgarde des deutschen Widerstandes gegen eine Merkel-geführte Regierung. Frau Merkel sind die Belange aller anderen Völker dieser Welt wichtiger als die Sorgen und Nöte ihres eigenen Volkes. Sie will Deutschland in ein multikulturelles Krisengebiet verwandeln."

Auch der Vorsitzende der Jungen Alternative, Markus Frohnmaier, sprach vor den 4.000 Demonstranten, von denen viele Deutschland-Fahnen und Transparente trugen. Frohnmaier geißelte die US-Nahostpolitik und forderte, Flüchtlingsunterkünfte nur dort zu bauen, wo viele Wähler der Grünen leben. Frohnmaier: "Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde" (AfD-Anhänger skandieren: "Wir sind das Volk")

Höcke: "Grenzen dicht - und zwar sofort"

Auch Björn Höcke, der Hauptredner, forderte Neuwahlen und Volksabstimmungen, da keine Regierung in Deutschland mehr das Volk vertrete. Den Zustrom der Flüchtlinge nach Europa verglich er mit einem Wasserrohrbruch. "Selbstverständlich würden wir als erstes das Wasser abstellen. Und das bedeutet im übertragenen Sinn: Grenzen dicht! Und zwar sofort!"

Die Reaktionen der auf dem Erfurter Domplatz Versammelten waren recht eindeutig: Politiker sind "Volksverräter", Grüne Pädophile, Namen wie Özdemir oder Fahimi werden besonders ausgebuht, Journalisten arbeiten für die "Lügenpresse". Wer nicht so denkt, gehört nicht zum "Volk".

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