• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteNachrichten vertieftTaliban erobern immer mehr Gebiete22.12.2015

AfghanistanTaliban erobern immer mehr Gebiete

Die Taliban sind in der südafghanischen Provinz Helmand weiter auf dem Vormarsch. Nur noch ein einziger Stützpunkt im Bezirk Sangin ist in den Händen der Armee und auch dieser ist von den Taliban umzingelt. Britische Soldaten sollen bei der Gegenoffensive helfen - die Angst vor einer Rückkehr der Taliban wächst.

Afghanische Sicherheitskräft im Kampf im südafghanischen Helmand (dpa / picture-alliance / Watan Yar)
Afghanische Sicherheitskräft im Kampf im südafghanischen Helmand (dpa / picture-alliance / Watan Yar)
Mehr zum Thema

Nach Abzug aus Afghanistan Deutschland drückt sich vor der Verantwortung

Bundeswehr in Afghanistan Keine Strategie, aber angemessen

Afghanistan Aufstockung statt Abzug

Afghanistan Keine Sicherheit, keine Perspektive

Grenzverluste Die Suche nach Heimat in Zeiten permanenter Migration

Im strategisch wichtigen Bezirk Sangin hätten sie fast alle Verwaltungsgebäude besetzt, nur noch ein Militärstützpunkt sei in den Händen der Regierung, aber ebenfalls von den Taliban umzingelt, sagte ein örtlicher Regierungsvertreter am Dienstag der Nachrichtenagentur AP. Die afghanische Regierung schickte Verstärkung in die Region, Großbritannien Militärberater. Die Sicherheit von Helmand habe höchste Priorität, sagte Regierungs-Geschäftsführer Abdullah Abdullah nach den Worten eines Sprechers. Auch für die Taliban ist das fruchtbare Helmand mit seinen vielen Mohnfeldern wichtig, denn mit aus Mohn produziertem Opium finanzieren sie ihren Aufstand. 

Taliban erstarken in mehreren Regionen

Der Bezirk Sangin ist seit langem eine Hochburg der Taliban und Schauplatz heftiger Kämpfe. Sollten die Taliban die Provinzhauptstadt Lashkar Gah einnehmen, hätten sie einen ähnlichen Propagandaerfolg wie bei der zwischenzeitlichen Eroberung des nordafghanischen Kundus im September. Die Aufständischen ermordeten damals viele Regierungsbeamte, bevor sie nach zwei Wochen von der Armee wieder vertrieben wurden. Die Einnahme der Stadt war der größte Erfolg für die Taliban seit ihrem Sturz im Herbst 2001.

In den vergangenen Monaten haben die Taliban den Abzug der internationalen Truppen genutzt, um immer mehr Land zurückzugewinnen. Im Sommer waren noch zwei von 14 Bezirken weitgehend in ihrer Hand, mittlerweile sind es fünf: Sangin, Bagran, Nausad, Waschir und Musa Kala. Die Taliban seien inzwischen wieder so stark wie zum Zeitpunkt ihres Sturzes 2001, sagte Nahost-Experte Michael Lüders im ZDF-Morgenmagazin: "Wenn sie wollten, könnten sie die Hauptstadt Kabul einnehmen." Die Erfolge der Taliban bringen den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani unter Druck. Der Vizegouverneur Helmands hatte per Facebook vor einem Fall seiner Provinz gewarnt, was zeigt, wie groß die Verzweifelung in ländlichen Gebieten gegenüber den Taliban sein muss.

Abzug internationaler Truppen genutzt

Das afghanische Innenministerium teilte am Dienstag mit, dass zehn britische Soldaten in Camp Schorabak eingetroffen seien, in dem früher unter dem Namen Camp Leatherneck auch US-Soldaten stationiert waren. Auch wenn es nur zehn Soldaten sind, ist die Symbolik groß, denn die Briten hatten einst in der südafghanischen Provinz ihre Kräfte abgezogen. Bis sie im September 2010 die Verantwortung an US-Streitkräfte übertrugen, waren 106 britische Soldaten in Sangin gestorben.

Das britische Verteidigungsministerium hatte am Vorabend erklärt, dass die Soldaten als Berater fungieren sollten. Großbritannien stellt derzeit 450 Soldaten für die Ausbildungs- und Beratermission der Nato in Afghanistan, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist. Die internationalen Kampftruppen waren Anfang des Jahres abgezogen worden. Seitdem waren die Taliban unter anderem mit ihrer Offensive in Kandahar zunehmend aktiv. Erst am Montag waren bei einem Selbstmordanschlag, zu dem sich die Gruppe bekannte, sechs US-Soldaten ums Leben gekommen. 

(nch/tj)

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk