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Seit 08:00 Uhr Nachrichten
StartseiteNachrichten vertieftZehntausende wollen weder Chlor-Hühnchen noch Hormon-Fleisch auf dem Teller18.01.2014

AgrarpolitikZehntausende wollen weder Chlor-Hühnchen noch Hormon-Fleisch auf dem Teller

Gesunde Nahrungsmittel sind ein Thema, das offenbar immer mehr Menschen unter den Nägeln brennt. In Berlin stieß jedenfalls eine Großdemonstration für nachhaltigere Landwirtschaft auf ein deutlich größeres Interesse als erwartet.

Demonstrationsteilnehmer marschieren mit einem Plakat mit der Aufschrift "Wen streicheln? Wen essen?". (dpa / Daniel Naupold)
"Nötig ist eine Landwirtschaft, in der bäuerliche Betriebe gefördert werden, nicht Massentierhaltung und Export." (dpa / Daniel Naupold)

Rund 30.000 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet haben bei einer Großdemonstration in Berlin für eine bessere Landwirtschaft protestiert. Sie forderten von der Bundesregierung einen Kurswechsel in der Agrarpolitik. Ein Bündnis aus nach Veranstalterangaben rund hundert Umwelt-, Verbraucherschutz- und Entwicklungsorganisationen sowie Bürgerinitiativen und Landwirtschaftsverbänden hatte zu dem Protest aufgerufen.

Angeführt wurde der Zug zum Bundeskanzleramt von 70 Traktoren. Unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt" forderten die Teilnehmer unter anderem Maßnahmen gegen den Hunger in der Welt, gegen den Einsatz von Gentechnik in der Nahrungsmittelproduktion sowie eine artgerechte Tierhaltung. Anlass der Großdemonstration war die weltweit größte Ernährungsmesse, die Internationale Grüne Woche in Berlin.

Bäuerliche Landwirtschaft gefordert

Konkret kritisiert wurde unter anderem ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU. Befürchtet wird, dass damit die europaweit geltenden Mindeststandards für Nahrungsmittel aufgeweicht werden könnten. "Chlorhühnchen, Hormonfleisch und Gentechnik auf dem Teller lehnen wir ab", erklärte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. Nötig sei eine Landwirtschaft, in der bäuerliche Betriebe gefördert werden statt Massentierhaltung und Export.Anlass der Proteste war die Ernährungsmesse "Internationale Grüne Woche" in Berlin. (dpa / Daniel Naupold)

Ein neues Denken in der Agrarpolitik forderte auch der Deutsche Tierschutzbund. Dessen Präsident, Thomas Schröder, erklärte: "Immer größere Bestände in immer intensiveren Haltungen mit immer mehr manipulierten Hochleistungstieren sind ein Irrweg." Carlo Petrini, Präsident von "Slow Food International" betonte: "Die bäuerliche Landwirtschaft ist nicht modernitätsfern, arm oder unterentwickelt. Es ist ein nachhaltiges landwirtschaftliches Modell, das natürliche und menschliche Ressourcen respektvoll nutzt und so soziale und Ernährungssicherheit weltweit garantiert."

Friedrich für engere Verzahnung von Agrar- und Ernährungspolitik

Unterdessen sprach sich Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) für eine engere Verzahnung von Agrar- und Ernährungspolitik aus. "Der Erhalt landwirtschaftlicher Vielfalt ist kein Luxus, sondern eine überlebenswichtige Notwendigkeit. Einmal verloren gegangene Pflanzensorten sind nicht wieder rückholbar.Deshalb müssen wir unsere genetischen Ressourcen weltweit dauerhaft erhalten und besser nutzbar machen", sagte Friedrich auf einem Agrarministergipfel. Mehr als 70 Agrarminister aus der ganzen Welt waren ebenfalls im Rahmen der Grünen Woche in Berlin zusammengekommen.

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