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StartseiteKommentare und Themen der WocheLieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende15.08.2017

Air-Berlin-PleiteLieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende

Der Staat springt mit einem 150-Millionen-Euro-Kredit ein, damit Tausende Passagiere von Air-Berlin nicht im Ausland hängen bleiben. Der Flugbetrieb soll so bis November weiterlaufen oder abgewickelt werden. Air-Berlin sei nicht mehr zu steuern, meint Thomas Weinert. Die Notlandung, die nun eingeleitet wurde, sei noch die beste aller Lösungen.

Von Thomas Weinert

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Ein Flugzeug der Fluggesellschaft "Air Berlin" startet am 26.09.2016 vom Flughafen Tegel in Berlin. (picture alliance / dpa - Jannis Mattar)
Es sei nicht nur das katastrophale Missmanagement der vielen Chefs gewesen, die sich an Air Berlin vergingen, so Thomas Weinert. (picture alliance / dpa - Jannis Mattar)
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Der Luftfahrtstandort Berlin hat es wirklich nicht gut. Das Drama um den Flughafen, der nicht fertig werden will, das politische Gezerre um der westberliner Lieblingskind Tegel und nun auch noch die Ad-hoc-Pleite von Air Berlin. Dass alle drei Themen nicht gut enden, damit rechnet man hier, aber dass es so schlimm wie beim BER würde, so irrwitzig wie beim Thema Tegel und so schnell wie heute bei Air Berlin, das ist dann doch überraschend. Erst in der vergangenen Woche hatte der oberste Tourismusmanager der Hauptstadt betont, wie schwer diese drei Faktoren die Hauptstadt belasten, die wirtschaftlich stark vom internationalen Tourismus abhängt, sprich: von einem funktionierenden Luftverkehr.

150 Millionen Euro Kredit der KfW

Nun musste also der Staat einspringen, um zu verhindern, dass Tausende Passagiere von Air Berlin im Ausland hängen bleiben, mitten in den Sommerferien. 150 Millionen Euro Kredit der KfW, abgesichert mit einer Bürgschaft des Bundes. Das dürfte es jetzt gewesen sein. Der Flugbetrieb soll so bis November weiterlaufen, oder besser: abgewickelt werden. Wenn Alles gut läuft hat die Lufthansa dann das Sagen, vor allem zum Wohle der Mitarbeiter, die zu Tausenden schon heute mehr oder weniger im Auftrag der Billigtochter Eurowings ihr Geld verdienen.

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Air Berlin ist nicht mehr zu steuern, der Strudel, in den die Gesellschaft geraten ist, weil immer mehr schlechte Nachrichten rote Zahlen brachten und die roten Zahlen wieder schlechte Nachrichten, aus diesem Strudel heraus ist die Notlandung, die heute eingeleitet wurde, noch die beste aller Lösungen.

Denn es war nicht nur das katastrophale Missmanagement der vielen Chefs, die sich an Air Berlin vergingen, es war zum Schluss auch noch das grausame Schicksal, sich mit einer Schutzmacht einlassen zu müssen, die selber vollkommen die Orientierung verloren hat. Etihad Airways, eine Art Spielzeug für reiche Ölscheichs, hatte in den letzten Jahren Alles aufgekauft und an die Wand geflogen, was nicht rechtzeitig schon früher Pleite war – zuletzt das wohl krankeste Kind der Branche, Alitalia. Es wäre in der Tat nachvollziehbar, wenn die Marke Air Berlin tatsächlich verschwindet. Zu schlecht waren die Nachrichten, die man mit diesem Namen verbindet.

Berliner Luftfahrtwirtschaft: eine Art kollektiver Blindflug

Und so könnte auch die Flughafengesellschaft in Berlin vergessen, dass sie nicht nur die Themen BER und Tegel angerichtet hat, sondern auch noch die Pleite von Air Berlin mit verursachte. Denn ohne einen funktionierenden Heimatflughafen ist es schwer, sich erfolgreich in der Luft zu halten. Und im Verdrängen hatten sich die Berliner Flughafenmanager schon früh geübt: Jahrelang kam das Szenario einer Air Berlin-Pleite in den Risikoberichten des Controllings überhaupt nicht vor. Beziehungsweise durfte nicht vorkommen. Die Berliner Luftfahrtwirtschaft: eine Art kollektiver Blindflug.

Thomas Weinert (Deutschlandradio / Bettina Straub)Thomas Weinert (Deutschlandradio / Bettina Straub)Thomas Weinert, Jahrgang 1960, geboren in Hamburg. Studium Kommunikationswissenschaft in München, Volontariat bei SAT1/Telebörse in Frankfurt am Main. Seit 1990 Redakteur in der Wirtschaftsredaktion des Deutschlandfunk, von 2008 bis 2016 Ressortleiter Programmcontrolling, seit 2016 Korrespondent für das Land Berlin.

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