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StartseiteWirtschaft und GesellschaftKahlschlag unter neuem Namen 28.01.2014

AirbusKahlschlag unter neuem Namen

Aus EADS ist die Airbus Group geworden – und nicht nur einen neuen Namen hat der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern bekommen, sondern auch eine neue Struktur. Die kostet Arbeitsplätze: 2.600 Stellen sollen allein in Deutschland gestrichen werden. Betriebsbedingte Kündigungen will Airbus dabei nicht ausschließen.

Von Thomas Wagner

Auf einer Demonstration hält ein Mann ein rotes Schild in Flugzeugform mit der Aufschrift Airbus. (Markus Scholz / picture alliance / dpa)
Airbus-Mitarbeiter protestieren in Hamburg gegen Kürzungspläne der Konzernleitung. (Markus Scholz / picture alliance / dpa)
Weiterführende Information

"Airbus hat die Lufthoheit" (Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 13.01.2014)

Airbus knackt Boeing-Festung Japan (Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 07.10.2013)

Thomas Pretzl, Betriebsratschef am Airbus-Standort Manching in Oberbayern:

"Die Stimmung ist natürlich extrem geladen. Es hat damit keiner gerechnet. Auch für uns als Betriebsräte kam so ein hoher Stellenabbau völlig überraschend. 1010, das ist ein Viertel der Belegschaft."

Christian Birkhofer, Betriebsratschef am Airbus-Standort Friedrichshafen am Bodensee:

"Die Stimmung ist relativ schlecht. Die Leute sind in großer Unsicherheit. Sie wissen nicht, inwiefern sie betroffen sind von diesen Abbauplänen. Insofern ist die Stimmung sehr schlecht."

Während am Standort Manching der Airbus-Group, früher EADS, mit 1100 Stellen wegfallen sollen, das entspricht in etwa einem Viertel der Gesamtbelegschaft, plant der Konzern am Standort Friedrichshafen die Streichung von 330 Jobs. Dort wird Raumfahrt- und Verteidigungstechnologe hergestellt, während in Manching die Eurofighter-Produktion angesiedelt ist, die aber 2017 eingestellt werden soll. Ob Manching, Friedrichshafen, Ulm, Oberschleißheim oder Ottobrunn bei München: In ganz Süddeutschland will die Airbus-Group über 2000 Stellen streichen; seinen Standort Oberschleißheim will der Konzern sogar ganz dicht machen. Der Großteil der Stellenstreichungen, verspricht die Unternehmensleitung, soll dadurch erreicht werden, dass altershalber ausscheidende Mitarbeiter nicht mehr ersetzt und Zeitverträge nicht verlängert werden. Darüber hinaus werde es wohl auch zu Kündigungen kommen. Dagegen allerdings wollen sich die Betriebsräte an allen Standorten so gut es geht zur Wehr setzen, verspricht Christian Birkhofer, Betriebsratsvorsitzender am Standort Friedrichshafen:

"Die Betriebsräte an allen Standorten fordern die Rücknahme der Androhung von betriebsbedingten Kündigungen, indem man versucht, die Programme sozial verträglich durchzuführen. Das machen wir im Rahmen des europäischen Betriebsrates und der Konzernbetriebsräte. Wir sind da auch sehr abgestimmt mit den Kollegen in Frankreich, England und Spanien."

Allerdings leiden die deutschen Standorte am heftigsten unter den angekündigten Stellenstreichungen: Von den 5.800 Jobs, die in dem multinational organisierten Konzern wegfallen werden, entfällt knapp die Hälfte alleine auf die deutschen Standorte. Betriebsrat Christian Birkhofer hat dafür auch eine Erklärung:

"Uns wurde das erklärt, dass das Hauptgeschäft, das wegbricht, in Deutschland liegt, im Verteidigungsbereich und aus diesem Grund die Gewichtung nach Deutschland hingeht."

Deshalb richtet sich die Kritik der Betriebsräte nicht nur auf die Konzernführung der aus dem EADS-Konzern hervorgegangenen Airbus-Group, sondern auch an die Bundesregierung. Die habe die Aufträge in Sachen Militärtechnologie drastisch reduziert und damit zur aktuellen Job-Krise mit beigetragen. An den betroffenen Standorten selbst herrscht unterdessen große Unsicherheit. In Manching, wo gleich 1.100 Jobs wegfallen sollen, fühlen viele Bürgerinnen und Bürger mit den Betroffenen:

"Ein Viertel von 4000, also 1000 Arbeitsplätzen: Wenn man bedenkt, da hängen jetzt Familien mit zwei bis vier Personen – da ist das schon heftig."

"Man muss es nehmen wie’s kommt. Da kann man nichts machen."

Da schimmert ein Hauch von Ohnmacht durch. Manchings Bürgermeister Herbert Nerb indes hofft darauf, dass der Stellenabbau doch nicht so drastisch ausfallen wird wie angekündigt.

"Die letzten 30, 40 Jahre hat es immer wieder so Aufs und Abs gegeben. Und immer wieder waren die Drohgebärden wesentlich stärker, als es dann ausgegangen ist. Und da hoffe ich, dass es wieder so ist und für Manching, dass wir doch mit einem blauen Auge davonkommen."

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