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StartseiteCampus & KarriereAkademische Drehscheibe24.11.2009

Akademische Drehscheibe

Erste Adresse für Osteuropa: das Collegium Polonicum

Das Collegium Polonicum in Slubice wirkt zwar wie die kleine Schwester der 500 Jahre alten Europa-Universität Viadrina auf dem anderen Oderufer in Frankfurt. Dennoch läuft sie ihr gerade den Rang als Tor zum Westen ab.

Von Katrin Lechler

Blick auf das Collegium Polonicum in Slubice (Heide Fest)
Blick auf das Collegium Polonicum in Slubice (Heide Fest)

Festliche Stimmung in der Aula des Collegium Polonicum, auf der Bühne eine schwere Blumenvase mit roten Rosen und weißen Margeriten, an der Wand ein Spruchband mit dem Motto des Studiengangs: "Go east - Go west". Die Stimmung unter den frischgebackenen Absolventen ist gelöst:

"Ich werde jetzt neue Pläne machen, weil ich jetzt viel freie Zeit habe. Und ich will unbedingt mit meinen Freunden feiern."

Für die Abschlusszeremonie ist Alexej Szupliakov, 28, extra aus Weißrussland angereist. Sein Blick wandert häufig zur Uhr, und dann zum Handy und wieder zurück. Dass er neben seinem zweijährigen Studium weiter als Manager einer großen Firma in Russland arbeiten konnte, hat ihm die Entscheidung für die polnische Kleinstadt Slubice leicht gemacht. Doch vor allem gefällt ihm die bunte Mischung von hoch motivierten Kommilitonen aus ganz Europa.

"Der besondere Schwerpunkt liegt auf interkulturellen Studien - auch bei unserem wirtschaftswissenschaftlichen Studium. Es ist interessant, Leute aus Rumänien, Tschechien, aus West- und Ostdeutschland kennen zu lernen und zu sehen, wo sie ähnlich sind und wie sie sich unterscheiden."

So wie Alexej kommen viele junge Osteuropäer an die Oder. 16 Studiengänge stehen zur Auswahl, darunter sowohl naturwissenschaftliche wie Umweltschutz als auch geisteswissenschaftliche wie Politologie. Dabei sind Studentenheim, Lebensmittel und Kneipenbesuche bezahlbar für Osteuropäer. Und auch der Weg über die Oder nach Frankfurt oder ins 100 Kilometer entfernte Berlin ist nicht weit. Eine sehr gute Lage, lobt der 35-jährige Martin Chrt aus Tschechien, ebenfalls Manager:

"Was gut war, ist, dass dieses Studium mit der Praxis verbunden wurde.
Weil wir Ausflüge nach Polen und Deutschland hatten, haben wir verschiedene Firmen gesehen und mit dem Topmanagement gesprochen. Man kann wirklich die Informationen ausnutzen, um etwas im Job zu machen."

Schließlich sind die meisten MBA-Absolventen in höheren Positionen beschäftigt und bereits in der Welt herumgekommen. Für die jüngeren dagegen ist Slubice das Tor zum Westen. Studenten aus Weißrussland, Ukraine und auch Kasachstan dürfen in Polen arbeiten. Meistens können sie auch leichter in die anderen Länder der Europäischen Union einreisen, so wie der 20-jährige Dzmiley Wasilkow aus Weißrussland:

"Ich wollte nach Europa fahren, um die Welt zu sehen. Deshalb habe ich mich entschieden, nach Polen zu gehen. Meine Schwester lebt in Spanien und jetzt kann ich sie treffen".

Reisefreiheit - das war auch für Ewa Bielewicz-Polakowska, heute Sprecherin am Collegium Polonicum ein Grund, sich in den 90er-Jahren an der Europa-Universität Viadrina einzuschreiben:

"Polen war nicht in der Europäischen Union und eigentlich ohne schwierige Formalitäten und auch Geldaufwand konnte ich woanders nicht studieren."

Frankfurt an der Oder und seine Universität war für junge Polen die erste Station in Deutschland. Inzwischen ist das anders: Stammte in den 90er-Jahren noch jeder dritte Student aus Polen, so ist es heute nur noch jeder Siebte. Eine Folge der EU-Erweiterung sagt Janine Nuyken, Vizepräsidentin der Europa-Universität Viadrina:

"Damit haben sich die Möglichkeiten der polnischen Studierenden drastisch erweitert: Vor allem auch im englischsprachigen Ausland zu studieren. Polen bleibt ein starker Fokus, aber nicht nur. Da geht es eben gerade auch um Weißrussland, Ukraine und andere östliche Länder. Da kann eigentlich die Lehre nur sein: Wir müssen die Kooperation mit dem CP noch enger machen und da müssen wir einfach noch ein bisschen weiter gehen. Und müssen auch die Attraktivität der Viadrina für Osteuropäer stärken. Da hängt immer ganz viel Arbeit dran, weil viele osteuropäische Staaten ja nicht direkt zum Studium zugelassen sind. Sondern die müssen erst ein Jahr Vorbereitung machen an einem Studienkolleg, das es bald nicht mehr geben wird in Brandenburg und wo wir uns gerade ein Alternativprogramm überlegen. Aber die Orientierung ist ganz klar: Mittelosteuropa und weiter im Osten, aber auch im Westen."

Infos:

- Collegium Polonicum
- Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

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