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"Aktenzeichen XY... ungelöst"50 Jahre Fernsehfahndung vom Sofa

Eduard Zimmermann, Autor, Moderator und Produzent der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" 1986 im Fernsehstudio. (dpa)
Eduard Zimmermann, Autor, Moderator und Produzent der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" 1986 im Fernsehstudio. (dpa)

Vor 50 Jahren lief im ZDF erstmals die Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" über die bundesdeutschen Mattscheiben. Seitdem ganz vorne bei der Fahndung dabei: Fernsehzuschauer, die der Polizei helfen, unbekannte Opfer zu identifizieren, flüchtige Täter aufzuspüren und aussichtslos erscheinende Fälle aufzuklären.

Seit der Erstausstrahlung am 20. Oktober 1967 gehört die Sendung zur polizeilichen Öffentlichkeitsfahndung in Deutschland. Von insgesamt rund 4.500 Fällen hat die Sendung in 50 Jahren mitgeholfen, rund 2.300 Täter zu fassen. Die hohe Aufklärungsquote von etwa 40 Prozent habe die Sendung vor allem ihren Zuschauern zu verdanken, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut: "Viele Zuschauer führen zu vielen Hinweisen, viele Hinweise zu vielen Fahndungserfolgen." Vor 50 Jahren sei die Sendung eine "Weltneuheit" gewesen, die die Verfolgung von Straftaten revolutionierte, würdigte auch Bundesinnenminister de Mazière anlässlich des Jubiläums.

Geprägt wurde die Sendung vor allem von einem Mann mit großer Brille und zurückgekämmten schwarzen Haaren. Eduard Zimmermann hat "Aktenzeichen XY... ungelöst" erfunden, produziert und 30 Jahre lang moderiert. Zur 100. von inzwischen mehr als 500 Sendungen erhielt Eduard Zimmermann das Bundesverdienstkreuz.

In den 70er-Jahren erfuhr die Idee, das Fernsehen zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen, heftige Kritik: Gegner sahen in der ZDF-Sendung ein Instrument des Polizeistaates und warfen Zimmermann Denunziantentum vor. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" schrieb damals, die Treibjagd mit moralischem Alibi sei eröffnet, Heinrich Böll nannte die Sendung ein "muffiges Grusical für Spießer".

Heute läuft "Aktenzeichen XY... ungelöst" unter dem Label "Reality-TV" und zeigt kurze Filme, in denen Laiendarsteller die Verbrechen nachstellen. Außer einem neuen Sendestudio, einer längeren Sendezeit und Sondersendungen hat sich seit der Erstausstrahlung nicht viel geändert. Im Münchener Studio spricht Moderator Rudi Cerne live mit den Kriminalbeamten über Details zum Täter oder der Tatwaffe und appelliert nach wie vor an die Zuschauer, sich mit Hinweisen unter der eingeblendeten Telefonnummer zu melden.