Dienstag, 12.12.2017
StartseiteInformationen am MorgenGegen Plastikmüll im Meer01.06.2017

Aktionsplan der G-20-LänderGegen Plastikmüll im Meer

Jede Minute die Ladung eines Müllwagens: So viel Plastikmüll landet weltweit in den Ozeanen. Doch schon im Jahr 2050 wird es viermal so viel sein. Auf dem G20-Gipfel im Sommer in Hamburg will die Bundesregierung einen Aktionsplan verabschieden, um das Problem anzugehen. Über Lösungen beraten Politiker und Fachleute gerade in Bremen.

Von Almuth Knigge

Auf dem Foto ist der Strand der unbewohnten Henderson-Insel zu sehen - verschmutzt durch angeschwemmten Plastikmüll. (dpa/picture alliance/ Jennifer Lavers)
Auf dem Foto ist der Strand der unbewohnten Henderson-Insel im Südost-Pazifik zu sehen - verschmutzt durch angeschwemmten Plastikmüll. (dpa/picture alliance/ Jennifer Lavers)
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Das Ziel, das Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, an diesem Morgen den Teilnehmern der G20-High-Level-Konferenz mit auf den Weg gibt, ist ehrgeizig.

Die Nacht zuvor hatten die Teilnehmer begonnen, Zeile für Zeile den Text des Aktionsplans zur Vermeidung von Plastikmüll zu diskutieren und um Formulierungen zu ringen. Im Juli soll er bei der G20-Konferenz in Hamburg ratifiziert werden. Neben den Vertretern der G20-Staaten sind auch Weltbank, FAO, UNEP, das Umweltprogramm, und NGOs dabei. Unter Ihnen, Sandra Schöttner, Meeresschutz-Expertin von Greenpeace. Alle haben die Möglichkeit, ihre Vorstellung in den Text zumindest einzubringen.

"Also es wird hier sehr stark diskutiert, dass Abfallwirtschaftsmanagementsysteme verbessert werden müssen, dass Recycling verbessert werden muss und dergleichen. Es wird aber ungern angesetzt schon an letztendlich ganz am Anfang, dass man überhaupt versucht, Plastik erst gar nicht als Müll entstehen zu lassen."

Nicht nur besseres Recycling

Prävention also, das genau ist die Vorstellung von Greenpeace, anderer Umweltorganisationen und eigentlich auch die des Staatssekretärs. So zumindest kann man verstehen, was er den Teilnehmern für die Diskussion mit auf den Weg gegeben hat.

"Dabei muss es unser Ziel sein, Weichen bereits ganz am Anfang zu stellen. Das heißt an der Quelle und nicht erst in den Meeren."

"Das hat, ziemlich überraschend, doch Eingang gefunden, es wurde extra eine eigene Sektion auch eingerichtet, ein eigener Aktionspunkt zu diesem Thema", sagt Sandra Schöttner, "bevor man überhaupt zum Abfallmanagement kommt, spricht man erstmal über die Vermeidung".

213 Kilogramm Verpackungsmüll pro Jahr pro Kopf

In Deutschland, so hat zum Beispiel die Deutsch Umwelthilfe errechnet, verursacht jeder Einzelne 213 Kilogramm Verpackungsmüll pro Jahr. Alle anderen Europäer werfen deutlich weniger Plastik weg. Bei der Vermeidung setzt Deutschland in erster Linie auf freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie. Den Weg über stärkere Gesetzgebung will auch Heike Imhoff, zuständige Referatsleiterin im Ministerium nicht gehen.

"Umsetzung hat viele Facetten oder kann viele Facetten haben, und bekanntermaßen ist Rechtssetzung das Ultima-Ratio-Instrument, von dem man sich gemeinhin am meisten Druck und am meisten Erfolg verspricht. Ich sehe das nicht unbedingt so, weil das auch den einen oder anderen verschrecken kann."

Schöttner: "Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden, würden wir nicht beobachten, dass diese freiwilligen Vereinbarungen, mal abgesehen davon, dass sie jederzeit rückgängig zu machen sind, zu viele Schlupflöcher bieten."

Hersteller in der Pflicht

Die Franzosen, sagt die Greenpeace-Expertin, sind da mit ihrem Verbot von Plastikpartikeln in Kosmetik sehr viel progressiver. Auch auf klare Reduktionsziele kann man sich in Bremen nicht einigen. Immerhin sind ein paar Ideen im Raum – das Verursacherprinzip zum Beispiel. Wie können Hersteller in die Pflicht genommen werden. Heike Imhoff zeigt sich gemäßigt zuversichtlich: "Tendenz, wenn ich einen Pfeil zeichnen sollte, dann würde der nach oben zeigen."

Aber, sagt Sandra Schöttner, viel mehr als eine Absichtserklärung ist es nicht, das Papier. Und: "Wir haben schon den Eindruck, dass sich die einzelnen Mitgliedsstaaten dann selber noch aussuchen, was sie tatsächlich davon umsetzen und was nicht".

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