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19. Juni 2018Die Wirtschaftspresseschau

Die Festnahme von Audi-Chef Stadler wegen Verdunklungsgefahr ist natürlich auch in den Kommentaren DAS Thema.

Auch in den Wirtschaftskommentaren ist die Verhaftung von Audi-Chef Stadler das große Thema. (picture alliance  / dpa / Armin Weigel)
Auch in den Wirtschaftskommentaren ist die Verhaftung von Audi-Chef Stadler das große Thema. (picture alliance / dpa / Armin Weigel)

Die BÖRSEN-ZEITUNG spricht von einem "einmaligen Vorgang in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte":

"In der Bundesrepublik wurde bisher noch nie der Vorstandschef einer großen, börsennotierten Publikumsgesellschaft aus dem Amt heraus in Haft genommen. Im Fall Stadler haben die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch es versäumt, einen geordneten Übergang an der Spitze von Audi zu bewerkstelligen. Dafür wäre genug Zeit gewesen. Den Schaden trägt nun die Premiummarke Audi, die auch aufgrund der Betrugsaffäre gegenüber den Wettbewerbern BMW und Daimler ins Hintertreffen geraten ist."

"Es gibt zwei Möglichkeiten, die Verhaftung Stadlers zu betrachten", meint die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

"Man kann es mit einiger Erleichterung tun. Die Aufarbeitung der Abgasaffäre und ihrer Folgen zieht sich schon fast drei Jahre hin, nun kommt in diesen quälenden, zähen Prozess endlich ein wenig Bewegung. Das ist gut. Es gibt aber auch noch eine zweite Variante, auf diese Verhaftung zu blicken: Man kann sich fragen, was sie aussagt über den Zustand der deutschen Autoindustrie. Und dann wird die Sache bitter."

Und die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG betont:

"Dass die Ermittler auch die Chefs in den Fokus nehmen, war überfällig. Natürlich gilt für Stadler die Unschuldsvermutung. Dennoch fragt man sich: Warum dauerte das so lange? Audi wird als Brutstätte des Betrugs gehandelt. Wer Zeugen einnorden, wer Spuren verwischen wollte, hatte dazu vermutlich längst Zeit. Nun erhöhen die Ermittler offenbar den Druck. Gut so. Druck scheint das Einzige zu sein, das Bewegung in die zähe Aufklärung bringt."

Zum Schluss kurz zu einem anderen Thema. Außer dem britischen Luftfahrtkonzern IAG und Ryanair scheint auch die Lufthansa Interesse an einer Übernahme des angeschlagenen Billigfliegers Norwegian zu haben. Dazu heißt es in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG:

"Der Zeitpunkt kommt für die Lufthansa ungelegen. Doch einen Kauf von Norwegian kann der große deutsche Luftfahrtkonzern nicht von vornherein ausschließen. Europas Luftfahrt steht vor einer Neuordnung. An deren Ende wird es weniger, aber größere Gesellschaften geben. Und wenn die Lufthansa eine gestaltende Kraft sein will, darf sie nicht bloß zusehen, wenn ein Konkurrent mit mehr als 160 Flugzeugen Gebote einsammelt. Wer zu lange zögert, wird in dieser Phase schnell zum Verlierer."