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StartseiteVerbrauchertippViele Mängel, wenig Schutz30.10.2017

Alarmanlagen zum SelbsteinbauViele Mängel, wenig Schutz

Eine Alarmanlage vom Profi für Haus oder Wohnung kostet inklusive Einbau rund 5.000 Euro. Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen auf Alternativen aus dem Baumarkt zurückgreifen. Experten warnen allerdings: Solche Alarmanlagen sind zwar preiswert, haben aber mitunter gravierende Mängel.

Von Dieter Nürnberger

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Ein Einbrecher macht sich an einer Tür zu schaffen. ((c) dpa)
Oft nutzen Einbrecher heute auch digitale Tricks, um Amarmanlagen auszuhebeln. ((c) dpa)
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Spätestens bei diesem Geräusch werden die meisten Einbrecher schnellstens das Weite suchen. Tatsächlich zeigt die Polizeistatistik, dass im vergangenen Jahr fast 45 Prozent der Einbruchsversuche in Deutschland erfolglos waren. Voraussetzung dafür ist allerdings ein effektiver Einbruchschutz. Hier locken inzwischen viele Baumärkte mit günstigen Alarmanlagen zum Selbsteinbau. Und die Preise sind tatsächlich viel günstiger als Sicherheitssysteme, die von Fachfirmen installiert werden, sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest.

"Für die Testanlagen haben wir ein Einfamilienhaus zugrunde gelegt. Und haben entsprechend Bewegungsmelder und Kameras gekauft. Die Preise bewegen sich zwischen rund 400 und 1.200 Euro. Für eine echte Profianlage, die noch viel mehr kann, muss man wahrscheinlich mit etwa 5.000 Euro und mehr rechnen."

Das Alarmanlagen-Paket besteht in der Regel aus einem zentralen Bedienpanel, mehreren Bewegungs- und Öffnungsmeldern sowie einer Kamera und einer Außensirene. Alternativ ist auch ein stiller Alarm vorhanden, hier warnt eine App auf dem Smartphone den Besitzer.

Insgesamt haben die Tester vier Do-it-yourself-Alarmanlagen untersucht, keine davon wurde mit "gut" bewertet. Immerhin ließen sich alle Testanlagen recht einfach einbauen, in Betrieb nehmen und bedienen. Doch die Sicherheitslücken waren gravierend. Etwa dann, wenn sich eine Anlage scharf stellen lässt, obwohl ein zu sicherndes Fenster noch geöffnet ist.

"Beim schlechtesten Modell im Test – Olympia -- da war es ganz einfach möglich, Bewegungsmelder und Außensirene zu stehlen, ohne dass irgendetwas passierte."

Langfinger nutzen nicht immer brachiale Gewalt

Übrigens setzten längst nicht alle Täter bei einem Einbruch einzig auf brachiale Gewalt. Viele nutzen auch gekonnt die digitalen Sicherheitslücken der Alarmanlagen aus – beispielsweise eine unzureichende Verschlüsselung. Warentester Falk Murko:

"Bei einem Gerät können sich die Hacker tatsächlich in das Gerät einschleichen. Weil die Daten schlecht gesichert sind. Im schlimmsten Fall können sie das Passwort erreichen und dann die Sache sogar umdrehen: Etwa, indem sie sozusagen die Besitzer des Eigenheims durch die Kamera beobachten. Das sollte natürlich nicht sein."

Deshalb wurde die Alarmanlage von "Lupus Electronics" auch mit "mangelhaft" bewertet, obwohl sie eigentlich die beste Alarmfunktion im Testfeld geboten hatte. Sie ist allerdings -  wenn überhaupt  - nur für den "offline"-Betrieb brauchbar.

Einen echten Sieger gab es nicht

Vorn in der Untersuchung lag die "Smartvest Funk-Alarmanlage" von Abus für knapp 900 Euro. Doch selbst die können die Warentester nur eingeschränkt empfehlen, warnt Falk Murko.   

"Die Alarmanlage arbeitet insgesamt gut. Sie hat aber einen entscheidenden Mangel. Die Zentrale ist nicht vor Sabotage geschützt. Wenn es Dieben und Einbrechern gelingt, in das Haus einzudringen, können sie die Zentrale relativ leicht außer Gefecht setzen - indem sie die Batterien entnehmen. Wir geben als Tipp: Man sollte die Zentrale zum einen gut verstecken und zum anderen durch einen Bewegungsmelder zusätzlich sichern. So dass die Besitzer des Hauses frühzeitig gewarnt werden, wenn sich jemand dem nähert."

Und noch eine Empfehlung: Wer den Einbau einer Alarmanlage überlegt, sollte auf das Wissen von unabhängigen Fachleuten nicht verzichten. Auf der Internetseite polizei-beratung.de finden sich wertvolle Praxistipps für den privaten Einbruchschutz.

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