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StartseiteDeutschland heuteDas Ende der Puste-Röhrchen11.02.2016

AlkoholtestsDas Ende der Puste-Röhrchen

Wer schon einmal im Straßenverkehr zum Alkoholtest gebeten wurde, kennt den Satz: Einmal kräftig pusten bitte. Heute müssen Autofahrer in ein digitales Messgerät blasen. Der Vorgänger wurde bis gestern in Lübeck produziert. Am Mittag lief das letzte Röhrchen vom Band.

Von Hauke von Hallern

Produktmanager Jürgen Sohege (l) und Projektmanager Mirco Spitzbarth demonstrieren in Lübeck die von der Firma Dräger hergestellten mobilen Testgeräte der ersten Generation (l) und ein aktuelles Modell (r). (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)
Mobile Alkohol-Testgeräte der ersten Generation und der aktuellen. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

"Ja, dann starten wir die letzte Runde mit dem Automatik-Knopf. Und die Röhrchen fangen an, von der Maschine auf das Ausgabeförderband zu laufen." Ein letztes Mal startet Dräger Mitarbeiter Hauke Giertz die Maschine. Fingerlange Glasröhrchen laufen durch ein Fertigungs-Karussell: "Dann wird das Präparat, womit nachher der Alkoholgehalt gemessen werden kann, eingebracht."

Die Röhrchen werden mit Schwefelsäure und einer körnigen gelben Chemikalie befüllt: Kaliumdichromat. Kommt der Stoff mit Alkohol in Kontakt, verfärbt er sich grün. Die Erfindung - im wahrsten Sinne eine Schnapsidee, sagt Firmen-Sprecher Herbert Glass: "Die Geschichte dazu ist folgende, dass Anfang der 50er-Jahre eine Betriebsfeier stattgefunden hat im Labor und am nächsten Tag die Kollegen untereinander so ein bisschen wetteiferten, wer von ihnen wohl den alkoholgeschwängertsten Atem hätte und daraus ist dann die Idee entstanden, diese Alkoholtest-Röhrchen zu entwickeln, die dann 1953 in den Markt eingeführt wurden."

Und dann hieß es: Einmal kräftig pusten bitte. Bis in die 90er-Jahre hinein überführte die deutsche Polizei so betrunkene Autofahrer. 

"Nun werde ich mal kontrollieren, ob die Röhrchen auch ordentlich geworden sind, dafür entnehme ich die Röhrchen hier aus dem Ausgabemagazin und begutachte diese, ob Glasbruch aufgetreten ist, das Präparat ausreichend vorhanden ist, ob alle vorgegebenen Komponenten im Röhrchen enthalten sind, das vergleiche ich hier mit meiner Fertigungszeichnung, die immer direkt an meinem Prüfplatz liegt."

Die Handgriffe sind routiniert, Giertz hat schon viele Chargen gefertigt. Bei der letzten Produktion kommt Wehmut auf: Teamleiter Andreas Müller: "Es ist ein Prestigeprodukt von Dräger gewesen und das ist so ein bisschen Wehmut, es ist ja das bekannteste Röhrchen von uns, was wir haben."

Bestellungen gingen deutlich zurück

Nachgefragt wurden die Röhrchen in den vergangenen Jahren zwar nicht mehr in Deutschland, aber in den vergangenen Jahren hauptsächlich im Ausland, sagt Firmen Sprecher Herbert Glass. "Die letzten Kunden, die das in größerem Maße gekauft haben, waren unter anderem Behörden in Sri Lanka, allerdings haben wir auch da in den letzten Jahren einen deutlichen Rückgang der Bestellungen festgestellt, so dass wir uns diese letzte Charge ins Lager legen und abwarten, wer sie denn kauft."

Die neueren Geräte arbeiten nicht mehr mit Chemikalien, sondern mit modernen Mess-Sensoren, sagt Glass. "Und dieser Sensor misst dann sehr spezifisch die Atem-Alkohol-Konzentration, ist auch unempfindlich gegen andere Stoffe beispielsweise, so dass ich dann hinterher ein deutlich präziseres Messergebnis habe, als das bei den Röhrchen beispielsweise der Fall war."

Der neue Alcotest ist in etwa so groß wie ein dickeres Smartphone: Ein schwarzes Gerät mit Digitalanzeige und drei Knöpfen. Einfach zu bedienen, sagt Carola Aßmann von der Lübecker Polizei. Sie führt den Alkoholtester vor: "Das Mundstück ist in einer Tüte, in einer Einmalverpackung, das wird da einmal rausgenommen und dann auf das Gerät aufgesteckt. Das hat jetzt einmal Klack gemacht. Dann wird das Gerät gestartet, dazu drückt man einfach nur einen Knopf." Und dann heißt es wie bei dem alten Gerät auch wieder: "Pusten Sie bitte, bis ich stopp sage – weiter, weiter, weiter – stopp."

Neue Geräte messen genauer

Nach dem Pusten zeigt das Display den Messwert. "Zwei Stellen hinterm Komma werden angezeigt. Das ist schon recht genau und trifft auch in der Regel den Wert, wenn Blutproben genommen werden im Anschluss, was dann auch tatsächlich das untersuchte Ergebnis ist. Das Gerät ist schnell funktionstüchtig, man kann da gut mit umgehen, es ist eine sehr einfache Handhabung, was also auch bei schlechtem Wetter und wenn es kalt ist, lässt sich das gut handhaben."

Trotzdem kommt mit dem Ende der alten Pusteröhrchen auch ein bisschen Wehmut auf, sagt Carola Aßmann: "Weil, man kennt noch dieses Geräusch, man muss das ja so absägen, das Glas, ich habe noch das Geräusch im Ohr und ich hab auch noch das Gefühl in der Hand, wenn man das so abgesägt hat, ja Wehmut, aber mein Gott, die Zeit geht weiter und von daher bin ich jetzt nicht traurig."

Die Maschine wird in den kommenden Tagen verschrottet. Damit ist die Ära der alten Pusteröhrchen dann endgültig Geschichte.

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