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StartseiteHintergrundAllein gelassen und ignoriert22.11.2011

Allein gelassen und ignoriert

Die Bildungsteilhabe der deutschen Sinti und Roma

Viele Sinti und Roma hierzulande sind deutsche Staatsbürger. Dennoch müssen sie mit massiven Bildungsdefiziten leben und haben oft geringere Berufschancen. Schuld daran sind nicht zuletzt die Ausgrenzungsmechanismen von Staat und Gesellschaft.

Von Carol Lupu

Kinder aus Roma-Familien warten auf den Beginn eines Festes.  (AP Archiv)
Kinder aus Roma-Familien warten auf den Beginn eines Festes. (AP Archiv)

Die Wohnung, in der es klingelt, steht in einer Hochhausgegend. Der Stadtteil heißt Hasenbergl und ist sozialer Brennpunkt Münchens. Die Wohnung im Erdgeschoss hat die Diakonie angemietet. Die Tür wird zur Hälfte von einem Plakat bedeckt – "Sinti und Roma" steht darauf fingerbreit schwarz aufgemalt. Zwei Frauen, Mitte 20, kommen hierher zum Alphabetisierungskurs.

Latscho Diwes – Guten Tag! Die deutschen Sinti und Roma wachsen mit zwei "Muttersprachen" auf. Romanes wird zu Hause gesprochen, gleichberechtigt mit Deutsch. Das Deutsch der Sinti ist ein eigener Dialekt, der innerhalb der Familien weitergegeben wird. Eine Variante, die dem Ostpreußischen ähnelt. Wegen der gepflegten Familienkontakte bis ins Ausland können sie sogar oftmals mehr Sprachen sprechen als andere Menschen in Europa. Aber lesen, schreiben und sich variantenreich ausdrücken, das bereitet den Schülerinnen hier im Hasenbergl große Schwierigkeiten. Kinga Papp, eine Ungarin, die aus Rumänien stammt, ist die Lehrerin der Sintizzas, wie Sintifrauen heißen.

"Heute habe ich mir vorgenommen, dass wir einen Text lesen und Fragen beantworten. Das ist ein Text über Django Reinhardt, weil, ich wollte jetzt ein paar Texte bearbeiten, wo Vorbilder vorkommen, weil es fehlt immer an Vorbildern, finde ich."

Erstmals erwähnt werden die Sinti in Deutschland im Jahr 1407 in der Bischofsstadt Hildesheim in Norddeutschland. Sinti sind somit seit mehr als 600 Jahren in dieser Region ansässig. Die Roma sind Ende des 19. Jahrhunderts in das damalige Deutsche Reich übergesiedelt.

Sinti und Roma sind als nationale Minderheiten anerkannt. Den gleichen Status haben die Friesen, die Dänen und die Sorben in Deutschland. Diese Gruppen haben einen Anspruch auf eine eigene Kultur- und Sprachförderung sowie eine eigene Politikvertretung. Das beeinflusst sogar in manchen Bundesländern das Wahl- oder das Mediengesetz.

Der Minderheitenstatus unterscheidet Sinti und Roma von anderen Migranten. Der Status gibt den Sinti und Roma zwar besondere Rechte. An ihrer sozialen Stellung ändert das aber nichts. Schon in den Bereichen der Bildung und Berufschancen sind diese deutschen Bürger völlig unterrepräsentiert.

"Deshalb hab' ich mich dazu entschlossen, eine Bildungsstudie zu machen, mit den deutschen Sinti und Roma, die damit deutsche Staatsbürger sind und dennoch mit massiven Bildungsdefiziten heute leben, bedingt nicht durch den Rechtsstatus, sondern vor allem bedingt durch die Ausgrenzungsmechanismen des gesellschaftlichen Antiziganismus."

Daniel Strauß, der Vorsitzende des Landesverbandes Sinti und Roma in Baden-Württemberg, ist der Herausgeber der "Studie zur aktuellen Bildungssituation deutscher Sinti und Roma". Über vier Jahre hat die Erstellung der Untersuchung gedauert, von den ersten Planungen bis zur Veröffentlichung. Derzeit wird sie den Kultusministerien einzelner Bundesländer übergeben, als nächstes in Niedersachsen am 1. Dezember. In der Studie werden Zahlen genannt, die in Deutschland als unvorstellbar und von vielen Politikern immer noch nicht als Realität einer deutschen nationalen Minderheit wahrgenommen werden.

"Also, man muss sehen, dass etwa 13 Prozent im Durchschnitt von den 14- bis 25-Jährigen angegeben haben, dass sie nie in eine Grundschule gegangen sind."

Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt unter einem Prozent. Aber diese Zahl wird noch übertroffen: 44 Prozent der Befragten haben die Schule verlassen, ohne einen Abschluss gemacht zu haben. Bei der Durchschnittsbevölkerung sind es 7,5 Prozent. Und die Zahlen von Schulverweigerungen und Abbrüchen steigen. Am Ende des Berufsweges sieht es dann so aus. Daniel Strauß.

"Die andere erschreckende Zahl: 18,8 Prozent haben nur eine berufliche Ausbildung absolvieren können, die häufige Begründung dafür, Abbruch wegen Diskriminierung, wegen Mobben als ethnische Gruppe. Im Verhältnis in der Mehrheitsgesellschaft sind es nicht 18, sondern 83,4 Prozent, da sieht man eine klare Diskrepanz."

Wie ein roter Faden zieht sich dieses Phänomen durch die Lebensgeschichten der Sinti und der Roma. Diese Bildungsmisere verhindert seit Generationen einen regulären Anteil am Wohlstand Deutschlands.

Mehrere Gründe sind für diese Bildungsmisere bei den Sinti und Roma verantwortlich: Zum einen, der von Daniel Strauß erwähnte Antiziganismuns, also die Diskriminierung durch andere Bevölkerungsgruppen.

Zum anderen sind Sinti und Roma über Generationen hinweg nicht an Bildung herangeführt worden. Innerhalb der Familien werden Schulbildung und lange Berufswege kaum wertgeschätzt. Außerdem füllen Familienbräuche schon früh Jungen und Mädchen mit Verantwortung für das Einkommen oder die Kinderpflege aus. Die Ferne zum Bildungssystem hat auch historische Gründe. In der Zeit des NS-Regimes hat es eine systematische Entschulung gegeben. Das heißt, Sinti und Roma bekamen ein Schulverbot, wurden meist sogar mit der Polizei aus den Gebäuden geholt, manchmal direkt ins Vernichtungslager gebracht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Roma- und Sintikinder wieder in die Schule gegangen, wurden aber von ihren Lehrern so behandelt, als ob es weder Entschulung noch Internierung gegeben hätte. Der jetzt 80-jährige Hugo Höllenreiner beispielsweise wurde nach dem Krieg wieder mit kleinen Kindern in eine Klasse gesteckt, obwohl er schon Jugendlicher war. Die Lehrer verlangten von ihm, dass der Schulstoff nach KZ-Aufenthalt und der Zeit als Versuchsopfer bei Dr. Mengele wieder präsent sein sollte.

"Ich hab' das alles vergessen gehabt, was vorher war, weil die schlimme Zeit an uns hing. Dann bin ich noch mal zur dritten Klasse, vierten und fünften, und dann war ich aber schon 14, da hat´s geheißen: 'Du kannst gehen'. Ich hab' bald nichts gelernt drinnen, wenn ich die Aufgabe gemacht habe, dann ist's liegen geblieben. Ich habe es aufs Pult gelegt: 'Schaut's an' - Sie haben es nicht gesehen. Also, wir sind richtig in der Schule diskriminiert worden, auch von den Kindern. Ich war richtig ängstlich. Ich könnte mich heute noch ins Gesicht schlagen, ich hab' mich von anderen kleinen Kindern stoßen lassen, ich hab' mich boxen lassen."

Hugo Höllenreiner ist trotz seiner Erlebnisse und seines Alters ein gerader und aufrecht stehender Mann. Seine Augen werden feucht, wenn er von seinen Erlebnissen erzählt, die er auch in dem Buch, "Denk nicht, wir bleiben", dokumentiert hat.

Im Gegensatz zu anderen verfolgten Gruppen der Nazizeit sind die Sinti und Roma nicht sofort nach dem Krieg als eine eben solche Gruppe anerkannt worden. Das dauerte noch knapp 40 Jahre. Die Generation von Hugo Höllenreiner hatte nach dem Krieg zur Schule ein gebrochenes Verhältnis und auch zu deutschen Behörden. Deswegen war es der Sintinachkriegsgeneration nur recht, wenn ihre Kinder und sie selbst mit diesen Institutionen nichts zu tun hatten.

Einen breiten Raum nimmt in der "Studie zur aktuellen Bildungssituation der deutschen Sinti und Roma" der Antiziganismus ein.

"Erst mal der Umfang. Es ist viel verbreiteter. Antiziganismus gibt es in allen Schichten der Bevölkerung. Und Antiziganismus ist gesellschaftsfähig, man kann ganz offen sein Urteil äußern. Stellen sie vor, man würde über Juden, über Farbige so sprechen, wäre gar nicht auszudenken, welche Reaktionen das hervorrufen würde."

Nach Meinung des Antiziganismusforschers Wilhelm Solms hat der "Zigeunerhass" auch eine wissenschaftliche Grundlage. Die Wissenschaft hat sich lange mit dem Decknamen der "Zigeunerforschung, Ziganologie" getarnt und damit ihre Ergebnisse präsentiert.

"Das Fatale am Antiziganismus, dass im Laufe der 600 Jahre immer neue Bilder dazugekommen, ohne dass die alten weggeblieben sind. Anfangs dachte man, sie kommen aus Ägypten, und Schwarze, und damit war gleich der Dämonismus verbunden, Teufelsbrüder und Heiden wurden sie auch genannt. Später sagte man, ungefähr 250 Jahre lang, nein, so sagt Luther, es ist aus Deutschland und den Nachbarländern zusammengerottetes diebisches Gesindel, und dann kamen die ganzen Urteile über Fahrende, dass sie eben betteln, faulenzen, stehlen, lügen, betrügen, ohne dass die früheren Vorurteile, dass sie eben Dämonen sind, weggeblieben sind."

Der Höhepunkt war die Rassenforschung der NS-Zeit. Berühmt sind die beiden rassenbiologischen Forscher Eva Justin und Robert Ritter, die von einer Zigeunerrasse sprachen und ihr einen Entwicklungsstandpunkt auf der Jäger- und Sammlerebene attestieren wollten.

"Und als dann die Entdeckung war, dass sie aus Indien stammen, war Beginn der rassistischen Ziganologie oder Zigeunerforschung, sie seien ein primitives und orientalisches Naturvolk, was schon deshalb nicht stimmt, man hat ja an der Sprache erkannt, dass sie aus Indien stammen, weil das Romanes, die Sprache der Sinti und Roma, mit dem Sanskrit verwandt ist, und das ist eine hohe Bildungssprache, ein hohes Hindustanisches, also sind sie eigentlich Arier, das durfte dann natürlich nicht sein, das wurde im Dritten Reich wieder geleugnet."

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Bundesrepublik die Zigeunerforschung weiter betrieben. Einer der Hauptvertreter rassistischer Theorie, der 2005 verstorbene Hermann Arnold, war "Zigeunerberater" - so der offizielle Titel - verschiedener Bundesregierungen. Sein Hauptwerk, das Buch "Die Zigeuner" von 1965, führt die NS-Rassentradition weiter. Arnold trat bei Gerichtsprozessen als Kronzeuge auf. Die rassenbiologischen "Zigeunerforscher" der NS-Zeit, die Tausende Sinti und Roma in Zwangssterilisation, medizinische Versuche und schließlich in den Tod getrieben haben, wurden von Arnold entlastet. Heute setzt der 1944 geborene Volkmar Weiss, Genetiker, Sozialhistoriker und Genealoge, die Tradition der Zigeunerforschung fort.

Auch diese Fakten aus der Bundesrepublikanischen Geschichte ermöglichen einen eindeutigen Blick auf die Bildungsteilhabe der Sinti und Roma der Nachkriegszeit. Bis in die 1970er- und 80er-Jahre hinein haben deutsche Behörden in den meisten Fällen keine Schulpflicht bei den Roma und den Sinti angemahnt. Die Mär von einem nicht zu bildenden Volk ist bis heute offenbar in Teilen der Gesellschaft hoffähig.

"Die Lebenswirklichkeit sieht anders aus. Da gibt es ein Lied: "Wie lustig ist das Zigeunerleben". Wenn ich mir mein Leben anschaue und auch aus den Interviews einfach herausgehört habe, wie sie mit Diskriminierung umgegangen sind, oder einzelne Stationen, dann ist eigentlich das Leben der Sinti und Roma alles andere als lustig. Es ist eigentlich ein ernstes Leben und auch ein Leben, das tiefe Wunden hat."

"Mein Name ist Jane Simon, ich bin in Saarbrücken geboren."

Jane Simon ist Roma, sie hat für die Studie Interviews mit den verschiedenen Romafamilien durchgeführt. Ihre Biografie steht für viele ihres Volkes, jetzt ist sie Anfang 30. In ihrer Kindheit sind ihre Eltern, die Analphabeten sind, noch viel auf Reisen gegangen.

"Nun, meine Eltern haben nicht die Schule besucht aus dem Grund, weil meine Großeltern damals aus den Schulen deportiert wurden. Und aus dieser Traumatisierung heraus haben sie ihre eigenen Kinder nicht mehr in die Schule geschickt, aus Angst, sie würden – in Anführungszeichen - wegkommen und nicht mehr wiederkehren."

Früher gehörte das "Auf Reisen gehen" zum "Handel treiben". Heute hat es eher Ausflugs- und Freizeitcharakter. Jane verweigerte mit Einverständnis ihrer Eltern den Schulbesuch. Von den deutschen Behörden erschien niemand.

"Meine Mutter wurde nicht drauf angesprochen, dass eine Schulpflicht besteht. Also, es wurde meine Mutter daraufhin gar nicht angesprochen."

Erst bei Janes kleiner Schwester hat sich die Behörde bei den Eltern gemeldet, und so wurde die Familie mit dem Thema Schulpflicht konfrontiert.

"Bildungsfern bedeutet, dass meine Eltern keine Erfahrung haben, sie haben weder ein Buch in der Hand gehabt noch haben sie einen Schritt in eine Schule gemacht. Also, alles, was mit Bildung zu tun hat, haben sie nicht angeeignet oder aneignen können."

Jane hatte damit an zwei Fronten zu kämpfen, zum einen hat die Umgebung, also ihr deutsches Umfeld, ihr nichts zugetraut und zum anderen hatten ihre Eltern keine Vorstellung von Bildung als Wert.

"Sie waren jetzt nicht sehr motiviert, mich in die Schule zu schicken, aber sie haben auch nicht die Wichtigkeit gesehen für mein Leben, mich in die Schule zu schicken."

Jane Simon wuchs auf, ohne auch nur ein Wort lesen oder schreiben zu können.

"Bis zum 20. Lebensjahr habe ich mir nicht allzu große Gedanken gemacht, was Bildung für mein Leben bedeuten könnte, dann, etwas später, kamen so die Gedanken im Hinterkopf. Man kann nicht lesen, man kann nicht schreiben, man ist wirklich Analphabet. Man kommt nicht im Leben zurecht. Der Zustand ist nicht akzeptabel, aber es war ein nur sehr leichter Gedanke im Hinterkopf, der für mich damals überhaupt nicht realisierbar war, so eine Art utopisch, für mich war das utopisch."

Schließlich wagte sie sich daran, eine Schulbildung nachzuholen.

"Ich hab' dann tatsächlich angefangen, die Hauptschule nachzuholen und siehe da, es hatte geklappt."

Diese Bildungsbiografien von Sinti und Roma, die in der Studie vorgestellt und statistisch ausgewertet werden, zeigen nicht nur einen Missstand bei diesen Volksgruppen an. Vielmehr zeigen sie, wie das deutsche Schulsystem psychologische Mechanismen ignoriert, kaum flexibel und von interkultureller Kompetenz weit entfernt ist. Sinti- und Romakinder konnten laut der Studie schulisch nur aufsteigen, wenn es Nachhilfe außerhalb der Schule oder von Seiten engagierter und eigeninitiativer Lehrerinnen oder Lehrer gab. Das deutsche Schulsystem hat selbst keine Mechanismen, um Schülerinnen und Schülern in solch einer Situation unter die Arme zu greifen.

Lehrerinnen und Lehrer haben keinerlei Kenntnisse vermittelt bekommen, wie sie mit demotivierten Kindern oder mit Minderwertigkeitskomplexen umzugehen haben; wie sie mit Abwertung und Aufwertung ihre Kinder selbst beeinflussen können.

Immer wieder wird in der Bildungsstudie deutlich, dass es im Leben der Befragten eine Situation gab, die eine Entscheidung für oder gegen die Schule gefordert hat – manchmal schon in der Grundschulzeit. Meist waren die Zensuren ohnehin schon schlecht, die Kinder haben jahrelang das Wort "schmutziger Zigeuner" mitanhören müssen, sind in solchen Situationen übergriffig und roh geworden. Antiziganismusforscher Wilhelm Solms.

"Die Berichte sind zum Teil erschütternd, da berichtet in der Studie ein Junge, wie der Lehrer zu ihm gesagt hat: Du bist Zigeuner, du bleibst Zigeuner, und du schaffst es nie zu was. Und ein Sintojunge, der eh schon ein schlechtes Selbstwertgefühl hat, der ist von dem Tag an nicht mehr in die Schule gegangen, der war erledigt, mit einem Satz."

Jane Simon betont immer wieder im Gespräch die Motivation, die sie von anderen Menschen bekommen hat. Ohne den Zuspruch hätte sie nichts erreicht.

"Danach war ich motiviert, weiter die Schule zu besuchen und hab' dann die Mittlere Reife erreicht, danach hab' ich dann die Motivation wieder gehabt und bin dann noch aufs Gymnasium gegangen."

In Deutschland leben nach Regierungsangaben etwa 70.000 Sinti und Roma. Die Verbände, die sich in vielen Dingen uneinig sind, sprechen von bis zu 120.000 deutschen Sinti und Roma. Weil diese Zahl nicht genau bekannt ist, kann sich die Studie, streng wissenschaftlich, auch nicht als repräsentativ bezeichnen. Um einer zu großen Kritik und Infragestellung vorzubeugen, sind auch Nicht-Romaorganisationen und Wissenschaftler an der Planung und Betreuung beteiligt gewesen, prominentester Vertreter ist die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft".

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es innerhalb Deutschlands eine stille Volksgruppe gibt, die sich politisch kaum zu Wort meldet und keinen großen Einfluss hat. Gegen diese Gruppe hat die Nachkriegsgesellschaft der Bonner Republik gröbste Fehler begangen, die noch nicht kritisch aufgearbeitet sind. Es geht um Inkulturation einer Gruppe, die Anspruch auf eine eigene Kultur und Sprache hat sowie auf eine Teilhabe an der Gesellschaft.

Einen Anfang macht das kleine Diakonieprojekt im Münchner Stadtteil Hasenbergl. Die beiden Frauen, die dort zum Alphabetisierungskurs kommen, haben früh geheiratet, Kinder bekommen und stehen nun da mit Träumen.

"Ich könnt' mir schon vorstellen, ja Kosmetikerin oder Friseurin mit einem eigenen Laden."

Jane Simon konnte sich nicht vorstellen, mal lesen und schreiben zu können. Jetzt motiviert sie Sinti und Roma, zur Schule zu gehen und sich zu bilden.

"Wenn ich es aus meiner Schwachheit – ein Häufchen Elend war ich – und wenn ich es geschafft habe, denke ich, dann kann das auch jeder schaffen."

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