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Alleinherrscher ohne Alternative?

Horst Seehofer und seine Kreuther Ein-Mann-Show

Von Barbara Roth, Deutschlandfunk

Weiß sich in Szene zu setzen: CSU-Chef Horst Seehofer in Wildbad Kreuth.
Weiß sich in Szene zu setzen: CSU-Chef Horst Seehofer in Wildbad Kreuth. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)

Die CSU hat sich ihrem ungeliebten aber mächtigen Vorsitzenden unterworfen. Und Horst Seehofer kostet diese Macht in vollen Zügen aus. Er weiß, verliert er die Wahl in Bayern, wäre er Geschichte. Gewinnt er die absolute Mehrheit zurück, würde er im Parteiolymp gleich neben Franz Josef Strauß sitzen.

Horst Seehofer weiß sich in Szene zu setzen. Dafür bedarf es keiner großen Bühne, es genügt ein enger Flur. Zum Abschluss der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe lädt die Gastgeberin Gerda Hasselfeldt zu einem Pressegespräch mit dem Parteivorsitzenden ein.

Doch zu diesem Zeitpunkt hat der seinen großen Auftritt längst hinter sich. Draußen auf dem Gang in einer spontanen Pressekonferenz. Eingeklemmt in einem Knäuel aus Kameras, Fotoapparaten und Mikrophonen plaudert er gutgelaunt über die kriselnde FDP und die jüngste Umfrage zur bayerischen Landtagswahl. Für Gerda Hasselfeldt interessieren sich danach nur noch wenige.

Der CSU-Chef kann sich alles erlauben, solange man sich von ihm Erfolg verspricht. Er kann die Landesgruppenchefin düpieren, Markus Söder als vom Ehrgeiz verfressen attackieren, Peter Ramsauer als eitlen Zar Peter verspotten, Hans Peter Friedrich als Bedenkenminister kritisieren – die Christsozialen machen gute Miene zur in Wildbad Kreuth verordneten Harmonie. Die Faust in den Hosentaschen ist geballt, doch zu Beginn des für die CSU entscheidenden Wahljahrs bleibt sie stecken. Seine Parteifreunde schlucken jede Demütigung, solange die Umfragen stimmen. Im September wird nicht nur im Bund, sondern auch in Bayern gewählt und dieser "Mutter aller Schlachten", wie Seehofer die Landtagswahl nennt, ordnet der CSU-Chef alles unter. Und keiner in der Partei muckt auf gegen ihn.

Horst Seehofer will derjenige sein, der die CSU nach der Wahlschlappe 2008 wieder zur Alleinherrschaft führt. Das sieht er als seine Mission an, dafür ist ihm jedes Mittel recht. Auch inhaltliche Beliebigkeit. Seehofer wechselt seine Meinung wie andere ihr Hemd. Er orientiert sich eher an Wählerstimmungen als an Parteitagsbeschlüssen. So gibt er die selbstgezogenen roten Linien in der Euro-Politik auf, weil er um die Popularität der Euro-Kanzlerin Angela Merkel in Bayern weiß. Auch längst getroffene Entscheidungen räumt er im Alleingang einfach ab, wenn sie drohen Wählerstimmen zu kosten: Das umstrittene G8 weicht der Ministerpräsident auf. Die 42-Stunden-Woche für Beamte nimmt er zurück. Vom Donauausbau rückt er ab. Und auch die Studiengebühren will er kippen. Sein Zick-Zack-Kurs schadet ihm offenbar nicht: 47 Prozent sagt die jüngste Wählerbefragung für die CSU in Bayern voraus. Das sind zwar noch lange nicht die 50+ X aus den früheren erfolgsverwöhnten Zeiten. Aber - Stand heute – könnten schon 47 Prozent für eine Rückkehr zur Alleinregierung reichen.

Die politische Konkurrenz hat dem gewieften Taktiker kaum etwas entgegenzusetzen. Die SPD ist wegen ihres Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück in der Wählergunst eingebrochen. Und auch der populäre Münchner Oberbürgermeister Christian Ude schafft es als Spitzenkandidat nicht, die bayerischen Sozialdemokraten aus ihrem Dauertief zu führen. Es müsste schon ein Wunder geschehen, damit Udes angestrebtes Dreierbündnis mit Grünen und Freien Wählern der Seehofer CSU wirklich gefährlich werden kann.

Und auch die unter Philipp Rösler dauerschwächelnde FDP sollte nicht auf Hilfe hoffen. Zumal viele in der CSU glauben, dass die Koalition mit den Liberalen im Freistaat nicht mehr als ein Betriebsunfall der Geschichte ist.

Die CSU hat sich ihrem ungeliebten aber mächtigen Vorsitzenden regelrecht unterworfen. Und Horst Seehofer kostet diese Macht in vollen Zügen aus. Er weiß, verliert er die Wahl in Bayern, wäre er Geschichte. Gewinnt er die absolute Mehrheit zurück, würde er im Parteiolymp gleich neben seinem Idol Franz Josef Strauß sitzen. Selbst die CDU wäre ihm dann zum Dank verpflichtet, denn er könnte der Unionsschwester Angela Merkel im Bund womöglich den Wahlsieg sichern.

Mit einem Wahlerfolg aber hätte Horst Seehofer seine Schuldigkeit getan und seinen Zenit überschritten. Ist seine Mission erfüllt, beginnt sein Abstieg. Horst Seehofer ist clever genug, das zu ahnen. In einer Großen Koalition auf Bundesebene wird ein CSU-Vorsitzender ohnehin keine Rolle mehr spielen. Und zuhause in Bayern wird sofort die Diskussion um seine Nachfolge beginnen. Er hat seine Leute gequält, düpiert, öffentlich verspottet. Es gibt viele in der CSU, die mit ihm noch eine Rechnung offen haben. Und nur auf den Tag warten, es ihm heimzuzahlen.

Mission erfüllt. Bejubelt. Als Retter in die Geschichte der CSU eingegangen. Danke, das war`s. Es ist Seehofer zuzutrauen, dass er bald nach den Wahlen abdanken wird. Dann, nur dann wird er noch bestimmen können, wer seine Nachfolge antreten darf. Wie schon gesagt: Horst Seehofer weiß sich in Szene zu setzen.

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