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StartseiteSprechstundeWenn Atemnot, Juckreiz und Hautausschlag Probleme bereiten12.06.2018

Allergien bei KindernWenn Atemnot, Juckreiz und Hautausschlag Probleme bereiten

Bis zu 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden unter Allergien. Häufigste Allergene sind Blütenstaub, Tierhaare, Insektengifte, Hausstaubmilben und Nahrungsmittel. In den ersten beiden Lebensjahren überwiegen Nahrungsmittelallergien und Hautleiden, bis zu 40 Prozent dieser Kinder können später an Asthma bronchiale erkranken.

Am Mikrofon: Lennart Pyritz

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Ein blondes Mädchen steht mit einer Pusteblume auf einem Feld (imago stock&people)
Allergien bei Kindern können sich auf das Immunsystem auswirken. (imago stock&people)

In allen Fällen reagiert das Immunsystem überempfindlich auf vergleichsweise harmlose Substanzen mit der Folge, dass sich die Haut entzündet, die Atemwege zuschwellen, Augen tränen und die Nase läuft.

Gesprächsgäste:

  • Prof. Dr. med. Christian Vogelberg, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, Leiter des Fachbereichs Pädiatrische Pneumologie / Allergologie an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, erster Vorsitzender der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin
  • Manuela Stockmann-Rütz, Dipl.-Oecotrophologin (Ernährungstherapeutin) an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden

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"Bei ganz jungen Kindern beginnt die Allergikerkarriere meist mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, oft einer Neurodermitis. Im Kleinkindalter treten gehäuft Atemwegsallergien  wie Heuschnupfen auf und häufig - es muss nicht immer so sein - wird die Allergikerkarriere dann mit Asthma Bronchiale beendet", erklärt Prof. Dr. med. Christian Vogelberg. Er arbeitet als Leiter des Fachbereichs Pädiatrische Pneumologie / Allergologie an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden und ist erster Vorsitzender der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin.

Stäube können zu Atemnot führen

Seltener seien Insektengiftallergien bei Kindern, die dann mehr oder weniger allergisch reagierten - oder auf Stäube wie von Pilzsporen oder von Vögeln, auf die sie mit einer bestimmten, aber seltenen Form reagieren. Dabei könne auch es zu akuter Atemnot kommen, bei der Kinder sehr schwer erkranken könnten.

Manuela Stockmann-Rütz, Diplom-Oecotrophologin an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden, beobachtet  im Altersbereich von Säuglingen bis zu 18-Jährigen Unverträglichkeiten gegen Grundnahrungsmittel wie Kuhmilch, Hühnerei, Weizen - im Kleinkindalter auch Fisch.

"Wenn die Kinder etwas älter werden, kommen sie in eine andere Rubrik: Dann sind es eher Nüsse, Erdnüsse, Baumnüsse - mit dazu kommen teilweise auch Soja, Eiweißallergien und - je älter die Kinder werden und noch bestehende Nahrungsmittelallergien haben - kommen dann durch Pollenallergien  auch die Kreuzreaktionen durch Nahrungsmittelallergien mit dazu", erklärt die Ernährungstherapeutin.

Pollen, Katze oder Hund als Auslöser

Zustande kämen Allergien letztlich durch eine Fehlregulation des Immunsystems, denn Allergene seien Substanzen, die zu unserer Umwelt dazugehörten. Es seien häufig Eiweißbestandteile in Pollen, Tierhaare oder Speichelelemente von einer Katze oder einem Hund - diese würden vom Immunsystem als fremd erkannt und lösten so eine bestimmte immunologische Reaktion aus.

Dabei würden allergische Antikörper das Allergen erkennen, es an sich binden und dann mit dem Allergen zusammen auf Zellen andocken - diese setzten dann wiederum bestimmte Substanzen frei. Die juckende Hautquaddel sei ein typisches Beispiel, aber auch im Atemwegsbereich, das Äquivalent zum Asthma. Auch beim Heuschnupfen oder im Magen-Darm-Trakt käme es zu Symptomen wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, erklärt Vogelberg.

Wirkung von Matsch, Modder und Kuhstall umstritten
Bei vielen Eltern hat sich rumgesprochen, dass Toben im Waldkindergarten oder auf dem Bauernhof gut für die Gesundheit ist. Das Immunsystem reagiere entsprechend seiner Aufgabe, Abwehrkräfte gegen Mikroben und Bakterien zu bilden:

"Je mehr man im Kleinkindalter mit  verschiedenen Substanzen in Berührung kommt und eine Toleranz entwickeln kann, je mehr besser", so Stockmann-Rütz. Damit habe man einen besseren Schutz insgesamt gegen Krankheitserreger. "Aber nicht alle Kinder, die das machen, sind gefeit vor Allergien. Das ist zu komplex, um das so abhandeln zu können."

Genetische Vorbelastung

Es spiele auch eine Rolle, aus welchem Hintergrund ein Kind komme, sagte Vogelberg. Wenn die Eltern beide Allergiker seien, sei das Kind genetisch vorbelastet und habe damit eine viel schlechtere Ausgangssituation. Wenn ein Hund mit im Haushalt sei, habe das auch einen gewissen Einfluss auf das Allergie-Risiko.

Es seien viele Aspekte, die als Schutz- oder eben auch als Risikofaktor wirken können, deswegen müsse man die Gesamtlage betrachten, so Vogelberg:

"Wir sind noch nicht so weit. Wir können nicht den genauen, idealen Cocktail anbieten, mit dem ein Schutz gesichert werden kann", sagte Vogelberg.

Therapieansätze für Nahrungsmittelallergien

"Wenn der Diagnostikweg eindeutig ist, wen wir genau wissen, was sozusagen die Ursache des Bösen ist - das ist immer sehr, sehr langwierig zum Teil - dann  gilt es natürlich zu befragen, wie oft, wie traditionell sind diese Nahrungsmittel verankert in den Familien, bei den Kindern. Und je älter die Kinder sind, desto mehr Kontakt haben sie natürlich zur Außenwelt. Letztlich werden alle, die beteiligt sind an der Ernährungsherstellung, werden zu einer Schulung herangezogen. Ganz wichtig ist dabei aber nicht nur das Weglassen von Stoffen, sondern wie ersetze ich es ernährungsphysiologisch sinnvoll, denn es sind Grundnahrungsmittel, die natürlich auch einen großen Stellenwert haben", sagte Ernährungstherapeutin Stockmann-Rütz. Supplemente seien hier nicht immer sinnvoll.

Die Hypersensibilisierung behandele das Grundproblem - die Therapieform habe eine sehr hohe Erfolgsrate, erklärt Vogelberg. Wenn man beispielsweise bei Heuschnupfen frühzeitig mit der Hypersensibilisierung beginne, bestünde eine hohe Chance, dass einem Kind eine spätere Asthmaerkrankung erspart werden könne und auch signifikant seltener im Verlauf gegen andere Allergien reagieren werde.

Das vollständige Interview können Sie sechs Monate lang in der Mediathek nachhören.

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