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StartseiteMarkt und MedienAlles muss raus08.01.2005

Alles muss raus

Warum bei deutschen Zeitungen das Outsourcing in Mode gekommen ist

Outsourcing in den Redaktionen? Die meisten Verlage werden ungern auf das Thema angesprochen. Aber die Krise auf dem Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt hat längst auch den Kernbereich journalistischer Arbeit erfasst. So gab es bei der Münchner Abendzeitung seit Jahrzehnten eine "Motorseite", doch die Redaktion wurde Anfang des Jahres geschlossen. An ihre Stelle drängte das so genannte Sprachrohr für Millionen Autofahrer, der Großlobbyist ADAC in das Blatt. Chefredakteur der ADAC Motorwelt ist Michael Ramstetter.

Von Walter Kittel

Zeitungsständer am Kiosk (AP)
Zeitungsständer am Kiosk (AP)

Bislang hat der ADAC immer ausschließlich PR-mäßig gearbeitet. Klarer Absender, klare Aussage: wir vom ADAC können helfen, können Rat, Service und Hilfe bieten. Wenn ich in ein solches Konzept wie mit der Abendzeitung einsteige, dann hat sich der ADAC journalistisch zurückzunehmen, dann muss nicht deutlich sein, dass das alles ADAC ist, sondern da steht der saubere, seriöse Journalismus mit einer journalistischen Beratung im Vordergrund und dann ist das Agenturtätigkeit, also quasi Redaktionsagenturtätigkeit und nicht Werbeagenturtätigkeit.

Ob der Spagat zwischen PR-Arbeit und kritischem Journalismus gelingen wird, daran zweifeln viele Kritiker. Auf dem Zeitschriftenmarkt gehört zu den Paradebeispielen, wo eine ganze Redaktion von ihrem Verlag durch externe Dienstleister ersetzt wurde, das Jugendmagazin "Bravo Sport". 2002 steckte es in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Man entschied sich für eine Radikalkur und ließ das Heft fortan von einem Kölner Journalistenbüro produzieren. Auf diese Weise kam es zu erheblichen Kosteneinsparungen, so Verlagsleiter Stefan Gröner.

Wir standen letztendlich vor der Entscheidung, das Objekt vom Markt zu nehmen, was wir auf keinen Fall wollten, weil es ein wichtiges Element innerhalb der Bravo-Familie ist. Oder es eben nach außen zu geben und deutliche Kosteneinsparungen zu realisieren.

Verlagseigene Redaktionen und Journalisten sind kostenintensiver als wenn entsprechende Leistungen über den freien Markt eingekauft werden. Besonders im Bereich der so genannten "Serviceseiten" hat sich diese Erkenntnis längst auch bei den Zeitungen durchgesetzt. Große Nachrichtenagenturen wie dpa oder ddp reagieren auf den steigenden Bedarf an günstigen Produkten. Der deutsche Depeschendienst bietet etwa in über zehn Sparten von Haus und Garten über Freizeit- und Reisethemen bis hin zur Landespolitik fertig redigierte Seiten an. Bei Preisen um die 150 Euro pro Seite ist dieser Komplettservice besonders für kleinere Zeitungen eine günstige Alternative. In keinem Ressort können sich derzeit hingegen große, überregionale Publikationen wie "Süddeutsche Zeitung" externe Dienstleistungen oder Kooperationen vorstellen. Lediglich in der seit einigen Jahren kaum noch überschaubaren Flut an Sonderpublikationen und Beilagen verwischt heute, was man Qualitätsjournalismus aus eigenem Hause nennt. Verlagssprecher Sebastian Berger.

Wir achten aber natürlich auch bei jedem Supplement darauf, dass es einen gewissen Qualitätsstandard hat. Das heißt also, dass wir nicht alles Mögliche und Beliebige der Süddeutschen Zeitung beilegen. Aber es ist doch eine andere Sache, ob man eine Beilage hat, die einen eigenen Titel hat und der steht auch vorn drauf oder ob eben Süddeutsche Zeitung darauf steht. Die Marke SZ, die darf nicht beschädigt werden.

Während Zeitungen in der Regel nur unter sorgfältiger Abwägung redaktionelle Kompetenzen aus der Hand geben, werden auf dem Zeitschriftenmarkt solche Entscheidungen nicht selten sehr viel radikaler und allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen. Im Dschungel der schwer überblickbaren Vielfalt an Magazinen, ihrem häufigen Auf- und Abtauchen, muss schnell reagieren, wer überleben möchte. Und so sparen sich heute einige Verlage von vornherein die Investitionen in eigene Redaktionen, so Stefan Gröner von Bravo Sport.

Das ist ein durchaus gängiges Modell vor allem für kleine Verlage, die sich solche großen Redaktionsstrukturen gar nicht leisten können, aber eben auch schnell auf Markttrends reagieren und da werden Teilbereiche, wie zum Beispiel Lay-Out oder Grafik oder eben die komplette Heftdarstellung dann von vornherein nach Extern gegeben.

Welchen Stellenwert das Thema "Outsourcing" für die Zeitschriftenbranche derzeit besitzt, zeigt auch eine in diesem Jahr erschienene Studie des Verbands deutscher Zeitschriftenverleger. 41 Prozent der kleinen Verlage gaben an, redaktionelle Tätigkeiten bereits an externe Dienstleister ausgegliedert zu haben. Bei den großen Verlagen, mit über 100 Millionen Euro Umsatz, waren es nur 13 Prozent. Und weitere 13 Prozent der Großverlage sehen heute im Outsourcing redaktioneller Arbeit eine zukünftige Alternative.

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