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Alles nur eine PR-Strategie?

Theo Zwanziger und die Vorabveröffentlichungen seiner Biografie

Von Bastian Rudde

Auch vor seinem Nachfolger Wolfgang Niersbach macht Zwanzigers Kritik nicht halt
Auch vor seinem Nachfolger Wolfgang Niersbach macht Zwanzigers Kritik nicht halt (picture alliance / dpa/Hanibal Hanschke)

Im März dieses Jahres hat sich Theo Zwanziger als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes verabschiedet, morgen kommt nun seine Biografie auf den Markt. Teile daraus waren unter der Woche in der Bild-Zeitung zu lesen – und die Reaktionen darauf ließen nicht lange auf sich warten. Am Wochenende ging das Ganze in die nächste Runde.

Der Büchermarkt wird ja immer wieder heimgesucht von Erfahrungen und Weisheiten aus dem deutschen Fußball: Meistens geht es um den feinen Unterschied zwischen Profi und Musterprofi, darum wie man die Nummer Eins wird, manchmal auch um Alkoholsucht.

Morgen legt nun ein noch nicht lange aus dem Amt geschiedener Ex-DFB-Präsident seine Erinnerungen vor. Pikant – zumal Theo Zwanziger in Boulevard und Fernsehtalk schon mal vorab preisgibt, was in seinem Buch so alles drin steht. Zum Beispiel, dass Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor der Sommermärchenweltmeisterschaft 2006 kurz vor der Ablösung gestanden habe, dass ein Handschlag mit Klinsmanns Nachfolger Joachim Löw offenbar nicht viel zählt und dass Bayern-Präsident Uli Hoeneß ein "Macho" sei.

Was soll das anderes sein als reine PR, fragt man sich da? Kleine Skandalhäppchen, die Lust machen sollen auf die gesamten 368 Seiten, so die Vermutung.

Fest steht, dass Theo Zwanziger Erfahrung hat mit Büchern. Mitte 2011 warf Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm seine durchaus kritischen Gedanken zu diversen ehemaligen Trainern in Buchform auf den Markt, Teile davon waren vorab in der "Bild" zu lesen. Zwanziger, damals noch DFB-Präsident, rügte, Lahm lasse "Respekt vor Persönlichkeiten des Fußballs" vermissen. Er habe nicht richtig eingeschätzt, welche Eigendynamik und Interpretationen eine Vorabveröffentlichung nach sich ziehe.

Er selbst legt heute in der Welt am Sonntag noch mal nach. Diesmal Ziel der Attacke: Wolfgang Niersbach, Nachfolger im DFB-Präsidentenamt, und erneut auch sein ewiger Widerpart Uli Hoeneß. Unter Niersbach, so Zwanziger indirekt, gehe dem DFB das Soziale ein wenig ab, der Besuch der deutschen Fußball-Delegation in der Gedenkstätte Auschwitz vor der Europameisterschaft sei halbherzig gewesen. Und Hoeneß, der setze sich in Talkshows, haue Sprüche raus und reiße Gräben eher auf, als dass er sie zuschütte.

Hoeneß selbst hatte gestern vermutet, Zwanziger werde sich nach seinem – wörtlich – "peinlichen Rücktritt" mit seinem Buch selber in die Isolation treiben. Niersbach ließ sich anschließend mit den Worten zitieren, er könne Hoeneß kaum widersprechen. Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge sagte, es seien Indiskretionen, die Theo Zwanziger preisgebe.

Der hatte seinen Rücktritt als DFB-Präsident Anfang 2012 vollzogen. Etwas überraschend bereits ein Jahr vor dem turnusmäßigen Ende seiner Amtszeit. Er gab sich immer gerne als Mann des Ausgleichs und des überlegten Handelns. Doch man sagt Theo Zwanziger nach, er habe vieles zu persönlich genommen.

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