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Alles wird gut: Laisser-faire als Führungsstil

Serie "Die Chef-Typen" - Teil 3

Von Rüdiger Maack

In der Ruhe liegt die Kraft.
In der Ruhe liegt die Kraft. (AP)

Chefs sind eine Gattung Mensch, über die sich jeder gerne mal aufregt. Aber nicht über diese Sorte: den Chef, der alle machen lässt, in der Hoffnung, dass dann alle glücklich sind und besser arbeiten. Man nennt ihn auch den Laisser-faire-Typen.

Freiheit! Möchte nicht jeder irgendwie irgendwann irgendwo mal so richtig frei sein? Warum also nicht im Büro?

"Es klappt einfach umso besser, je mehr Freiheiten man hat."

Markus arbeitet in einer PR-Agentur als Senior-Berater. Auch wenn es viel um Geld und Strategien geht: PR - das ist letzten Endes ein kreativer Beruf, in dem Einfallsreichtum mehr gefragt ist als das korrekte Ausfüllen von Excel-Tabellen bis hinter die vierte Stelle nach dem Komma.

"Der ist dann von Vorteil, wenn ich ein sehr kreatives Umfeld habe, da brauche ich viel Freiraum, man kann nicht auf Knopfdruck kreativ sein, das ist ganz schwierig, aber es gibt viele andere Berufe, wo das schwierig ist und er nicht macht, ist klar Führung zu übernehmen. Mitarbeiter haben auch ein Recht auf Führung. Was dazu führen kann, dass es zu Mobbing und Konflikten zwischen den Mitarbeitern kommen kann, wo der Chef eingreifen müsste, aber er wird es nicht tun, weil er denkt, das sind erwachsene Menschen, das müssen die doch selber wissen!"

Deshalb ist das Paradies eines Angestellten nicht unbedingt in der Abteilung eines Leiters, der lieber mal loslässt als die Leine kurz, glaubt Felicitas von Elverfeldt, die Führungskräfte berät.

"Wenn ich in einer Krisensituation bin, brauche ich einen eher autoritäreren Führungsstil, weil ich kann nicht alles ausdiskutieren. Ich muss relativ schnell entscheiden. Das ist aber nicht der ideale Stil, wenn ich etwas aufbauen möchte oder wenn es um Innovation oder Kreativität geht, weil die wird durch einen sehr autoritären Führungsstil sehr schnell unterminiert."

Der Laisser-faire-Chef ist oft nicht so, weil er das gut findet, sondern, weil er ein Problem mit seiner Rolle als Chef hat. Weil er eigentlich gar nicht so richtig das Chefsein am Chef-Sein mag, gibt er gern mal nach und versucht, bei allen seinen Mitarbeitern beliebt zu sein. Der Narzisst will bewundert werden, der oft allzu nachgiebige Laisser-faire-Typ will geliebt werden.

Klingt eigentlich ganz wunderbar, schafft aber durchaus manchmal Probleme, sagt Elke Wolf, die in ihrer Agentur Profile in der Nähe von Frankfurt Mitarbeiter schult und selbst lange als Assistentin gearbeitet hat.

"Man hat sehr viel Spielraum, sehr viel Verantwortung, man hat Spaß, wenn man dann auch zum gewünschten Ziel kommt. Hat natürlich den Nachteil, man agiert selber und denkt sich, naja, ich mach mal die Aufgaben selber, wie ich denke, dass es richtig ist, aber das kann auch dazu führen, dass er hinterher sagt: ne, ich wollte das ganz anders haben. "

Arbeitswissenschaftler haben in aller Grausamkeit aufgeschrieben, warum der Laisser-faire-Typ nicht so toll ist, wie es zunächst klingt. Weil er wenig Vorgaben macht, sind die Arbeitsergebnisse oft unzulänglich, es fehlt an Leistungskontrolle, und weil eine Art Macht-Vakuum dadurch entsteht, dass der Chef nicht sagt, dass er der Chef ist, kann das zu Kompetenzstreitigkeiten, Rivalitäten bis hin zu Parallelstrukturen in der Abteilung führen. Einzelne Mitarbeiter versuchen, selbst so eine Art Chefchen zu werden.

Herrschaftsfreie Strukturen? Von wegen - das muss wohl eine Utopie bleiben. Die grenzenlose Freiheit im Büro gibt es sowieso nur selten - und wenn, dann muss ein Mitarbeiter das auch aushalten können. Sonst verliert er die Motivation und wird trotzdem irgendwann unglücklich.

Also: Nicht nur der Mitarbeiter muss zum Chef, sondern auch der Chef zum Mitarbeiter passen. Elke Rosemond berät vor allem mittelständische Firmen. Was sie empfiehlt, klingt banal, ist aber gar nicht so einfach in die Wirklichkeit umzusetzen: Sie sagt: Erkenne dich selbst, dann erkennst du auch den anderen.

"Zum einen ist es wichtig, dass ich einfach auch weiß: Wie tick ich, wer bin ich, welche Verhaltensebenen, -strukturen, welcher Typ bin ich einfach? Und wenn ich das weiß, ist das schon mal viel wert."

Und wenn ich - wie viele von uns, obwohl wir das gar nicht gern hören - doch nicht so kreativ bin, wie ich denke, und eigentlich jemanden über mir will, der mir Vorgaben macht, dann muss ich gehen. Denn mein Chef wird sich nicht ändern.

Eine andere Statistik sagt: Die meisten Mitarbeiter verlassen ihren Job nicht wegen des Gehalts, wegen der Langeweile oder wegen des Drucks. Sondern wegen ihres Chefs.



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