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StartseiteDie neue PlatteJulia Lezhneva interpretiert Händel06.03.2016

Alte MusikJulia Lezhneva interpretiert Händel

Die Sopranistin Julia Lezhneva interpretiert Händel zusammen mit dem italienischen Ensemble Il Giardino Armonico unter der Leitung des Blockflötisten Giovanni Antonini. Die CD hat es auf eine Bestenliste geschafft - und wird hier vorgestellt.

Von Christiane Lehnigk

Eine Statue von Georg Friedrich Händel in seiner Geburtsstaat Halle an der Saale. (imago/Westend61)
Eine Statue von Georg Friedrich Händel in seiner Geburtsstaat Halle an der Saale. (imago/Westend61)

CDs mit Arien aus Opern von Georg Friedrich Händel gehen eigentlich immer und sind häufig in stets neuen Zusammenstellungen vor allem für Countertenöre und Sopranistinnen zu finden. Hier handelt es sich um eine besondere Aufnahme, bei der sich die Solistin und das Ensemble in Bezug auf Musikalität und Virtuosität in nichts nachstehen und sich vorbildlich ergänzen: "Julia Lezhneva. Händel" - das ist der lapidare Titel der Einspielung mit der jungen russischen Sopranistin und dem renommierten italienischen Ensemble Il Giardino Armonico unter der Leitung des Blockflötisten Giovanni Antonini. Die bei Decca/Universal erschienene CD mit 74 Minuten Musik ist zwar nicht mehr ganz druckfrisch, aber sie hat es jetzt auf die erste Bestenliste dieses Jahres beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik geschafft in der Kategorie: "Klassisches Lied & Vocalrecital". Das haben wir zum Anlass genommen, sie Ihnen hier vorzustellen, dazu begrüßt Sie am Mikrofon Christiane Lehnigk.

Georg Friedrich Händel
Aus: Il Trionfo del Tempo e del Disinganno, HWV 46 a
Arie: Un pensiero nemico di pace

"Julia Lezhneva ist eine Ausdrucksextremistin, deren Stimme noch in den rasantesten Koloraturen natürlich klingt, ihre stupende Gestaltungsfähigkeit beruht auf technischer Präzision, egal, ob Barockmusik oder Rossini-Belcanto aus dem Körper strömt – diese perfekte Balance zwischen feinfarbiger Tongebung, instrumentaler Virtuosität und schlichter Innerlichkeit macht Lezhneva derzeit keine nach", "eine Preziose von atemberaubender Nuancenvielfalt und nachgerade existenzieller Dringlichkeit", - so heißt es überschwänglich in der Begründung für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik für die Aufnahme mit Arien aus Opern und Oratorien von Georg Friedrich Händel. Es ist eine Einspielung vom Januar des Vorjahres, bei der auch einmal mehr das Ensemble Il Giardino Armonico brilliert. Mit ihm entstand zuvor schon eine CD mit gemischten Arien von Händel, Mozart, Porpora und Vivaldi. Zum Zeitpunkt der Händel-Aufnahme war Julia Lezhneva 26 Jahre alt.

Sie ist das, was neudeutsch gerne Shooting star genannt wird, eine Ausnahmebegabung, die hier von Marc Minkowski durch ihren Youtubeclip entdeckt wurde und rasant zu einer der gefragtesten Sopranistinnen nicht nur in der Alte-Musik-Szene aufstieg. Auch diese Einspielung versucht, ihrer Begabung in allen Facetten gerecht zu werden. Aber es gibt nicht nur die virtuosen Opern-Arien in schwindelerregenden Tempi, auch die berückend schönen langsamen Arien aus den geistlichen Werken von Händel bestechen durch geschmackvolle Ornamentierung und intensive Ausgestaltung eines jeden Tones.

Es gibt sicherlich keine einzige Note in diesem Repertoire, bei der sich Lezhneva und Antonini nicht etwas gedacht haben, dennoch kommt alles so luftig und leicht daher, scheint so ohne Mühe gesungen und gespielt worden zu sein, ohne Überakzentuierung, wie es besser kaum sein könnte.

Vielleicht geht das sportliche Tempo manchmal ein wenig auf Kosten der Textverständlichkeit, aber das ist verschmerzbar. Dafür sind Registerwechsel bei der Lezhneva gar nicht wahrnehmbar und auch die Tiefe ihrer makellosen Stimme betört, wenn vielleicht mit der Zeit eine etwas sinnlichere Färbung hinzukommen mag.

Den Posten des Konzertmeisters teilen sich bei dieser Aufnahme Elisa Citterio und Dmitry Sinkovsky, der Geiger, der auch als Countertenor auftritt, schon so gut wie alle Alte-Musik-Wettbewerbe gewonnen hat, mit den renommiertesten Ensembles der Szene konzertiert und auch immer noch in Moskau Violine und Viola unterrichtet.

Zu Beginn hörten Sie etwas aus dem Oratorium "Il Trionfo del Tempo e del Disinganno", als Nächstes erklingt, in der Begleitung von Dmitry Sinkovsky, ein Ausschnitt aus der Arie der Esilena aus Händels Oper "Rodrigo" : "Um meiner Liebe Wert zu geben."

Georg Friedrich Händel
Aus: Rodrigo, HWV 5
Arie Esilena: Per dar pregio all'amor mio (Ausschnitt)
Dmitry Sinkovsky, Solo-Violine

Julia Lezhneva, Dmitry Sinkovsky und Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini waren das, mit einem Ausschnitt aus der Arie der Esilena aus Georg Friedrich Händels Oper "Rodrigo". Etwas geschmälert wird der Eindruck dieser umwerfenden Einspielung nur durch den Sound: Wie zuweilen üblich, wird die Sängerin in einen, vom Orchester ausgelösten, Klangraum mit noch mehr Hall gestellt, der das Orchester dumpf klingen lässt und einen wirklichen Mischklang kaum mehr möglich macht. So etwas ist heute, zumal in der akustischen Abbildung von Aufnahmen der historisch informierten Aufführungspraxis kaum mehr zeitgemäß. Aber das werden die meisten der Hörerinnen und Hörer kaum bewusst wahrnehmen.

Auch Blockflötist und Leiter Giovanni Antonini ist in dieser Einspielung mit Händel-Arien mit einem Solo vertreten. Er begleitet Julia Lezhneva auf der Traversflöte bei der arkadischen Arie der Dafne "Felicissima quest'alma" aus der weltlichen Kantate "Apollo e Dafne", "Sehr glücklich ist meine Seele, die nur die Freiheit liebt".

Georg Friedrich Händel
Aus: Apollo e Dafne, Kantate
Arie Dafne: 'Felicissima quest'alma'
Giovanni Antonini, Solo-Traversflöte

Arien aus Opern und Oratorien von Georg Friedrich Händel bilden das Programm der neuesten Solo-CD der russischen Sopranistin Julia Lezhneva mit Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini, die jetzt mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Im Mittelpunkt stehen Werke, die mit den Italienreisen des jungen Händel in Zusammenhang stehen. Händel ging 1706 im Alter von 21 Jahren nach Italien und blieb dort drei Jahre. Er traf auf bedeutende Komponisten und Gönner und schrieb seine ersten Meisterwerke. Auch Julia Lezhneva teilt diese Leidenschaft für Italien mit Händel und fühlt sich dort "außergewöhnlich inspiriert". Entstanden ist die Aufnahme im Giovanni-Arvedi-Auditorium in Cremona, der Heimat Antonio Stradivaris. Die Karriere der Lezhneva, die 2013 den Echo-Klassik-Preis für die beste Nachwuchskünstlerin in der Kategorie Gesang erhalten hatte, ist noch jung, aber schon in vollem Gang. Man darf gespannt sein, wie sie sich weiter entwickelt und welches Repertoire sie sich noch erschließen wird.

Eine ihrer ersten Förderer war die russische Operndiva Elena Obraztsova, die ihr riet, Stücke von Rossini zu singen, und so war auch die erste Solo-CD, die sie mit 20 aufnahm, diesem Komponisten gewidmet. Doch auch dieses anspruchsvolle Repertoire mit Händel-Arien bewältigt sie mühelos, völlig unprätentiös und ihre Koloraturen perlen sensationell.

Georg Friedrich Händel
Aus: La Resurrezione, HWV 47
Arie: Disseratevi, o porte d'Averno

Die Neue Platte im Deutschlandfunk. Wir stellten Ihnen heute die bei Decca/Universal erschienene CD mit Solo-Arien aus Opern und Oratorien von Georg Friedrich Händel vor, mit der Sopranistin Julia Lezhneva und dem Ensemble Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini. Zuletzt erklang ein Ausschnitt aus der Arie des Engels "Öffnet euch, Pforten der Hölle" aus dem Oratorium "La Resurrezione", !Die Auferstehung".

Im Studio verabschiedet sich, mit Dank für Ihr Interesse, Christiane Lehnigk.

CD-Infos:
Julia Lezhneva. Händel
Il Giardino Armonico
Giovanni Antonini.
Decca 478 9230 (Universal)

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