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StartseiteForschung aktuellAlte Welt auf dem Mond25.11.2011

Alte Welt auf dem Mond

Europa entwickelt den ''Lunar Lander''

Raumfahrt. - 45 Jahre sind vergangen, seit erstmals eine Raumsonde auf dem Mond aufgesetzt hat. Seit 1972 ist nichts und niemand mehr auf der Mond-Oberfläche gewesen. Doch nun meldet die Alte Welt ihren Anspruch auf den Erd-Begleiter an. Europa will in die Fußstapfen von Neil Armstrong treten und einen Lander zum Südpol des Mondes schicken.

Von Guido Meyer

Konzeptabbildung des europäischen Lunar Landers. (Esa)
Konzeptabbildung des europäischen Lunar Landers. (Esa)

Es sei ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit, fand Neil Armstrong, als er eben als erster Mensch diesen kleinen Schritt von der Landefähre hinunter Richtung Mond-Oberfläche machte. Das war 1969. Nach den Apollo-Missionen der Amerikaner folgten ausschließlich Orbiter, also Sonden im Umlaufbahnen. Bis hinunter auf den Mond selbst hat es seitdem nichts mehr geschafft. Und so einfach sei dies schließlich auch nicht, wie der Systemingenieur Richard Fisackerly zu Bedenken gibt, der sich bei Europas Weltraumagentur Esa um bemannten Raumflug kümmert.

"Künftige Missionen sollten am Mond-Südpol aufsetzen. Dort gibt es die besten Lichtverhältnisse und außerdem Rohstoffe für künftige bemannte Expeditionen wie Wasser-Eis. Um dort zielgenau zu landen, müssen wir über die Technik verfügen, mit einem Raumschiff präzise aufzusetzen. Dies wollen wir erst mit einem unbemannten Lander durchspielen, ehe wir Menschen dorthin schicken, die sich dann dieses Know hows bedienen können, möglicherweise im Rahmen einer internationalen Mission."

Krater sind die eine Gefahr für künftige Landungen auf dem Mond, dicke Staubschichten, die das Gewicht einer Abstiegssonde nicht tragen können, eine andere. Das Projekt Lunar Lander ist also in erster Linie ein Technologiedemonstrator, mit dem die Esa beweisen will, dass sie zu automatisch ausgeführten Ausweichmanövern und präzisen Landungen auf einem anderen Himmelskörper in der Lage ist. Fisackerly:

"Die Sonde fliegt völlig autonom. Wir werden sie mit einer Datenbank ausstatten, in der markante geologische Formationen gespeichert sind. Während seines Überfluges wird das Raumschiff Fotos der Oberfläche aufnehmen und sie mit den gespeicherten Daten vergleichen. Es liest also sozusagen ständig seine eigene Karte und kennt daher stets seine genaue Position."

Nach dem Start mit einer russischen Sojus-Rakete soll sich die fast 2,5 Tonnen schwere Sonde aus der Erdumlaufbahn spiralförmig Richtung Mond schrauben, bis dieser sie einfängt. Hat dann aber mit der Landung alles geklappt, wird der Lunar Lander einige Experimente durchführen. So soll er den Mondstaub auf Toxizität untersuchen, verfolgen, wie sich DNA-Stränge unter dem Einfluss von Radioaktivität selbst reparieren, und beobachten, wie der Sonnenwind mit der Mond-Oberfläche wechselwirkt.

"Unsere Nutzlasten sind alle statisch und am Lander selbst befestigt. Einige werden an Teleskop-Armen ausgefahren. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) will einen kleinen Rover beisteuern, der über den Mond fahren und auf eigene Faust Untersuchungen des Mond-Staubes anstellen soll."


Um Kosten zu sparen, soll der Lunar Lander mit den gleichen fünf Triebwerken ausgestattet werden, die derzeit erfolgreich Europas Automatisches Transfer-Vehikel (ATV) zur Internationalen Raumstation tragen. Bauen soll die Sonde der europäische Raumfahrtkonzern EADS Astrium unter Beteiligung weiterer europäischer und kanadischer Firmen. Das endgültige Go für einen Start 2018 wird für das kommende Jahr vom Esa-Ministerrat erwartet.

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