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StartseiteLange NachtAm Vorabend aller Pracht02.10.2010

Am Vorabend aller Pracht

Die Lange Nacht der argentinischen Literatur

Sie eint, dass sie nichts eint. Die Enkel von Julio Cortazar und Jorge Luis Borges orientieren sich heute weder an einer Utopie noch an einer Misere. Am Rio de la Plata herrscht kaum zwei Jahrzehnte nach der Militärjunta, die ihre Macht zu sichern suchte, indem sie Jugendliche zu Tausenden aus Flugzeugen warf, kein Konsens über die Behandlung der Vergangenheit.

Von Michi Strausfeld und Jochanan Shelliem

Skyline von Buenos Aires (AP Archiv)
Skyline von Buenos Aires (AP Archiv)

Aus dem Donnerschlag, mit dem Elsa Osorio den Kindesraub der Militärjunta thematisierte, hat sich der kühl kalkulierte Plot in den Thrillern von Ernesto Mallo destilliert. Die Kinder der Rebellen, auf denen einst die Hoffnung der Studenten von Paris, Berlin und Berkeley lag, brechen das Schweigen, den literarischen verarbeiteten Traumata einer Laura Alcoba steht die dekonstruktivistische Kälte eines Martin Kohan gegenüber, Shootingstars wie Lucía Puenzo und Claudio Piñeiro, thematisieren das Vexierspiel zwischen den Spiegeln von Macht, Medien und Moral am Rio de la Plata in harter und in leichter Kost. Es ist, als haben der Staatsbankrott von 2001 die Szene atomisiert, zu einer Blüte vieler kleiner eigensinniger Verlagsbuchhandlungen geführt, auch zu einer Generation von Autoren, die mangels Markt zu allererst ihrem Instinkt und ihrer Lust am Schreiben folgen, wie Ariel Magnus, dessen Immigrantenthriller die schöne schrille Welt am Rio de la Plata skizziert.

Die Autoren der neuen argentinischen Literatur stehen für die kreative Vielfalt der literarischen Schreibweise am Rio de la Plata.

Gäste der Langen Nacht:
Claudia Pineiro
Alan Pauls
Damián Tabarovsky
Laura Alcoba
Maria Sonia Cristoff


Botschaft der Republik Argentinien

Länderinformationen des Auswärtigen Amts zu Argentinien


Bienvenidos und Willkommen in Argentinien.
Informationen über das südamerikanische Land, von dem gesagt wird, es sei das modernste Südamerikas. Die meisten Einwohner sind europäischer Abstammung, Indianer, also Ureinwohner, gibt es nur noch sehr wenige.

Cultura en Movimiento - Kultur in Bewegung - unter diesem Motto präsentiert sich Argentinien in diesem Jahr als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (6. bis 10. Oktober). Im Frankfurter Instituto Cervantes stellten heute die Organisatoren des Auftritts das argentinische Ehrengast-Programm im Rahmen einer Pressekonferenz vor.
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Literaturhaus Köln e.V.


Frankfurter Buchmesse: Ehrengast 2010 Argentinien
Argentinien präsentiert sich als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2010. Im gleichen Jahr feiert das Land den 200. Jahrestag seiner Unabhängigkeitserklärung. "Es freut mich sehr, dass wir nach Mexiko 1992 und Brasilien 1994 nun erneut ein lateinamerikanisches Land als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse erleben werden.", sagte Juergen Boos bei der Vertragsunterzeichnung.

Die Hauptstadt der Bücher: In Buenos Aires reiht sich auf der zentralen Avenida Corrientes ein Buchladen an den nächsten. Der Bu¨chertempel Ateneo, nicht weit davon, gehört zu den schönsten Buchläden der Welt. Impressionen aus einer Stadt, die ein Eldorado für Leser ist ... (ein Artikel von Edith Werner)
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Die argentinische Autorin Claudia Pineiro (Alejandra Lopes)Die argentinische Autorin Claudia Pineiro (Alejandra Lopes) Claudia Piñeiro
Shootingstar der argentinischen Literatur, wurde 1960 in Buenos Aires geboren. Nach dem Wirtschaftsstudium wandte sie sich dem Schreiben zu, arbeitete als Journalistin, schrieb Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen.

Claudia Piñeiro im Unionsverlag:
und bei Wikipedia

"Piñeiro beweist sich als Meisterin der Ironie. Sie ist in der Lage, Themen von gesellschaftlicher Brisanz mit tiefschwarzem Humor in einen spannenden Roman zu gießen."
Eva Karnofski Rheinischer Merkur Bonn 22.07.2010

Claudia Piñeiro
Die Donnerstagswitwen
Roman.
Aus d. Span. v. Peter Kultzen .
Originaltitel: Las viudas de los jueves
2010 Unionsverlag
Fünfzig Kilometer vor den Stadttoren von Buenos Aires lebt hinter hohen Sicherheitszäunen eine kleine elitäre Gemeinschaft. Ihre Sorgen scheinen sich in der Sommerhitze und deren Folgen für den örtlichen Golfplatz zu erschöpfen. Unter der schönen Oberfläche jedoch schwelen Konflikte, die auch vor den Siedlungszäunen nicht halt machen: Untreue, Alkoholsucht und Ehezwist. Zudem bekommt selbst die privilegierte Gated Community die Auswirkungen der Wirtschaftskrise mit aller Wucht zu spüren. Doch anstatt die Ärmel hochzukrempeln, gehen drei Familienväter einen eigenwilligen Weg, um ihren Lieben den hohen Lebensstandard zu sichern. Ihre Leichen werden am Grund des Swimmingpools gefunden Die Donnerstagswitwen ist das Porträt einer Gemeinschaft, die über ihre Verhältnisse lebt und tödliche Geheimnisse zu verbergen hat. Der preisgekrönte Bestseller ist bereits in vierzehn Sprachen zu lesen und wurde 2009 von Marcelo Piñeyro fürs Kino verfilmt.

Alan Pauls
Alan Pauls, geboren 1959 in Buenos Aires, hat Literatur gelehrt, daneben Drehbücher, Filmkritiken, Essays und sechs Romane geschrieben. Er arbeitet als Kulturkolumnist für eine große Tageszeitung und moderiert eine Fernsehsendung. Sein Werk ist bisher in 14 Sprachen übersetzt worden.
Alan Pauls bei Wikipedia

Alan Pauls
Die Vergangenheit
Aus d. Span. v. Christian Hansen .
Originaltitel: El Pasado
2009 Klett-Cotta
"Die Vergangenheit" ist ein Epos über die Erziehung des Herzens, eine opulente Liebesgeschichte über die Metamorphosen der Leidenschaften, wenn sie ins Dunkel ihrer Nachwelt geraten. Und ein großes Stück Literatur des wichtigsten argentinischen Autors. Nach zwölf Jahren absoluter Liebe, die die Welt nach ihrem Ebenbild zu formen schien, trennen sich Rímini und Sofía. Es sind die Achtziger in Buenos Aires, und für den dreißigjährigen Rímini ist alles wieder so funkelnd wie zu Beginn. Er entdeckt das Begehren neu und wirft sich mit einer jüngeren Frau in eine rauschhafte Suche nach der verlorenen Zeit.
Aber seine Liebe zu Sofía ist nicht gänzlich erloschen, sie hat nur ihre Form verändert. Und als Sofía überraschend in sein Leben zurückkehrt, trägt die frühere Liebe das Antlitz des Entsetzens. Ein ums andere Mal erscheint sie ihm als Rachegespenst, um ihn zurückzueobern, zu quälen, vielleicht zu retten. Und so gerät Rímini in ein Inferno aus emotionaler Erpressung, Verrat und Drogen. Am Ende droht ihm, dass er alles verliert. Oder gibt es eine Liebe nach der Liebe?

"Einer der größten lebenden Autoren Südamerikas!"
Roberto Bolaño
"Mit Alan Pauls zeigt sich, dass die Literaturgeschichte Lateinamerikas umgeschrieben werden muss."
Florian Borchmeyer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.02.2010


Damián Tabarovsky
geboren 1967 in Buenos Aires, hat neben mehreren Romanen zahlreiche literarische und politische Essays geschrieben; 2004 sorgte er mit der Abhandlung "Literatura de izquierda" in seinem Land für eine anhaltende polemische Debatte.
Damián Tabarovsky bei Wikipedia

Damián Tabarovsky
Medizinische Autobiographie
Aus d. Span. v. Heinrich v. Berenberg .
Originaltitel: Autobiografia medica
2010 Berenberg
Einer der unterhaltsamsten argentinischen Intellektuellen schreibt die Autobiographie eines modernen Menschen: Dami ist ein karrieresüchtiger Marketingspezialist, der davon träumt, als perfektes Rädchen die Spitze der Karriereleiter zu erklimmen und die modernste Version des globalisierten Turbokapitalismus voranzutreiben. Dumm nur, dass jedes Mal, wenn die Karriere Fahrt aufnimmt, Probleme von einer vollkommen unberechenbaren Seite kommen: dem eigenen Körper. Der funktioniert nicht so wie das Bild, das Dami von sich selbst macht: Augen, Bandscheiben, Herz, Magengeschwür, Allergien etc. - er ist ein menschliches Wesen, obwohl er gerade das gern vermeiden würde. Ein sehr komisches, sehr kluges, sehr zeitgenössisches Buch, das sich mit beißender Ironie der condition humaine des modernen Stadtmenschen widmet: entwurzelt, modern, ehrgeizig, krank und alles andere als perfekt.



Laura Alcoba
wurde 1968 in La Plata, Argentinien, geboren. Mit zehn Jahren flüchtete sie mit ihrer Mutter nach Paris, wo sie heute als Universitätsdozentin arbeitet. Das Kaninchenhaus ist ihr erstes Buch, es wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
Laura Alcova bei Suhrkamp/Insel:

Laura Alcoba
Das Kaninchenhaus
Roman.
Übersetzung: Angelica Ammar .
Originaltitel: Manège. Petite histoire argentine
2010 Insel, Frankfurt
Mit sieben Jahren ist es schwer zu verstehen, warum der Vater im Gefängnis sitzt und die Mutter im Haus heimlich Flugblätter druckt. Aber Laura versteht. Auch, als sie nicht mehr in die Schule gehen soll, wegen der unangenehmen Fragen dort. Auch, als sie im Kofferraum eines Wagens zu ihren Großeltern gefahren wird. Und sie weiß, wie man auf der Straße Verfolger erkennt und warum sie unter falschem Namen lebt. Es sind die Jahre der Militärdiktatur in Argentinien. Die Montoneros, eine bewaffnete Widerstandsbewegung, der Lauras Eltern angehören, haben in dem heruntergekommenen Haus am Rande von La Plata eine geheime Druckerpresse eingerichtet. Nach außen rechtfertigt eine Kaninchenzucht die politischen Umtriebe der Bewegung. Ebenso beschützend wie bedrohlich, wird das Kaninchenhaus zum Unterschlupf für das jäh der Normalität entrissene Kind, das mit banger Faszination die Welt der Erwachsenen betritt. Aus der berührenden Sicht eines siebenjährigen Mädchens erzählt die argentinische Autorin Laura Alcoba von einer Kindheit, die zugleich Schrecken und Zauber birgt.




Maria Sonia Cristoff
geboren 1965 in Trelew, Patagonien, studierte Literatur in Buenos Aires, wo sie auch heute lebt. Ihre Beiträge erscheinen in verschiedenen argentinischen Zeitungen und literarischen Magazinen, und sie unterrichtet Patagonische Literatur sowie Kreatives Schreiben. Reisen und die Beschäftigung mit nicht fiktiver Literatur sind zentrale Elemente ihrer Arbeit als Schriftstellerin.
Maria Sonia Cristoff bei Wikipedia

María Sonia Cristoff
Patagonische Gespenster
Reportagen vom Ende der Welt
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
Berenberg Verlag
Berlin 2010
Obwohl mein Vater mitten in Patagonien zur Welt kam, sprachen alle um ihn herum Bulgarisch: Meinem Großvater war es gelungen, nicht an einer der Erdölbohrstellen zu enden, wo die meisten seiner ausgewanderten Landsleute Arbeit fanden; stattdessen hatte er ein Stück Land in der Nähe des Río Chubut gekauft - wo sich bereits die walisische Kolonie niedergelassen hatte; dort widmete er sich, unter dem Vorwand, Landwirtschaft betreiben zu wollen, der Gründung seines eigenen Bulgarien. Im Lauf der Zeit sorgte er dafür, dass sich hier in perfekter Nachahmung ihrer Vorbilder die aus der Heimat vertrauten Tiere, die Rhythmen von Aussaat und Ernte, der Joghurt meiner Großmutter, Zeitschriften in kyrillischer Schrift und als gelegentliche Besucher seine bulgarischen Freunde einstellten. Wenn mein Vater das elterliche Grundstück verließ, um mit den Jungen von den benachbarten Höfen Fußball zu spielen, wusste er, dass die Regeln darin bestanden, kräftig gegen die Lederkugel zu treten und dazu diese andere Sprache zu sprechen, deren sich seine blonden Freunde bedienten - schon als kleiner Junge konnte er sich ziemlich gut auf Walisisch ausdrücken, so wie man diese Sprache im Pferdestall verwendete. Danach ging er zurück nach Hause, wo wenig, und wenn, dann Bulgarisch gesprochen wurde. Als er nach Einschätzung meiner Großeltern sechs Jahre alt war, brachten diese ihn eines Tages in das nahegelegene Dorf Gaimán und setzten ihn dort auf eine Schulbank. Mein Vater beobachtete genau, was um ihn herum vorging, und merkte schließlich, dass viele, um nicht zu sagen alle, eine dritte Sprache sprachen - mit den beiden, die er kannte, hatte sie nicht das Geringste zu tun. Diese Sprache hieß Spanisch.
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