• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteEuropa heuteAn die Wand gefahren29.06.2011

An die Wand gefahren

Chinesen scheitern beim Straßenbau in Polen

Polens Straßen, zumindest die wichtigsten Verbindungen, sollen modernisiert werden. Die A2 zwischen Lodz und Warschau sollte ein chinesischer Generalbauunternehmer stemmen. Doch der ist nun pleite gegangen. Ein enormer Schaden für das Image der Chinesen.

Von Henryk Jarczyk

Chinesische Arbeiter, hier in Guangzhou, sind inzwischen auch in anderen Ländern im Einsatz. (AP Archiv)
Chinesische Arbeiter, hier in Guangzhou, sind inzwischen auch in anderen Ländern im Einsatz. (AP Archiv)

Es wird nichts mit dem chinesischen Engagement auf polnischen Autobahnen. Zu billig, zu windig, schlicht: unseriös. Gewerkschaften, polnische Bauunternehmen, selbst Regierungsberater wie Adrian Furgalski, sie alle warnten davor, den Auftrag einer chinesischen Firma zu vergeben. Niemand wollte auf sie hören. Schließlich war man im Infrastrukturministerium mächtig darauf stolz, ein Unternehmen gefunden zu haben, das für einen Spottpreis auf Polens Straßen schuften wollte:

"Ich sagte, ein Erfolg ist das erst, wenn die Autobahn eröffnet wird, denn keiner weiß, ob die Firma nicht vielleicht Pleite geht oder nachträglich Vertragsklauseln ändern will, um die Kosten zu erhöhen. Viele haben gewarnt, nicht nur ich, aber der Minister war taub. Er war dem Hurra-Optimismus erlegen, nach dem Motto wo Wettbewerb herrscht, ist alles billig."

Als Cassandra könnte der Regierungsberater Furgalski sicher Karriere machen. Seine Warnung datiert nämlich vom August des vergangenen Jahres. Und wie sich nun zeigt, hat der Straßenbauexperte Recht behalten. Am Montag lief das Ultimatum der polnischen Auftraggeber an den chinesischen Generalunternehmer ab, die seit Wochen unterbrochenen Arbeiten endlich wieder aufnehmen zu lassen. Polnische Subunternehmer hatten ihrerseits die Tätigkeit eingestellt, weil die Chinesen mit der Begleichung von Rechnungen in Rückstand geraten waren. Nachdem die Herrschaften aus China statt Schecks auszustellen, erst einmal nachverhandeln wollten, platzte der polnischen Straßenbaudirektion der Kragen. Der Vertrag mit dem Baukonzern wurde gekündigt. Die Chinesen sind konsterniert, die Straßenbaudirektion auf der Suche nach an einem neuen Generalbauunternehmer und Premier Tusk zieht nüchterne Bilanz:

"Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Chinesen die Sache verpatzt haben, weil sich die Kooperation in Polen schwieriger gestaltete als sie es erwarteten. Weil sie die Marktverhältnisse hier einfach unterschätzt haben. Ich muss gestehen, dass der Baufortschritt vor drei Monaten noch ganz gut ausgesehen hat. Und nichts deutete daraufhin, dass die Chinesen ihre Aufgaben werden fallen lassen."

Nun will Polen rechtlich gegen den chinesischen Konzern vorgehen. Was nicht wirklich beste Bedingungen schafft für künftige Kooperation dieser Art. Andrzej Maciejewski, stellvertretender Chef der polnischen Straßenbaudirektion kümmert das aber herzlich wenig:

"Wenn die Autobahn nicht rechtzeitig fertig wird, werden wir weniger Einnahmen aus dem Mautsystem haben. Und diese Verluste muss uns nun der zahlen, der die Verzögerung verursacht hat."

Im Klartext: die Chinesen. Von knapp 190 Millionen Euro Entschädigung ist da die Rede. Eine stolze Summe wenn man bedenkt, dass chinesisches Wirtschaftsengagement in Polen vor rund zwei Jahren insgesamt bei 133 Millionen Euro lag. Ein Vergleich dazu: Deutschlands Investitionen in Polen betragen derzeit 22 Milliarden Euro. Womit deutlich wird, dass China auf dem polnischen Markt bislang keine besondere Rolle spielt.

Das sollte sich ändern. Der Autobahnbau hätte dabei sicher als Meisterstück gedient, um endlich im großen Stil auf dem polnischen Markt zu reüssieren. Stattdessen gibt es nun eine Bauchlandung, die zwar laufende Geschäfte - etwa im Bereich der Unterhaltungselektronik - nicht gefährden dürfte. Was weitere Investitionen anbelangt, da werden in Zukunft sicher nicht nur öffentliche Auftraggeber sondern auch private das Angebot aus China zweimal prüfen, bevor sie einen Vertrag schließen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk