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An vielen Fronten

Die Debatte um Verteidigungsminister zu Guttenberg

Von Stefan Maas, Armin Himmelrath, Thomas Reintjes

Karl Theodor zu Guttenberg
Karl Theodor zu Guttenberg (dapd)

Karl-Theodor zu Guttenberg muss sich in diesen Tagen selbst verteidigen. Seit Dienstag nämlich steht der Vorwurf im Raum, der Minister habe seine Doktorarbeit abgeschrieben, vielleicht auch abschreiben lassen - so ganz genau weiß man das alles noch nicht. Eine Chronik der Ereignisse:

Am Mittwoch Morgen ist es ein Foto des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, das den Lesern der Süddeutschen Zeitung zuerst ins Auge springt. Daneben - rechts oben in der Ecke - klein - die Überschrift:

Plagiatsvorwurf gegen Guttenberg - Minister soll bei Doktorarbeit abgeschrieben haben.

Die Süddeutsche Zeitung widmet dieser Story die gesamte Seite zwei - Ihr Thema des Tages. Eine exklusive Geschichte. Zu lesen ist: Am Samstagabend hatte der Berliner Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano einige Passagen der zu Guttenberg'schen Arbeit mit Google überprüft. Routinemäßig - wie er sagt. Und war zunächst auf acht Absätze gestoßen, die nicht aus der Feder des Freiherrn stammten. Die Universität Bayreuth, an der zu Guttenberg summa cum Laude promovierte, wolle die Vorwürfe überprüfen, schreibt die SZ weiter. Der Verteidigungsminister hat die Zeitung am Vortag wissen lassen: Er schaue der Prüfung mit großer Gelassenheit entgegen. Weit weniger gelassen reagieren die Medien. Die FAZ stellt noch am gleichen Tag eine Eilmeldung auf ihre Homepage: Zu Guttenberg habe sich für sein Vorwort auch bei ihr bedient. Der Freiherr nennt alle Vorwürfe abstrus. Bietet aber an, bei einer Neuauflage seiner Doktorarbeit eventuelle Fehler entsprechend zu korrigieren. Versprichts und reist zu den deutschen Soldaten nach Afghanistan. Ohne Journalisten-Begleitung. Gestern - Guttenberg kommt gerade aus Afghanistan zurück - zitiert ihn die Kanzlerin zu sich. Ein abendliches Treffen, bei dem sie sich demonstrativ hinter ihren Minister stellt. Währenddessen steigt die Zahl der entdeckten Plagiate stetig an. Die Frage steht im Raum - Muss zu Guttenberg vielleicht nicht nur seinen Titel, sondern auch sein Amt abgeben? Das fordert zumindest die Opposition. Heute gegen Mittag kommt die Antwort - und sorgt für einen kleinen Eklat. Während ein Großteil der Hauptstadtjournalisten in der Bundespressekonferenz sitzt, um zu hören, was Guttenbergs Pressesprecher zu sagen hat, äußert sich der sonst so medienfreundliche Verteidigungsminister selbst ein paar Straßen weiter in seinem Ministerium. Hinter fast verschlossenen Türen. Nur vor einer kleinen Gruppe ausgewählter Journalisten - Fragen sind nicht gestattet:

"Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. Die eingehende Prüfung und Gewichtung dieser Fehler obliegt jetzt der Universität Bayreuth. Und ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten, allerdings nur bis dahin. Anschließend würde ich ihn wieder führen."

Am Ende der kurzen Erklärung weist der der CSU-Politiker auf seine Verantwortung als Verteidigungsminister hin, die seine volle Kraft verlange. Etwa zur gleichen Zeit wird bekannt, dass ein deutscher Soldat in Afghanistan getötet wurde. Genau in jenem Lager, in dem der Minister gerade die Nacht verbracht hatte. Nur wenige Minuten nach diesem Pressestatement ist Guttenbergs Doktortitel von seiner Homepage verschwunden.

Und: Weg war er, der Titel. Dabei ist der Weg zum Doktor doch so beschwerlich. Da sitzen viele Menschen Nächte lang an ihren Computern, quälen sich mitunter viele Jahre, und nicht wenige geben auf - noch bevor sie zu akademischen Ehren gekommen sind. Den Verteidigungsminister dagegen kostete es nur wenige Minuten, um seinen Titel los zu werden. Jedenfalls vorübergehend los zu werden. Eine kurze Erklärung und das wars. Aber jetzt mal langsam, Tempo raus: Geht das überhaupt? Kann man seinen Titel mal kurz an die Garderobe hängen wie andere Menschen ihren Mantel? Armin Himmelrath ist der Frage nachgegangen.

Christian Birnbaum ist Rechtsanwalt in Köln und spezialisiert auf Hochschul- und Prüfungsrecht. Die Frage, ob man einen Doktortitel oder eine andere wissenschaftliche Auszeichnung einfach ruhen lassen könne, habe er sich auch schon gestellt, sagt Birnbaum. Und er hat, nach kurzer Fachdiskussion mit einer Kollegin, eine klare Antwort gefunden.

"Wir sind übereinstimmend zu der Auffassung gelangt, dass es keinen ruhenden Doktortitel gibt. Es gibt ein ruhendes Verfahren, man kann ein Verwaltungsverfahren ruhen lassen, ein verwaltungsgerichtliches Verfahren ruhen lassen, aber den Verwaltungsakt als solchen - nein, den kann man nicht ruhen lassen."

Und genau um einen solchen Verwaltungsakt handelt es sich, wenn eine Universität den Doktortitel vergibt. Guttenbergs vorübergehende Verzichts-Erklärung wäre aus juristischer Sicht demnach eine Nullnummer. Auch der Vorschlag, die Note der Guttenberg'schen Dissertation nachträglich nach unten zu korrigieren, greift nicht: Denn: Das Bewertungsverfahren ist längst abgeschlossen. Die Note "summa cum laude", zu deutsch "mit höchstem Lob", ist nicht mehr anzufechten und kann deshalb auch nicht zum einfacheren "cum laude" - mit Lob - oder zu einem simplen "rite" - genügend - abgeändert werden. Juristisch, sagt Christian Birnbaum, geht es jetzt eigentlich nur noch um die Frage, unter welchen Bedingungen ein Doktortitel generell wieder zurückgenommen werden kann.

"Da gibt es in jeder Promotionsordnung - und ich hab hier vor mir auch liegen die Promotionsordnung für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth - einen Tatbestand, der vorsieht, dass bei Täuschung der Doktorgrad wieder entzogen werden kann."

Und dabei, sagt der Anwalt, komme es gar nicht so sehr auf die Frage an, wie viel bei einer Arbeit gepfuscht wurde, die Tatsache allein genügt.

"Er muss schon sehen, dass die Gerichte hier in den letzten Jahren beinhart sind. Da reichen geringfügige Täuschungen, jetzt in Anführungszeichen, Fehlzitate, um nachher auch wirklich die wissenschaftliche Arbeit wieder abzuerkennen."

Doch diese Drohung alleine reicht nicht. Viele Experten sehen die Universitäten in der Pflicht: Sie sollen gezielt nach Promotionsbetrügern fahnden - etwa durch den Einsatz einer speziellen Software, mit der geprüft werden kann, ob Arbeiten irgendwo anders abgeschrieben wurden. In den USA werden solche Computerprogramme standardmäßig eingesetzt, an deutschen Universitäten dagegen bisher nur vereinzelt. Man könne die Hochschulen aber nicht zwingen, solche drastische Kontrollen aufzubauen, sagt Wolfgang Marquardt, Vorsitzender des Wissenschaftsrats:

"Ich denke, das ist etwas, was die Hochschulen selbst entscheiden müssen. Ganz klar ist, dass man sicherstellen muss, dass die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis - und dazu gehört eben auch, kein Plagiat zu begehen - auch einhält und einen gewissen Kontrollmechanismus vorsieht, der dieses Einhalten sicherstellt."

Im Falle Guttenberg muss dazu auch geklärt werden, welche Rolle ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags spielt, das der Minister verarbeitet hatte. Christian Birnbaum:

"Erlaubt ist es wohl. Herr Guttenberg macht anscheinend in seiner Arbeit kein Geheimnis daraus, aus diesen Arbeiten zu zitieren. Und dann ist es erst mal wissenschaftlich-rechtlich in Ordnung. Wenn Sie meine Meinung als Steuerzahler hören möchten, sage ich Ihnen, dass ich das nicht in Ordnung finde."

Witz und Tempo, das sind zwei Eigenschaften, die das Internet prägen. Und die Debatte um Guttenbergs Fußnoten eignet sich offenbar hervorragend für dieses junge Medium: Denn nie war es so leicht wie im Zeitalter von Google die Plagiate überhaupt zu finden. Mal abgesehen davon wirken soziale Netzwerke -
wie StudiVZ oder Facebook - beflügelnd auf die Kreativität: "Karl-Theodor zu Googleberg" wird dort gepostet, im Chat gibt ein Wort das andere, dort lassen sich die schnellsten Witze erfinden. Und last, but not least ist die "copy and paste"-Funktion vielen Internet-Usern aus eigenen Bedürfnissen bekannt: Schließlich lassen sich auch Referate und Seminar-Arbeiten dank Wikipedia heute viel schneller schreiben als früher. Wir sind für Sie online gegangen. Und haben festgestellt:

Das Web lacht über Guttenberg ...

... lautet eine Überschrift beim Medienmagazin Meedia.de. Darunter finden sich zahlreiche Beispiele für die zügellose Häme, mit der zu Guttenberg im Internet überschüttet wird. Mit einem gefälschten Bildschirmfoto eines Übersetzungsprogramms wird behauptet, das lateinische "Summa cum laude" bedeute auf Englisch "Copy and Paste" - Kopieren und Einfügen. Bei Ebay bietet jemand die passende Computer-Tastatur im "Guttenberg Layout" an: Sie besteht nur aus den Tasten A, C, V und Steuerung, mit denen sich die Befehle "Alles markieren", "kopieren" und "einfügen" erzeugen lassen. Vielfach machen Wortspiele die Runde und zweideutige Überschriften von Online-Medien werden gefeiert. Etwa aus süddeutsche.de:

Merkel zitiert Guttenberg ins Kanzleramt.

oder aus faz.net:

Guttenberg schreibt Doktortitel vorerst ab.

Nach seiner Erklärung heute Mittag schafft das Wort "Doktortitel" beim Kurznachrichtendienst Twitter den Sprung von den deutschen in die internationalen "Trending Topics". Doktortitel ist damit eines der aktuell weltweit am häufigsten in Twitter-Nachrichten verwendeten Wörter. Neben vielen humorvollen bis gehässigen Nachrichten setzen sich die Twitterer auch sachlich und kritisch mit der Affäre auseinander. Der Nutzer mit dem Namen "Haekelschwein" etwa schreibt:

Ob so was 2011 noch klappt? Im Internet kann die Plagiatsbeweise jeder sehen, und im TV beteuert Guttenberg seine Urheberschaft.

Will heißen: Die vermeintlichen Wahrheiten im Internet erreichen mittlerweile eine solche Masse an Menschen, dass es müßig ist, im Fernsehen Falsches zu behaupten. Mit der Erklärung, die zu Guttenberg einem ausgewählten Kreis von Journalisten gegenüber abgibt, setzt sich auch die viel gelesene deutsche Bloggerin Vera Bunse auseinander.

In der gegenwärtigen Situation erwarten zu Recht Medien und Bevölkerung eine ausführliche Information. Statt aber der versammelten Bundespressekonferenz Rede und Antwort zu stehen, verliest im Verteidigungsministerium ein äußerst nervöser zu Guttenberg mit zittriger Stimme und schwer atmend eine vorbereitete Erklärung. Wer die Medien vorher so verwöhnt hat, darf sich nun nicht wundern, wenn diese ihn nach solch schlechter Behandlung fallen lassen. Mit seinem äußerst unglücklichen Verhalten gegenüber den Medien hat zu Guttenberg allerdings endgültig mehr abgegeben als seine Doktorwürde: seine Glaubwürdigkeit.

Die meist besuchte Seite im derzeitigen Netz-Hype aber ist wohl das Wiki Guttenplag, das weitere kopierte Textstellen ausfindig machen will. Es gibt aber auch die Internetnutzer, die zu Guttenberg zustimmen, wenn er sagt, dass er sich mit voller Kraft um sein Ministeramt kümmern müsse. Der Twitterer Igor Akkermann beispielsweise schreibt:

Ein Bundeswehr-Soldat wurde getötet und alle regen sich über fehlende Verweise und Fußnoten auf. Langsam reicht's!

Christiane Wirtz:Und im Studio in Bremen ist jetzt zugeschaltet Bernd Gäbler, er ist der ehemalige Geschäftsführer des Grimme-Instituts guten Abend.

Bernd Gäbler: Guten Abend, Frau Wirtz.

Christiane Wirtz:Herr Gäbler, in der Tat, da gibt es ein krasses Missverhältnis: In Afghanistan sterben Soldaten, in Deutschland diskutieren wir über einen Titel. Wie geht das zusammen?

Bernd Gäbler: Ja, natürlich ist der Krieg in Afghanistan neben der Bundeswehrreform das sachlich politische Kernthema, mit dem zu Guttenberg verbunden ist. Aber es ist oft so - nicht nur in den Medien, auch im Bewusstsein der Menschen, dass die eigentlichen Polarisierungen über Personen verlaufen, weniger über die Politik, dies ist im Fall Guttenberg ganz besonders so. Ich glaube aber, sowohl er wie auch die Gegner täten gut daran, jetzt nicht das eine für das andere zu instrumentalisieren.

Christiane Wirtz:Im Beitrag haben wir es eben gehört, im Internet werden jetzt Guttenbergs Plagiate gejagt - welche Rolle spielt das Internet in dieser Debatte?

Bernd Gäbler: In dieser Debatte eine sehr große, ich würde sagen, es gibt eine fast einzigartige Dynamik. Wir kennen das vom Internet: Daten sind schnell, Wahrheit braucht Zeit. Diesmal trägt das Internet aber auch zur Vertiefung der Frage bei. Gerade die von Ihnen zitierte Seite, die die Plagiate einzeln auflistet und auch diskutiert, also nicht den Verdacht schon für einen Beweis erklärt, hat doch dazu geführt, dass die Passagen immer mehr wurden, der Plagiats-Verdacht sich immer mehr verdichtete, und man auch diskutiert, dass gerade die Korrekturen an Einzelheiten, an Zahlenangaben usw. doch dafür sprechen könnten, dass auch der Autor wusste, was er da tut.

Christiane Wirtz:Das Internet scheint in diesem Fall die klassischen Medien in diesem mal Fall zu überholen.

Mit Bezug auf die klassischen Medien aber immer.

Christiane Wirtz:Das ist richtig. Da gibt es offenbar eine Wechselwirkung, zumal ja auch viele Zeitungen in ihren Online-Angeboten den Fall aufgenommen haben. Jetzt will ich trotzdem noch einmal auf die ganz klassischen Medien gehen, also auf die, die morgen auf Papier auf unserem Frühstückstisch liegen, und deshalb mal an Sie die Frage: Was glauben Sie, wie titelt die BILD morgen früh?

Bernd Gäbler: Ja, ich bin kein Hellseher und stehe da auch nicht am Balken. aber es gibt im Boulevard die Regel: wer Schlagzeilen macht, der wird nicht fallengelassen. Ziemlich unabhängig zu den Inhalten. Ich könnte mir einen Titel vorstellen: "Doktor Supermann oder doch nur Supermann?" Aber im Ernst glaube ich, sie werden so etwas tickern, wie so Tickerzeichen, etwa Schummelvorwürfe, Doktortitel von Guttenbergs Homepage verschwunden, kein Rücktritt, Kanzlerin stützt Verteidigungsminister, dann kommt etwas kleiner: Mehrheit der Deutschen: Seinen Job macht er "gut", und das "Gutt" dann wieder mit Doppel-T, weil das ist die Linie der BILD-Zeitung, die wird sie auch nicht aufgeben.

Christiane Wirtz:Das klingt fast so, als ob Sie heute bei der Redaktionskonferenz bei der BILD dabei gewesen wären!

Bernd Gäbler: Ich schwöre, ich war es nicht!

Christiane Wirtz:O.k., ich glaub's Ihnen mal! Nun wieder zurück zu Herrn Guttenberg vielleicht, der Plagiats-Vorwurf ist ja nur einer von vielen Vorwürfen, denen Guttenberg sich in den vergangenen Monaten stellen musste. Ich nenne nur Kundus, Gorch Fock und Feldpost. Trotzdem ist Guttenberg nach wie vor der beliebteste Politiker in Deutschland. Wie lange noch?

Bernd Gäbler: Da komme ich zurück zu dem ganz am Anfang Gesagten: Die Person ist generell bei uns oft der Gegenstand der Polarisierung. Bei Guttenberg besonders. Warum so besonders? Weil sein Image, um es markentechnisch zu sagen, sein Markenkern lautet: Ich bin anders, ich rede Klartext, ich bin unabhängig und aufrichtig. Auf seiner Homepage, wo der Doktortitel verschwunden ist, übrigens im Bundestagshandbuch auf der Homepage der CDU/CSU-Fraktion noch nicht, da steht der große Satz: Verantwortung bedeutet vor allem Verpflichtung, Vertrauen, Gewissen. Und daran wird er nun gemessen, und darum die vielen Antipathien und aber auch noch die vielen Sympathien.

Christiane Wirtz:Warum verknüpfen wir diese Werte gerade so sehr mit dem Politiker Guttenberg. Warum ist das nicht irgendjemand anderes?

Bernd Gäbler: Weil er selbst es tut. Er hat sich dargestellt als wertkonservativ, prinzipientreu. Die Familie hat er in seine politische Inszenierung aufgenommen, das haben andere Politiker nicht so stark gemacht. Er spielt mit dieser wertkonservativen Orientierung, nicht etwa mit einer postmodernen Lässigkeit, so etwas könnte es auch an Politikern geben, die sagen: na ja, ich mach' die Politik, weil ich so unabhängig bin. Das ist mir wichtig, aber das ist nicht mein Leben, ich kann mir anderes vorstellen. In Wirklichkeit bin ich ein Genie der Künste, der Lebenskünste, da kann man dann auch mal ein bisschen schummeln, da wollen wir doch nicht so kleinkariert sein bei der Doktorarbeit. Nein, hier sagt einer: ich bin aufrichtig, ich bin akribisch, und daran wird er gemessen. Nicht nur daran, wie die Doktorarbeit im einzelnen ist, sondern wie er jetzt mit dieser Krise umgeht.

Christiane Wirtz:Herr Gäbler, eine letzte Frage mit der Bitte um eine kurze Antwort. als der Minister heute im Ministerium eine kurze Erklärung abgab, waren Journalisten so gut wie unerwünscht. War das geschickt?

Bernd Gäbler: Das war eine große Panne, ein großer Fehler, und man merkt, dass er unsicher ist, weil er immer schon das dementiert, was vielleicht doch dahinter steckt. Er sagt, ich bin nicht gedrängt worden zu dieser Stellungnahme. Das versteht man heute so, Frau Merkel, wollte, dass er schnell eine Stellungnahme abgibt.

Christiane Wirtz:Herr Gäbler, ich danke Ihnen für das Gespräch. Vielen Dank nach Bremen. Und am Ende dieser Sendung wollen wir Sie, unsere Hörer, noch einmal zu Wort kommen lassen. Was halten Sie von der Debatte um den Minister? Hören Sie dazu einige Stimmen, die heute auf unserem Anruf-Beantworter aufgezeichnet wurden.

Bernd Gäbler: Was soll das, es wird überall abgekupfert, in der Industrie, in der Wirtschaft, in der Juristerei ...

Ich arbeite an der Ausbildung von BA-Studierenden, wie soll ich diesen Studierenden nahebringen, korrekt zu arbeiten? Die zeigen mir doch die Nase und sagen mir, ach, wenn der das kann, dürfen wir das auch!

Hier sind politische Kräfte am Werk, die daran interessiert sind, den beliebtesten Politiker Deutschlands zu demontieren.

Solche Leute brauchen wir nicht, die mit Titeln auftreten und sich dadurch ein Vertrauen erschleichen bei der Bevölkerung und möglicherweise bloß deshalb gewählt wurden, weil da vorne dran steht: Doktor!

Christiane Wirtz:Und mit diesen Worten, den Worten unserer Hörer, verabschiede ich mich. Am Mikrofon war Christiane Wirtz.

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