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StartseiteCampus & Karriere „Man muss einen langen Atem haben“08.06.2017

Anerkennung von Credit Points „Man muss einen langen Atem haben“

Alles geplant, vorbereitet und ab zum Erasmus-Semester nach Warschau. Doch auf Luca Horoba wartete an seiner Gast-Hochschule eine böse Überraschung: Seine vorab ausgewählten Kurse fanden zum Teil nicht statt. Ob er ausreichend Credit Points sammeln würde, um die Leistungen in Deutschland anerkannt zu bekommen, stand lange auf der Kippe.

Luca Horoba im Gespräch mit Kate Maleike

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Man sieht Luca Horoba vor seiner Universität in Warschau (Luca Horoba)
Mit Erasmus in Polen: Luca Horoba absolviert derzeit ein Auslandssemester in Warschau (Luca Horoba)
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Kate Maleike: Es ist zweifellos eine der Erfolgsstories der Europäischen Union: Das Bildungs- und Mobilitätsprogramm "Erasmus +"  bekommt viel  Lob in diesen Tagen, denn es feiert seinen 30. Geburtstag. Was 1987 als reines Hochschulaustauschprogramm mit 657 Studierenden begann,  ist inzwischen ein Programm für alle geworden, für Schulen, für die Jugendarbeit, für die berufliche Bildung, den Sport und die Erwachsenenbildung.  Bis zum Jahresende rechnet man mit rund vier Millionen Geförderten.

In diesen Jubel des grenzenlosen Austauschs hageln allerdings auch immer wieder Erfahrungen, die zeigen, dass Erasmus plus auch noch Verbesserungsbedarf hat. Das wird durch die Geschichte deutlich, die Luca Horoba erzählt.  Er ist 23, studiert im 6. Semester Geografie und Soziologie an der Uni Münster . Zur Zeit macht er in Polen ein Erasmus-Semester an der privaten Universität  Collegium  Civitas in Warschau. 

Wie gefällt es Ihnen denn gerade?

Luca Horoba: Tatsächlich sehr gut. Also am Anfang war es natürlich sehr kalt. Mittlerweile ist das Wetter gut geworden, ich habe tolle Leute kennengelernt, und also jetzt geht es auch langsam zu Ende - Ende des Monats. Ich habe jetzt gerade meine Prüfungsphase. Ich bin auch schon ein bisschen traurig - die Zeit vergeht.

Maleike: Aber Sie haben auch nicht nur rosige Zeiten erlebt, denn es gibt handfeste Probleme. Welche sind das?

Horoba: Genau. Also das befindet sich Gott sei Dank auch alles gerade in der Auflösung. Ein großes Problem ist am Anfang gewesen, dass die Kurse, die ich gewählt hatte – die muss man ja im Vorhinein auswählen –, dann tatsächlich doch gar nicht angeboten worden sind, und da das vorher alles mit den Koordinatoren und Koordinatorinnen abgesprochen werden muss, hat das ein bisschen zu Problemen geführt, sodass ich noch neue Kurse wählen musste.

Dann hatte ich jetzt das Problem, dass bei mir im modularen System in Münster entweder drei oder fünf Punkte studiert werden müssen, also dass man entweder acht oder zehn insgesamt für ein Modul braucht, und hier wurden Kurse maximal mit vier Punkten angeboten, und da hatte ich jetzt nach ein bisschen Hin-und-her-Diskussion dann das Glück, dass die Uni in Warschau mir dann tatsächlich noch mal den Punkt mehr für den Kurs gibt, der eigentlich nur vier Punkte wäre, aber das war ein ganz schönes Hin und Her, aber das hat dann auch gut geklappt.

"Unter Umständen kann man dann ohne Kurs nach Hause gehen"

Maleike: Das heißt also, vorher war die Gefahr, dass für die ausgewählten Kurse weniger Creditpoints – das ist ja das, was Sie mit Punkten meinen – gegeben wurden, als Sie eigentlich benötigt hätten, aber das konnten Sie inzwischen regeln.

Horoba: Genau, da habe ich einfach wirklich Glück gehabt, weil es kommt dann natürlich auch in Münster auf die Kulanz des Prüfungsamtes an, wenn es dann auf solche Fälle hinausläuft, wenn man dann nicht die nötigen Punkte kriegt.

Es gibt Fälle, wo die Sachen dann angerechnet werden, und es gibt dann Fälle, wo die nicht angerechnet werden, und unter Umständen kann man dann ohne Kurs nach Hause gehen. Aber das ist, glaube ich, jetzt noch nicht passiert.

Maleike: Die Kursveränderungen waren ja nicht das einzige Problem, das sich für Sie aufgetan hat. Studienzeiträume, Semesterzeiten waren ein weiteres, denn das Sommersemester in Warschau beginnt schon im Februar. Da waren Sie allerdings in Münster noch in der Schlussphase des Wintersemesters.

Horoba: Genau, das ist ein großes Problem. Das hat mich auch sehr gewundert. Ich war da nicht von ausgegangen. Das führt jetzt dazu, dass hier die Kurse jetzt vorbei sind, ich jetzt meine Klausuren habe beziehungsweise meine Hausarbeiten und dann Ende Juno zurückfahre nach Münster und da das Semester noch in vollem Gange ist.

Maleike: Sie haben gesagt, das hat Sie überrascht, also Sie hätten es wahrscheinlich auch nicht erwartet, dass im 30. Jubiläumsjahr von Erasmus solche Unterschiede so, ich sage mal: leise daherkommen, überraschend daherkommen.

Horoba: Ja, also gerade durch die ganze Bologna-Reform und so weiter, die ja eigentlich das Ziel hatte, diese ganzen europäischen Studiengänge anzugleichen, da wundert mich das schon sehr. Also das ist eigentlich ein No-Go, weil das einem schon sehr viele Striche durch die Planungen macht, auch wenn es um Abgaben in der Heimuniversität geht.

"Da wird einem bewusst, was das für unglaubliche Privilegien mit dem Erasmus sind"

Maleike: Was hat Ihnen denn jetzt das Auslandssemester unterm Strich gebracht für Ihre Fächer Geografie und Soziologie?

Horoba: Na ja, also was sehr interessant war, war einfach, noch mal eine ganz andere Sicht auf die Inhalte zu kriegen, weil in Deutschland ist es ja immer noch so, dass die meisten Texte, die gelesen werden, klar, auch auf Deutsch sind, also war auch einmal zum einen sehr schön, die Dinge einmal auf Englisch zu machen – war am Anfang anstrengend, aber man gewöhnt sich schnell dran.

Und einfach auch gerade bei Geografie und Soziologie einfach mal aus der deutschen Sichtweise, sage ich jetzt mal, herauszukommen und einfach mal ein bisschen auf die osteuropäische Perspektive zu gucken, und das, würde ich sagen, hat schon meinen Horizont ein bisschen erweitert.

Maleike: Und was raten Sie jetzt nach diesen Erfahrungen anderen Studierenden? Worauf sollten die unbedingt achten?

Horoba: Dass man sich nie zu sicher sein soll bei den Kursen, dass man sich immer auf Änderung einstellen muss, aber dass es im Endeffekt immer klappt. Man muss eigentlich nur einen langen Atem haben. Auf der persönlichen Ebene, wo ich finde, dass das viel wichtiger ist: Man lernt tolle Leute kennen, das Englisch verbessert sich unglaublich, weil man größtenteils nur auf Englisch redet. Man lernt unglaublich viele Leute aus Osteuropa kennen und lernt diese Privilegien, die manche halt kennen, und in meinem Fall war das halt auch so, dass ich superviele Leute kennengelernt habe, die nicht aus der Europäischen Union kommen, und da wird einem dann auch noch mal bewusst, was das für unglaubliche Privilegien mit dem Erasmus sind und dass das halt schon ein ziemlicher Schatz ist.

Und dass eigentlich der nächste Schritt sein sollte, dass man ein weltweites Austauschprogramm entwickelt, damit man vielleicht noch mehr Verständnis unter den verschiedenen Ländern entwickeln kann, weil das sagen alle. Da hört man auch von den jüngeren Professorinnen und Professoren, dass als sie damals Erasmus gemacht haben, das wirklich einen riesigen Beitrag dazu geleistet hat, andere Länder und andere Kulturen zu verstehen.

Maleike: Luca Horoba, danke für Ihren Erfahrungsbericht zum Auslandssemester mit Erasmus plus im polnischen Warschau. Ja, und trotz allem weiter noch eine gute Restzeit dort, und danke, dass Sie uns erzählt haben!

Horoba: Ja, vielen Dank, sehr gerne!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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