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StartseiteKalenderblattAngefangen hat alles mit einem Kaffee06.08.2011

Angefangen hat alles mit einem Kaffee

Vor 20 Jahren wurde der Projektentwurf zum World Wide Web in das Internet gestellt

Tim Berners Lee, ein Informatiker der Europäische Organisation für Kernforschung, kurz CERN, veröffentlichte vor 20 Jahren eine Art Projektpapier zum World Wide Web. Die Grundlage für das "Web", das Netz, in dem inzwischen Einhundert Milliarden Webseiten existieren.

Von Justus Herrmann

Am CERN nahe bei Zürich wurde das Basispapier zum World Wide Web geschrieben. (Peter Welchering - Deutschlandradio)
Am CERN nahe bei Zürich wurde das Basispapier zum World Wide Web geschrieben. (Peter Welchering - Deutschlandradio)

Am Bildschirm, schwarz auf weiß, eine ziemlich unspektakuläre Textseite, eine Art E-mail;
in der Kopfzeile.

6. August 1991 18:00 Uhr Ortszeit, Genf, Schweiz

Der Autor der Nachricht, dieser News-Group-Mitteilung ist Tim Berners Lee, britischer Informatiker, damals am CERN, an der gigantischen Europäischen Organisation für Kernforschung bei Genf. Der Titel des anderthalb Seiten-Textes:

world wide web - welt weites netz - executive summary - eine Zusammenfassung

Im Internet immer noch zu finden: eine Art eingefrorene Kopie des Konzeptpapiers für eins der weltumspannendsten Projekte überhaupt: Das World Wide Web, das, was für die Computernutzer vor allem als Websites an den Computer- und Handybildschirmen sichtbar wird.

"Das CERN war ein großartiger Ort, das Web zu entwickeln Es ist ein Mikrokosmos mit Menschen aus aller Welt. Und das Web musste es schaffen, sie alle unter einen Hut bringen."

Und angefangen hatte all das, mehr oder weniger - mit einem Kaffee.

"Es begann damit, dass ein gemeinsamer Freund hier am CERN meinte: Tim arbeitet an einer ganz ähnlichen Geschichte wie du. Vielleicht solltet ihr wenigstens einmal einen Kaffee zusammen trinken."

Erzählt Robert Cailliau, Miterfinder des World Wide Web in der Cafeteria des CERN. Das Web war im Grunde das einzige, was den Wissenschaftlern fehlte: ein wirklich funktionierendes System, um ihre Forschungsergebnisse und Dokumente untereinander abzurufen, auszutauschen und zu bearbeiten.

"Wir wollten die gewaltigen Mengen von Informationen und Dokumenten - vor allem hier am CERN - in den Griff bekommen, die hier auf so vielen Computern herumlagen. Das war 1988, 1989."

Für ein neuartiges computergestütztes Bibliothekssystem musste gar nicht einmal so viel Neues aufgebaut werden: das, womit das Web so häufig verwechselt wird, nämlich das Internet, das gab es ja im Prinzip bereits seit den 1950er Jahren: weltweite Computernetzwerke, Unterseekabel, Telefonleitungen für Wissenschaft, Forschung, Militär ...

"Das Internet ist ja quasi nur die Infrastruktur für all das. Ein System, das an sich völlig leer ist - das gar keinen Inhalt hat. Das Internetsystem also, das gab es ja schon sehr viel länger unter Wissenschaftlern und Forschungsinstituten weltweit."

Browsen und Stöbern in Bibliotheken konnte man bis in die 90er Jahre nicht.

"Wissenschaftliche Bibliotheken arbeiten ja schon lange mit Hypertext- und präzisen Verweissystemen. Wenn man etwas finden will, dann kann man das andere Buch und das Zitat auch finden - und wenn man sich das Buch auch aus irgendeiner Bibliothek von irgendwoher auf der Welt kommen lassen muss. Die ganze Sache hat ja bereits wunderbar funktioniert und wurde ganz heftig benutzt - allerdings mit Papier. Was wir im Grunde gemacht haben, war, dass wir dieses Verfahren auf Computersysteme übertragen haben."

Die Welt als Text: Das World Wide Web ist im Grunde ein einziger, riesiger Text aus allen jemals erfassten Texten dieser Welt. Verbunden und verknüpft über die Kernfunktion: die Links, die anklickbaren Wörter, die Hyperlinks - klickt man drauf, springt man zur logisch verbundenen anderen Stelle im Texte-Universum. Egal, auf welchem Rechner dieser Welt dieses Textfragment nun gerade liegt.

Einfachheit, Offenheit und die Politik des CERN, von Anfang an auf Patente und auf Lizenzgebühren zu verzichten, machten das Web zum Motor der Digitalisierung weltweit. Tim Berners Lee ist früh schon vom CERN in die USA gegangen an das von ihm mitgegründete internationale WorldWideWeb Consortium - eine Art UNO des Web -, um das Netz vor allzu großen Begehrlichkeiten aus Politik und Wirtschaft abzusichern.

"Heute haben wir zehn hoch elf - Einhundert-Millarden! - Websites in der Welt, und es werden laufend mehr. Das Netz ist groß, vielfältig und kompliziert, es ist also notwendig, das Netz in jeder Hinsicht sorgfältig zu beobachten. Wir haben gerade eine neue, internationale Initiative gestartet, die sich zu etwas verpflichtet, das wir Netzwissenschaften nennen. Denn das Ziel der Netzwissenschaften ist - dass das Netz wirklich cool bleibt. Oder sagen wir es besser so: Die Entwicklungen und Steuerungen im Netz müssen der Menschheit dienen - auf optimale Weise."

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