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StartseiteInterview"Mit ganz ruhiger Entschlossenheit und Entschiedenheit"28.03.2016

Angela Merkels Flüchtlingspolitik "Mit ganz ruhiger Entschlossenheit und Entschiedenheit"

In ihrer Flüchtlingspolitik lasse sich Angela Merkel von anderen nicht aus der Ruhe bringen, sagte der Theologe Friedrich Wilhelm Graf im Deutschlandfunk. Er sieht die Kanzlerin in der Tradition des deutschen Protestantismus, "der immer für eine politische Ethik einstand, in der es stets um das Verfolgen von sachnahen Lösungen ging, um wenig Aufregung, um Gelassenheit und um rationale Nüchternheit".

Friedrich Wilhelm Graf im Gespräch mit Birgid Becker

Der protestantische Theologe Friedrich Wilhelm Graf. (picture alliance/dpa - Horst Galuschka)
Der protestantische Theologe Friedrich Wilhelm Graf. (picture alliance/dpa - Horst Galuschka)
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Dass die deutliche Mehrheit Merkels Kabinett, genau wie die Kanzlerin auch, dem Protestanismus angehört, sei auf 1989 zurückzuführen, sagte Wilhelm Graf. "Über die Revolution in der DDR sind einfach sehr viele protestantische kirchennahe Akteure in die deutsche Politik gekommen."

Dass Merkel in der Flüchtlingsfrage plötzlich eine sehr klare moralische Haltung zeige, sei "bei manchen nicht gut angekommen". Hat sich die Kanzlerin also von der der empathielosen Realpolitikerin zur Moralistin gewandelt? Graf: "Ich glaube, dass die Änderung nicht so fundamental ist, wie das in der Presse oft behauptet wird. Ich glaube nicht, dass die 'ältere Angela Merkel' eine bloße pragmatische Machterhaltungstechnikerin war. Auch da hat sie an bestimmten Punkten sehr klar Grenzen definiert." Diese Grenzen seien zum Beispiel in ihrer Griechenland-Politik deutlich geworden.

Über den politischen Katholizismus in Deutschland sagte Graf, dass dieser sicherlich schon stärkere Phasen erlebt habe als in der Gegenwart. Vor allem in Fragen wie der der Abtreibung, der Forschung an humanen embryonalen Stammzellen oder der Anerkennung der Homosexuellen-Ehe hätten Repräsentanten des politischen Katholizismus in der CDU immer Positionen vertreten, die sich im Bundestag nicht als mehrheitsfähig erwiesen hätten.

Zu beobachten sei, dass es starke protestantische Kräfte in der CDU gebe, die auf die Modernisierung der Partei gesetzt hätten und bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen für selbstverständlich hielten.

Das vollständige Interview können Sie ab Sendedatum sechs Monate in unserem Audio-Player nachhören.

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