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Seit 16:35 Uhr Forschung aktuell
StartseiteForschung aktuellAngst vor dem Super-Virus22.02.2005

Angst vor dem Super-Virus

Neue HIV-Variante widersetzt sich vielen Aids-Medikamenten

<strong>Medizin. - Schnell verbreitete sich die Nachricht von einer superaggressiven und überdies resistenten Variante des HI-Virus über die ganze Welt. Symptome der Immunschwäche treten offenbar viel früher auf als bei den bisher bekannten Virusvarianten. Vor allem Personen aus Risikogruppen fühlen sich jetzt wieder zurückversetzt in die 80er Jahre, als die Medizin dem Erreger hilflos gegenüber stand. </strong>

Super-Virus oder unglückliche Umstände: neue HIV-Variante.  (amnh.org)
Super-Virus oder unglückliche Umstände: neue HIV-Variante. (amnh.org)

Als die ersten Meldungen über ein besonders aggressives Virus in Fachkreisen kursierten, hätten auch Experten sehr besorgt reagiert, schildert Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Institutes für Allergien und Infektiöse Krankheiten: "Die Befürchtung war, es könnte sich um das befürchtete das Super-HI-Virus handeln. Aber bislang stehen nur relativ wenige Daten zur Verfügung." Die New Yorker Gesundheitsbehörden hätten womöglich etwas zu rasch reagiert, schätzt Fauci. Zumindest belegen erste Tests im Reagenzglas, dass die neu aufgetauchte Variante unempfindlich ist gegen 19 von 20 üblichen Medikamenten, also auch gegen die drei Hauptklassen von Wirkstoffen, mit denen Infizierte inzwischen recht erfolgreich behandelt werden können. Auch ist bestätigt, dass der infizierte 40-Jährige sehr schnell nach der Infektion erste Symptome entwickelte. Allerdings dürfte die Zeitspanne nicht, wie berichtet wurde, zwischen zwei und acht Wochen gelegen haben. Nach genaueren Recherchen grenzen Fachleute die Dauer nach Infektion auf zwischen zwei und maximal 20 Monate ein, bis die Immunschwäche einsetzte.

Doch auch dieser längere Zeitraum ist sehr kurz im Vergleich mit bislang bekannten Virustypen, bei denen es bis zu zehn Jahre dauern kann, bis Aids ausbricht. Aber, so unterstreicht Fauci, noch sei nicht klar, ob die schnelle Manifestation im Erreger begründet liegt oder auf Besonderheiten des Patienten zurückzuführen ist. So habe der Betreffende nachweislich Metamphetamin konsumiert. Die starke synthetische Droge könnte einen schwächenden Einfluss auf das Immunsystem gehabt haben. Auch genetische Faktoren wollen die Mediziner noch nicht als "Brandbeschleuniger" ausschließen. Andere Fälle von ähnlichen Infektionen kursierten zwar früh, konnten aber noch nicht bestätigt werden. Derzeit recherchieren Wissenschaftler Kontaktpersonen des Infizierten und fahnden nach möglichen weiteren Erkrankungsfällen. Sollten sich Ansteckungen finden, wird dann geprüft, ob sich das Virus dabei ebenso ungezügelt verhält.

In jedem Fall sprechen Experten von einem Weckruf, auch wenn es sich diesmal noch nicht um ein Super-Virus handelt. Denn immerhin rund 13 Prozent der HI-Virustypen in den USA sind multiresistent gegen Medikamente. Andererseits stellen Ärzte eine zunehmende Laxheit im Umgang mit der Gefahr fest: der ungeschützte Sexualverkehr ist auf breiter Front - auch in Risikogruppen - wieder auf dem Vormarsch. Ein Phänomen, dass auch in Deutschland zu sehen ist. "Viele Leute glauben, dass die Bedrohung wegen der verfügbaren Medikamente kleiner sei oder gar, das Aids geheilt werden könne. Das ist aber definitiv nicht der Fall - es ist eine tödliche Krankheit", warnt Anthony Fauci eindringlich.

[Quelle: Martin Winkelheide]

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