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StartseiteEuropa heuteFrankreich sitzt auf dem Trockenen12.08.2015

Anhaltende HitzeFrankreich sitzt auf dem Trockenen

Waldbrände, zu warme Flüsse und schmelzende Gletscher: Frankreich kämpft mit Hitze und Trockenheit. Darunter leiden vor allem viele Bauern. Die Kühe geben weniger Milch und auch die Ernteaussichten sind düster.

Von Barbara Kostolnik

Die Sonne scheint über einem vertrockneten Maisfeld in Saint-Bonnet-de-Mure in der Nähe von Lyon. (afp/ Philippe Desmazes)
Das französische Agrarministerium rechnet mit 30 Prozent weniger Mais bei der diesjährigen Ernte. (afp/ Philippe Desmazes)

Dieser Mais. Er will einfach nicht wachsen:

"Normalerweise ist der Mais etwa zwei Meter hoch, aber hier haben wir total verkümmerte, gerade mal einen Meter hohe Pflanzen."

Die Bäuerin Cecile Grand aus dem Rhône-Tal bei Lyon hat nicht nur mit dem Mais zu kämpfen, der aufgrund des Wassermangels nicht so wächst, wie er soll. Schon jetzt hat sie den Großteil des Futters, das eigentlich für die Wintermonate vorgesehen war, an ihre Tiere verfüttert, jetzt muss sie zukaufen. Auch ihre Tiere, Milchkühe, leiden unter der Hitze und Trockenheit:

"In der ersten Juli-Hälfte war es furchtbar, sie gehen gar nicht mehr raus, haben große Mühe aufzustehen, sie sind total erschöpft."

Und geben auch viel weniger Milch: Etwa zehn Prozent schätzt Cecile Grand. Die enorme Trockenheit hat vielerorts dazu geführt, dass Wasser gespart werden muss: Christian Mayet würde in seinem Garten in Südfrankreich gerne gießen, wenn er sich seine Pflanzen so anschaut:

"Das hatten wir wirklich noch nie hier, es ist irre trocken, aber wenn ich gieße, dann muss ich zahlen, keine Ahnung, wann das vorbei ist."

1.500 Euro Strafe droht denjenigen, die gegen die Auflagen der Präfekturen verstoßen. Halb Frankreich muss per Verordnung Wasser sparen: Autowäsche, Schwimmbad-Befüllung, alles ist eingeschränkt. Und wenn dann auch noch das Schweizer Militär 50.000 Liter Wasser aus französischen Seen stiehlt, um den Durst von Schweizer Kühen zu stillen, kocht die Volksseele natürlich:

"Man hätte das verstehen können, wenn es sich um einen Waldbrand oder eine Katastrophe gehandelt hätte, aber hier fragt man sich schon, was das soll."

Mokierte sich Bernard Mamet, der Bürgermeister der beklauten Gemeinde im französischen Jura. Mittlerweile haben sich die Gemüter wieder beruhigt, und alle leiden gemeinsam unter der Trockenheit. In den Alpen und andernorts:

"Das ist katastrophal", sagt dieser Angler, "seit 12 Jahren war es hier im Gard nicht so trocken."

Gemeinsam mit anderen Freiwilligen rettet er hunderte Forellen in Südfrankreich vor dem Trockenen.

"Wir betäuben sie kurz mit Strom, fischen sie dann aus dem flachen Wasser und setzen sie um in tieferes Wasser."

Eine Sisyphos-Arbeit, denn oft verdunstet das Wasser schneller als die Helfer die Fische umsetzen können. Bei allem Lamento aber gibt es wenigstens ein paar Menschen, die sich über Hitze und Trockenheit freuen: und es sind nicht die ewigen Sonnenanbeter an den Stränden:

"Ich erinnere mich an 1976, da war es ähnlich gut, und vielleicht noch 2006", schwelgt dieser nordfranzösische Getreidebauer. Denn für Weizen oder Gerste ist die Hitze um diese Jahreszeit perfekt:

"Sehr gut, was Proteine betrifft, Feuchtigkeit, wir haben eine gute Qualität."

Nach drei eher durchschnittlichen Ernten in den vergangenen Jahren also ein Lichtblick – zumindest beim Getreide. Was die Exportnation freut: Frankreich ist der größte Weizen-Produzent in der EU.

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