Campus & Karriere / Archiv /

Annette Schavan droht die Aberkennung ihres Doktortitels

Am Dienstag berät die Philosophische Fakultät der Uni Düsseldorf

Von Jürgen König

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat den Vorwurf einer Täuschungsabsicht in Bezug auf ihre Doktorarbeit, mit der sie auch ihr Studium abschloss, zurückgewiesen. Der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf wird nun über das Verfahren zur Titelaberkennung entscheiden.

Den Vorwurf der Täuschungsabsicht hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan stets zurückgewiesen – und hat ansonsten in den letzten Monaten nicht mehr dazu gesagt als dass sie kämpfen werde.

"Ich kann wirklich gut verstehen, dass Sie von mir mal was hören wollen. Ich sage aber heute nichts anderes als in den Wochen zuvor und in den Wochen, bis Düsseldorf fertig ist. Aus Respekt vor der Wissenschaft – und dann können wir ganz viel darüber reden."

"Bis Düsseldorf fertig ist... " das könnte morgen der Fall sein. Dass der Promotionsausschuss dem Fakultätsrat empfehlen werde, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten, wurde durch eine Indiskretion schon im Oktober bekannt, als das als "vertraulich" eingestufte Gutachten an einzelne Medien gelangte. Eine "leitende Täuschungsabsicht" sei zu erkennen, so zitierte der "Spiegel" den Gutachter Stefan Rohrbacher; auf 60 Seiten der erziehungswissenschaftlichen Doktorarbeit von 351 Seiten habe Annette Schavan Originalquellen zitiert, ohne sie als Zitate kenntlich zu machen. Wegen dieser Indiskretionen wurde der Promotionsausschuss heftig kritisiert, auch wurde beanstandet, dass nur ein Gutachter bestellt worden sei, dass man sich mit dem Verfahren zu viel Zeit ließe und dass mit Stephan Rohrbacher ein Judaistik-Professor dem Ausschuss vorsitze, kein Erziehungswissenschaftler. Die Universität Düsseldorf bedauerte die Indiskretion, gelobte Aufklärung und beauftragte den Bonner Rechtswissenschaftler Klaus Ferdinand Gärditz mit der Überprüfung des Verfahrens. Sein Rechtsgutachten wurde am letzten Mittwoch veröffentlicht – mit dem Ergebnis, "rechtlich relevante Verfahrensfehler" seien nicht festzustellen". Dieses Gutachten nahm wiederum die "Allianz der Wissenschaftsorganisationen" am Freitag zum Anlass für eine Stellungnahme; man "habe diese Bewertung zur Kenntnis" genommen, die "verfahrensrechtliche Korrektheit" müsse "unverzichtbarer Verfahrensbestandteil" sein – aber:

"Gleichwohl ist sie nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung, um die Entscheidung über die Aberkennung eines Doktorgrades zu begründen. Letzteres setzt vielmehr auch in der Wissenschaft übliche Verfahrenselemente wie das Mehraugen-Prinzip, die Trennung von Begutachten, Bewerten und Entscheiden sowie eine angemessene Berücksichtigung des Entstehungskontextes voraus, dessen inhaltliche Bewertung nur auf der Basis einschlägiger fachwissenschaftlicher Expertise vorgenommen werden kann."

Für ihre Erklärung wurde die "Allianz", deren Einrichtungen Milliarden vom Bundesforschungsministerium bekommen, inzwischen kritisiert, etwa vom Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen. Im Düsseldorfer Verfahren sei nichts falsch gemacht worden, durch die Allianz sei aber der "fatale Eindruck" entstanden, "politisch wünschenswerte Ergebnisse könnten öffentlich herbeigeredet werden."

""Ich glaube, die Organisationen, die hier intervenieren, die leisten nicht nur der Wissenschaft einen Bärendienst, sondern nicht zuletzt auch Frau Schavan. Denn einen Prominentenbonus, den kann es weder für Minister noch für sonst irgendjemanden geben; Frau Schavan ist hier in der Rolle eines Jedermann, der in einem ganz bestimmten wissenschaftlichen Verwaltungsverfahren sich befindet, da gibt es keine Vorteile oder Nachteile für Ministerinnen. "

In der vergangenen Woche wurden abermals Einzelheiten des Verfahrens bekannt: Die "Süddeutsche Zeitung" meldete, der Promotionsausschuss sei zu einem "etwas milderen" Urteil gekommen, der Vorwurf laute nicht mehr, "absichtlich getäuscht" zu haben. Annette Schavan habe aber mit ihrer Zitierweise "in Kauf genommen, gegen die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen zu haben". Bei seiner Empfehlung, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten, werde man bleiben. Dass der Rat dieser Empfehlung folgen wird, halten in Wissenschaftskreisen viele für wahrscheinlich. Dass würde nicht automatisch den Entzug des Titels nach sich ziehen: Annette Schavan schloss ihr Studium mit der Promotion ab, würde ihr der Titel entzogen, hätte sie keinen Studienabschluss mehr – das könnte im Rahmen von Ermessensüberlegungen eine Rolle spielen.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Campus & Karriere

BiologieDer Titanwurz blüht in Kiel

Blick auf eine Titanwurzpflanze (Amorphophallus titanum)

Er stinkt bestialisch - wie ein toter Elefant. Dennoch kommen Pflanzenfans aus nah und fern, um ihn einmal zu sehen: Der Titanwurz gehört zu den außergewöhnlichsten Pflanzen der Welt. Anders als andere Pflanzen blüht er nicht jedes Jahr. Nun war es im Botanischen Garten Kiel wieder einmal soweit.

Sprachkurs"Auf die deutsch-chinesische Freundschaft - Prost!"

Eine Miniatur-Chinaflagge hängt neben einer Miniatur-Deutschland-Flagge an einem Ständer, der auf einem Tisch steht. Im Hintergrund sitzen Menschen am Tisch.

Wer in China Geschäfte machen will, sollte sich nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit der Kultur des Landes auskennen. Vieles beruht auf persönlichen Kontakten. In einem Crashkurs der IHK bekommen die Teilnehmer deswegen auch einen Einblick in das Wertesystem Chinas.

SchwerpunktthemaHelikopter-Eltern: Zwischen Förderwahn und Handlungszwang

Ein Frau spricht mit ihren Kindern.

Sie backen Kuchen oder renovieren Klassenräume: Doch engagierte Eltern ernten nicht nur Applaus. Einige klinken sich so präsent in die Bildungskarrieren ihrer Kinder ein, dass sie besonders für Lehrkräfte zum Reizthema geworden sind. Als "Helikopter-Eltern" kreisen sie wachsam bis zu Studium und Berufseinstieg über ihren Kindern.