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StartseiteInformationen am MittagVerwirrung um Bekennerschreiben20.02.2016

Anschlag in AnkaraVerwirrung um Bekennerschreiben

Eine kurdische Extremisten-Gruppe hat sich in einem Schreiben zum Terroranschlag von Ankara bekannt. Das passt aber nicht zu den Ermittlungsergebnissen der türkischen Behörden. Die hatten einen Syrer als Attentäter identifiziert, der der kurdischen Miliz YPG angehört haben soll. Zweifel an den offiziellen Ermittlungsergebnissen gab es von Anfang an.

Von Thomas Bormann

Verwandte trauern um einen der in der türkischen Hauptstadt Ankara getöteten Soldaten, während der Sarg an ihnen vorbeigetragen wird. (picture alliance / dpa / Tolga Bozoglu)
Trauer in Ankara um die 28 Menschen, die bei dem Autobomben-Anschlag getötet wurden. (picture alliance / dpa / Tolga Bozoglu)
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Die Gruppe nennt sich "Freiheitsfalken Kurdistans"; Sie hat sich vor etwa elf Jahren von der PKK abgespalten. Auf ihrer Homepage veröffentlichte die Gruppe gestern Abend ein Bekennerschreiben.
Darin heißt es, so wörtlich: "Wir haben im Herzen des faschistischen, türkischen Staates in Ankara zugeschlagen." Die Gruppe übernimmt also die Verantwortung für den Terroranschlag, bei dem am Mittwochabend 28 Menschen getötet wurden. Die Tat sei eine Reaktion auf die türkischen Militäreinsätze gegen Kurden im Südosten der Türkei, heißt es, und: Die Gruppe nennt auch den Namen des Selbstmord-Attentäters, der den Sprengsatz in dem fahrenden Auto gezündet haben soll: Es sei ein 26-jähriger Kämpfer aus der osttürkischen Stadt Van gewesen, heißt es in dem Bekennerschreiben.

Damit widerspricht die Gruppe den Ermittlungsergebnissen der türkischen Behörden. Die hatten nämlich schon am Morgen nach der Tat einen anderen Mann als Selbstmord-Attentäter identifiziert, nämlich einen 23-jährigen Syrer, der der kurdischen Miliz YPG angehört haben soll. Das bedeutet: Entweder ist das Bekennerschreiben falsch oder eine bewusste Irreführung – oder die türkischen Ermittler liegen falsch.

Kurdenmiliz YPG wehrt sich gegen Anschuldigungen

Zweifel an den offiziellen Ermittlungsergebnissen gab es von Anfang an. Die beschuldigte Kurdenmiliz aus Syrien, YPG, hatte bestritten, hinter dem Anschlag zu stecken. Die Miliz hatte stattdessen der türkischen Regierung vorgeworfen, sie habe die Anschuldigung erfunden, weil sie einen Vorwand brauche, um die syrischen Kurden zu bekämpfen. Der türkische Präsident Erdogan wiederum hatte gestern mehrfach betont, es bestehe kein Zweifel daran, dass der Anschlag von der syrischen Kurdenmiliz YPG zusammen mit der PKK verübt worden sei. Die türkische Armee hat bereits Vergeltung geübt und von türkischem Boden aus Stellungen der Kurdenmiliz im Norden Syriens beschossen.

Die Türkei will erreichen, dass die syrische Kurdenmiliz YPG international als Terror-Organisation geächtet wird, vor allem auch von den USA. Genau das lehnt die US-Regierung jedoch ab. Ein Sprecher des Außenministeriums in Washington sagte gestern Abend, die Sichtweise der USA habe sich nicht geändert, die Kurdenmiliz YPG habe sich als effektiver Partner im Norden Syriens erwiesen. Die YPG kämpft dort nämlich erfolgreich gegen IS-Terrormilizen. Zu den Folgen des Anschlags in Ankara zählt nun also auch, dass sich der Streit zwischen den NATO-Partnern USA und Türkei über den Umgang mit den syrischen Kurden deutlich verschärft hat.

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