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StartseiteSport AktuellNachhilfestunde mit US-Chefermittler Tygart 30.10.2014

Anti-DopingNachhilfestunde mit US-Chefermittler Tygart

Travis Tygart ist im Anti-Doping-Kampf eine Ikone, nicht erst seit er Ex-Radprofi Lance Armstrong zu Fall gebracht hat. Jetzt war der Chefermittler der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA auf Stippvisite in Bonn, bei den deutschen Kollegen.

Bastian Rudde

Der Vorsitzende der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, Travis Tygart, vor Beginn einer Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin (picture alliance / dpa / Marc Tirl)
Der Vorsitzende der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, Travis Tygart, vor Beginn einer Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin (picture alliance / dpa / Marc Tirl)

Travis Tygart ist ein Freund offener Worte. Die wählt der Chef der US-Anti-Doping-Agentur auch in Deutschland – einem Anti-Doping-Entwicklungsland, in manchen Punkten.

„Wir müssen über Unabhängigkeit sprechen. In Deutschland kontrollieren Sportverbände ihre Athleten teilweise immer noch selbst. Das ist kein effektiver Weg und wäre in den USA nicht möglich."

Beispiel Fußball: Wenn ein Spieler kontrolliert wird, dann auch vom DFB und nicht nur von der unabhängigen Nationalen Anti-Doping-Agentur. Noch. Denn ab 2015 darf laut einem neuen, weltweiten Anti-Doping-Regelwerk nur noch ausschließlich die NADA testen. Mehr Aufwand, mehr Kosten, sagte NADA-Chefin Andrea Gotzmann und fordert auf der großen Tygart-Bühne mehr Geld.

„Durch viele zusätzliche Aufgaben der Stiftung muss das derzeitige Budget von 7,7 Millionen auf zehn Millionen Euro erhöht werden!"

Die NADA-Finanzierung – ein Problem im deutschen Anti-Doping-Kampf. Ein anderes ist die Vergangenheitsbewältigung. Travis Tygart hatte sich mit Opfern des DDR-Staatsdopings getroffen und mahnt:

„Ich glaube, wir machen unseren Job nicht gut, wenn wir nicht auch in die Vergangenheit gucken und die Lektionen aus der Vergangenheit lernen."

Deutschland tut sich damit schwer, sagt Ines Geipel, die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins. Für die Schicksale der gesundheitlich teilweise schwer geschädigten DDR-Doping-Opfer übernehme keiner Verantwortung.

„Das macht der Sport selber nicht und das macht vor allem auch die Politik nicht. Und wir brauchen eine Lösung. Wir haben keinerlei Zeit mehr. Die Athleten sterben."

Für Travis Tygart sind die Doping-Opfer von damals und die Doper von heute auch die Folge eines Fehlers im weltweit zu siegorientierten Leistungssportsystem. Und so beendet der Vorzeige-Doping-Jäger aus den USA seinen Besuch in Deutschland mit dem Appell umzudenken.

„Es gibt etwas Wichtigeres als nur zu gewinnen. Sauber zu gewinnen, das ist der einzige Weg."

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