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StartseiteInterviewApple: Mit Design erfolgreich06.10.2011

Apple: Mit Design erfolgreich

Medienwissenschaftler würdigt die Leistungen des Apple-Gründers Steve Jobs

Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs sei kein technischer Innovator, sondern ein "Innovator im Sinne des Lifestyles" gewesen, sagt Peter Zec, Professor für Medien- und Kunstwissenschaften. Doch damit habe er unser Leben erheblich bereichert.

Peter Zec im Gespräch mit Friedbert Meurer

Apple-Chef Steve Jobs auf der MacWorld Conference und Expo 2007 in San Francisco (AP)
Apple-Chef Steve Jobs auf der MacWorld Conference und Expo 2007 in San Francisco (AP)

Friedbert Meurer: Peter Zec ist Professor für Medien- und Kunstwissenschaften und im Ehrenrat des internationalen Design-Dachverbands. Guten Tag, Herr Zec!

Peter Zec: Guten Tag!

Meurer: Was ist für Sie die besondere Leistung des Apple-Gründers Steve Jobs?

Zec: Ja, ich meine, aus der Designsicht muss man natürlich sagen, dass er diese Affinität zum Design hatte. Das ist natürlich für uns alle sehr bedeutsam, und ich glaube, er hat damit auch Maßstäbe gesetzt für die Zukunft und ein gutes Vorbild gegeben für viele andere Unternehmen, dass man mit Design erfolgreich sein kann.

Meurer: War es das Design der Software oder des Äußeren, des Gerätes?

Zec: Also, entscheidend war für mich die Rückkehr von Steve Jobs in die Firma, nachdem er ja vorher sozusagen ausgebootet worden war. Da erkannte er, dass die Geräte, die Apple bis dahin hergestellt hatte, alle nicht mehr sexy waren. Und das hat er auch seinen Managern vorgeworfen. Und dann hat er den Laden erst mal natürlich grundlegend gesäubert. Und das Unternehmen verfügte nicht über genügend gute Technik, sodass er dann einfach wirklich auf den Faktor Design gesetzt hat mit dem neuen iMac. Der iMac war ja eigentlich ein relativ schwacher Computer, aber er hat sozusagen durch seine äußere Erscheinung die gesamte Branche revolutioniert.

Meurer: Warum ist die äußere Erscheinung und das Design eines Produkts so wichtig oder kann so wichtig werden?

Zec: Ja, ich glaube, das hat natürlich mit der Computerindustrie zu diesem Zeitpunkt zu tun gehabt. Jobs hat erkannt, dass diese Industrie durch äußere Langeweile geprägt war, also graue Apparate, die wenig ansehnlich waren, und er hat dann darauf gesetzt, dass er mit einer vollkommen neuen Erscheinung und mit vielen neuen Farben in diesem Bereich etwas bewegen kann, auch selbst, wenn die Technik nicht sozusagen Schritt halten konnte mit anderen Anbietern.

Meurer: Geht so etwas auch in anderen Bereichen als mit Computerprodukten, dass man sozusagen auf Knopfdruck und mit Hilfe von Designern und guten Ideen aus etwas Grauem eine so bunte Welt machen kann?

Zec: Ja, wir haben das natürlich auch in anderen Bereichen, wie beispielsweise selbst im Haushalt, im Badbereich zum Beispiel können Firmen durch neue gestalterische Ansätze sozusagen Impulse setzen. Beispielsweise hat mal Philippe Starck ja ein Bad revolutioniert und damit auch sozusagen diesen ganzen Bereich ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Oder die Automobilindustrie zum Beispiel basiert ja ausschließlich auf derartigen Ansätzen.

Meurer: Gehört zum Design auch, dass damit ein technisches Produkt einfach zu bedienen wird?

Zec: Ja, das ist der Schlüssel für den Erfolg von Apple dann später. Also Steve Jobs - das ist, glaube ich, kein Geheimnis - war ein großer Verehrer von europäischem und nicht zuletzt auch deutschem Design. Und in Deutschland legen wir ja großen Wert auf die Gebrauchseigenschaften von technischen Geräten. Das ist wirklich ein wesentlicher Bestandteil der Designleistung. Und Apple machte es wirklich kinderleicht, die Geräte zu bedienen, und ich glaube, das war dann wirklich auch der Durchbruch für diese Geräte: Nicht nur die schöne Form, sondern eben auch die Einfachheit in der Bedienung.

Meurer: Gibt es da einen unmittelbaren Einfluss des deutschen Designs auf Steve Jobs?

Zec: Ja, es wird immer wieder natürlich gesagt, dass er sehr inspiriert worden ist durch das Braun-Design, durch die Geräte, die Braun in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren gemacht hat, und sein Designer Jonathan Ive bekennt sich ja auch dazu, dass er die Arbeit von Dieter Rams, dem damaligen Chefdesigner von Braun, sehr bewundert. Und ich glaube, das hat ihn doch ganz schön geprägt jetzt im Zuge der Entwicklung von Apple.

Meurer: Das Logo von Apple ist ja der angebissene Apfel. Apple, Apfel. Warum ist der Apfel angebissen eigentlich?

Zec: Da erwischen Sie mich jetzt auch auf dem falschen Bein, ich habe mir da auch nie drüber Gedanken gemacht, warum der angebissen ist. Das ist so eine Ikone, die man einfach so nimmt, wie sie ist, ja?

Meurer: Steht das vielleicht für Lebendigkeit, oder was könnte es sein?

Zec: Es ist wahrscheinlich so, der angebissene Apfel steht ja als Verlust für die Unschuld, denn das ist ja der Apfel im Paradies, der von Eva angebissen wird, und im Grunde genommen, in dem Moment, wo Apple sozusagen den Markt betritt, ist es ein Unternehmen und man trägt Verantwortung, also man ist nicht mehr unschuldig für das, was man tut.

Meurer: iPod, iPhone, iPad, iTunes - wie wichtig sind die Namen?

Zec: Die sind vielleicht genauso wichtig wie das Design, weil sie eine leichte Erinnerungsfähigkeit haben, nicht? Und sie sind zu Gattungsbegriffen geworden. Also das iPad oder das iPhone, das sind sozusagen Geräte, die für sich stehen. Oder der iPod zum Beispiel hat ja eine ganze Gattung geprägt.

Meurer: In der Technikszene wird Apple vorgeworfen, nie wirklich eigene Produkte erfunden zu haben, sondern immer auf die Ideen anderer zurückgegriffen zu haben. War Steve Jobs, Herr Zec, in Wirklichkeit ein Designpionier, aber kein Technikpionier?

Zec: Das würde ich so unterstreichen, ja, aber darin sehe ich nichts Verwerfliches, sondern ich finde, es ist gerade ja die Aufgabe von Design, Erfindungen und Technologien gebrauchsfähig zu machen und in den Alltag rein zu führen, und das hat Jobs mit Perfektion betrieben. Er musste jetzt sozusagen kein technischer Innovator sein, aber er war Innovator im Sinne des Lifestyles, und er hat uns damit sozusagen unser Leben doch erheblich bereichert.

Meurer: Gibt es irgendetwas, was er nicht gut gemacht hat?

Zec: Ja, die Technik. Also das regt mich manchmal tatsächlich auf, dass das ein oder andere Gerät dann doch nicht so auf der Höhe ist, und was mich natürlich am meisten ärgert, ist, dass er bestimmte Marotten hatte, also beispielsweise, dass er Flash, diese Anwendung Flash, verabscheute. Und wenn Sie jetzt sozusagen Flash-Applikationen auf Ihrem iPad oder vor allen Dingen auf dem iPhone haben, dann funktionieren die nicht, und das ärgert mich natürlich manchmal.

Meurer: Professor Peter Zec, für Medien- und Kunstwissenschaften Professor und Mitglied im Internationalen Design-Dachverband über den Tod und über die Leistungen von Steve Jobs hier bei uns im Deutschlandfunk. Danke, Herr Zec, Wiederhören!

Zec: Ich danke Ihnen, tschüss!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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