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StartseiteVerbrauchertippWas man beim Downshifting beachten sollte04.04.2018

Arbeit reduzierenWas man beim Downshifting beachten sollte

Führungskräfte beschäftigen sich vor allem mit politischen und unternehmensinternen Fragen. Wem das nicht liegt oder wer lieber wieder mehr fachbezogen seiner Qualifikation entsprechend arbeiten möchte, hat die Möglichkeit zum sogenannten Downshifting. Doch nur wenige Arbeitnehmer wagen diesen Schritt.

Von Magret Bielenberg

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Szene aus einem Bewerbungsgespräch (imago stock&people)
Wer ganz oder zeitweise aus einer Führungsposition wieder in eine niedrigere Position wechseln möchte, sollte sich vorab genau über die Folgen informieren und offene Fragen im Gespräch klar benennen (imago stock&people)
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Über eine Beförderung müsste sich jeder freuen, könnte man meinen. Mehr Verantwortung, mehr Anerkennung, mehr Gehalt. Dem ist aber nicht immer so, sagt Sandra Schumacher, Karriereberaterin in Hamburg.

"Dann wird man irgendwann Abteilungsleiter und der Weg nach oben entfernt einen in Wahrheit häufig von dem, was man sehr gut kann und was man eigentlich gern gemacht hat, wo man richtig gut war. Und am Ende beschäftigt man sich häufig den ganzen Tag mit Politik und mit vielen internen Organisationsgeschichten."

Nur wenige Unternehmen bieten neben einer Führungskarriere eine Fachkarriere an, sagt Sandra Schumacher. Und so findet sich manch motivierter und qualifizierter Arbeitnehmer unzufrieden und gestresst in einer leitenden Funktion wieder. Ein Downshifting, also ein sogenannter Rückschritt zum Fachverantwortlichen, bedeutet für viele ein Scheitern. Das ändert sich allerdings gerade, meint die Karriereberaterin.

"Ich finde es bewundernswert, was die jüngere Generation dort im Moment an Forderungen stellt und meine Erfahrung aus Führungskräftetrainings mit älteren erfahrenen Führungskräften ist, dass die komplett sprachlos sind gegenüber dieser neuen Generation. Also die wissen wirklich nicht wie sie mit diesen neuen Forderungen gerade umgehen sollen."

Gut vorbereitet ins Gespräch gehen

Wer lieber wieder mehr inhaltlich als organisatorisch arbeiten will, sollte gut vorbereitet ins Gespräch gehen: auf die eigenen Stärken hinweisen, neue Ideen einbringen. Vielleicht eine Abteilungsleitung zu zweit organisieren, um sich weiterhin mehr inhaltlich fokussieren zu können. Wer einen Partner vorschlagen kann - umso besser. Zurück in die Fachverantwortung kann auch weniger Arbeitszeit bedeuten. Wichtig sind da genaue Vorschläge.

"Ich möchte jetzt also nur noch 30 Stunden arbeiten. Wann soll das sein, wie soll das sein und wie wäre die Arbeit, die weniger zu leisten ist, zum Beispiel auch zu verteilen, beziehungsweise abzugeben?"

 Beschäftigen Arbeitgeber mehr als 15 Mitarbeiter, können sie den Wunsch nach Arbeitsreduzierung, die oft  in Zusammenhang mit Downshifting stehen kann, nicht einfach ablehnen, sagt Johannes Wuppermann, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Hamburg.

"Wenn ich einen Antrag stelle bei meinem Arbeitgeber, dann habe ich einen Anspruch darauf, dass er sich damit auseinandersetzt und dass er prüft, ob das betrieblich möglich ist."

Gegenenfalls Befristung des Downshiftings vertraglich festlegen

Nur wenn der Arbeitgeber belegen kann, dass es betrieblich nicht funktioniert, kann er es ablehnen. Eine Änderung der Arbeitszeit oder Tätigkeit kann gegebenenfalls sogar kurzfristig mit einem neuen Arbeitsvertrag erfolgen.

"Wobei die Beschäftigungsdauer natürlich angerechnet wird. Also es verändert nichts daran, dass ich schon so und so viele Jahre in dem Betrieb bin."

Wer Arbeit reduziert, kann eventuell später wieder mehr arbeiten wollen. Denn manchmal kann Downshifting auch aus privaten Gründen gewollt sein, um beispielsweise Angehörige zu pflegen. Deshalb schlägt der Arbeitsrechtler vor, wenn betrieblich möglich, eine Befristung in den Vertrag aufzunehmen, um beispielsweise nach zwei Jahren wieder voll arbeiten zu können.

Die finanziellen Folgen bedenken

Egal aus welchem Grund man beruflich zurückfahren möchte, Karriereberaterin Sandra Schumacher empfiehlt, sich genau mit seiner Situation und den finanziellen Folgen auseinanderzusetzen. Manchmal könne man sich beispielsweise auch bei einer Auszeit vom Job, in der man ganz andere Dinge tut, klar über seine zukünftige persönliche und berufliche Entwicklung werden.

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