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StartseiteDeutschland heuteFlüchtlinge als Bufdis08.01.2016

Arbeitsperspektiven für AsylsuchendeFlüchtlinge als Bufdis

Flüchtlinge helfen Flüchtlingen. Diese Idee steckt hinter 10.000 neu geschaffenen Bundesfreiwilligenstellen extra für Flüchtlinge. Die neuen Bufdis sollen Ehrenämtler in der Flüchtlingsarbeit helfen. In der niedersächsischen Gemeinde Sögel hat der Syrer Ammar Dawood als Bufdi angefangen und unterstützt den Flüchtlingsbeauftragten der Kommune.

Von Hedwig Ahrens

Flüchtlinge in der Zeltstadt  auf dem Flugplatz in Bitburg  (picture alliance / dpa / Foto: Harald Tittel)
Ähnlich wie dieser Helfer könnten künftig Flüchtlinge mit gesichertem Status anderen Flüchtlingen als Bufdi bei der Ankunft in Deutschland helfen (picture alliance / dpa / Foto: Harald Tittel)
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Vom Übersetzer bis zum Helfer für alles Flüchtlinge im Bundesfreiwilligendienst

Ammar Dawood hat am Mittag einen seiner ersten Einsätze in einer Flüchtlingsunterkunft im emsländischen Spahnharrenstätte: Dort leben in einem Einfamilienhaus elf Syrer und ein Marokkaner. Der ehrenamtliche Helfer Nico Lindholz repariert mit ihnen ihre Fahrräder, auf die sie hier auf dem platten Land angewiesen sind. Dawood, der selbst vor einem Jahr aus dem syrischen Aleppo geflohen ist, fungiert als Dolmetscher:

Nico Lindholz:"Scheinbar ist die Schaltung defekt"

Ammar Dawood übersetzt ins Arabische.

"Meine Hauptaufgabe ist, Flüchtlinge helfen. Ich kann übersetzen, ich kann mit Flüchtlinge kontaktieren. Meine Muttersprache ist arabisch. Ich spreche arabisch, deutsch und englisch auch."

Dawood hat im Emsland einen halbjährigen Deutschkurs absolviert und bringt aus Syrien eine Ausbildung als Verwaltungskraft mit.

"In Heimatland ich habe Abitur besucht und nach Abitur ich habe ein Institut besucht. Mein Beruf ist Verwaltungstätigkeiten."

Seit dieser Woche bringt er seine Fähigkeiten als Bundesfreiwilliger in die Samtgemeinde Sögel ein, zu der auch das Dorf Spahnharrenstätte gehört. Die Kommune ist eine der ersten Institutionen in Deutschland, die das Sonderprogramm des Bundesfreiwilligendienstes des Familienministeriums für einen Flüchtling in Anspruch nimmt. Samtgemeinde-Chef Günter Wigbers muss die Unterbringung und Integration von 220 Migranten managen.

"Das beinhaltet für uns mindestens zwei Komponenten: Das eine ist die technische, nämlich die Beschaffung von Wohnraum, die Einrichtung von Wohnraum und die Abwicklung der gesamten Bürokratie. Aber wir haben es bei Flüchtlingen eben mit Menschen zu tun. Wenn wir diese Aufgabe - nämlich die Menschen vernünftig unterzubringen und versuchen zu integrieren - vernünftig machen wollen, dann brauchen wir auch Personal, das mit diesen Menschen kommuniziert. Und ihnen zeigt, wie das gesellschaftliche Leben hier in Sögel funktioniert. Deswegen waren wir sehr dankbar, dass es dieses Sonderprogramm gibt und haben uns sehr frühzeitig um eine Stelle bemüht. Und haben auch eine exzellente Besetzung gefunden."

Unkompliziertere Kommunikation durch den Bufdi

Bereits im Oktober hat die Kommune einen Flüchtlingsbeauftragten eingestellt. In seinem Willkommensbüro arbeitet der 24-jährige Johannes Brachem jetzt mit Ammar Dawood zusammen. Und besucht mit ihm die Flüchtlingsunterkünfte. Neben den Radreparaturen steht heute eine weitere Aufgabe auf dem Programm.

"In den letzten Tagen hat einer der Bewohner den Bescheid bekommen, dass er den Aufenthaltstitel für drei Jahre bekommt. Und jetzt werden wir gleich darüber reden, wie es für ihn weitergeht, was er machen muss. Und das alles ist viel, viel unkomplizierter mit der Hilfe von Herrn Dawood zu erklären. Das spart auch viel Zeit und viele Missverständnisse ein."

Bufdi-Dienst als berufliche Chance

Der 30-jährige Ammar Dawood ist mit seiner Frau und zwei einjährigen Zwillingen nach Deutschland gekommen und als Kontingentflüchtling registriert. Das heißt, er hat eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. Sie ist Voraussetzung für den Einsatz von Flüchtlingen und Asylsuchenden im Sonderprogramm des Bundesfreiwilligendienstes. Mit seiner Ausbildung ist er für den Job als Bufdi eigentlich überqualifiziert. Dawood ist aber froh, überhaupt eine Beschäftigung gefunden zu haben. Weder in Deutschland noch vorher in Syrien hatte er eine Arbeit. Durch den Einsatz im Freiwilligendienst erhofft er sich berufliche Perspektiven.

"Ich kann viele neue Leute kennenlernen und dann deutsche Leute kontaktieren. Und dann kann ich in meinen Lebenslauf schreiben, ich habe eine kleine Arbeitsstelle."

Auch Samtgemeinde-Bürgermeister Günter Wigbers will sich weiter für den Syrer starkmachen - und nicht nur für ihn .

"Arbeit integriert. Es ist gerade Aufgabe unseres Flüchtlingsbeauftragten und des neuen Bufdis, den Kontakt auch zur hiesigen Bevölkerung auch zu suchen, insbesondere zu Unternehmen, die in einer großen Vielzahl bereit sind, Flüchtlinge zu beschäftigen. Aber wie das dann genau geht, da müssen alle noch üben.

 

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